Der warmherzige Begleiter sagt Ade: Diakon Alois Winderl in den Ruhestand verabschiedet

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Abschied nach Jahrzehnten des Bei-den-Menschen-Seins: Hunderte Schlierseer sagten Diakon Alois Winderl im Bauerntheater Lebewohl. © Christian Scholle

Es war nicht nur der Abschied des Pfarrverbands, sondern der einer ganzen Gemeinde. Schliersee hat Diakon Alois Winderl Lebewohl gesagt – und viele Waakirchner auch. Nach 36 Jahren Seelsorge im Kreis Miesbach geht mit Winderl ein beliebter Begleiter der Menschen in den Ruhestand.

Schliersee – So viel Wertschätzung erfahren wohl wenige Kirchenleute, wenn es heißt, Lebewohl zu sagen. Und es war auch weniger der Diakon, von dem die Schlierseer nun Abschied nahmen. Eine Funktion kann man nachbesetzen. Nein, es war der Mensch Alois Winderl, den Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft nun in den Ruhestand verabschiedeten. Genau das unterstrich Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer in seinem Wortbeitrag: „Du hast immer das Menschsein, das Miteinander in den Mittelpunkt gestellt, weniger die kirchlichen Regularien. Das hat Dich ausgezeichnet.“ Die Mitmenschen im voll besetzten Bauerntheater sahen das genauso und spendeten zustimmenden Applaus.

Schon bei der Andacht in der St. Sixtus-Kirche musste stehen, wer zu spät kam. So groß war der Andrang. Winderl selbst zelebrierte diesen ersten Teil der Feierlichkeiten. „Danke, dass so viele gekommen sind, um mit mir Gott zu danken“, sagte der Diakon eingangs und zitierte später den Bibelvers aus dem Petrusbrief, den er bei seiner Diakonweihe für sein seelsorgerisches Handeln wählte: „Seid stets dazu bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der euch nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.“

Winderl blickt auf 36 Jahre Seelsorge zurück

Diese Forderung hat Winderl in seinen 24 Jahren in Waakirchen und weiteren zwölf Jahren in Schliersee mit viel Herz gelebt, wie aus den weiteren Ansprachen an diesem Abend hervorging. Winderl war stets willkommener Begleiter und Stütze der Menschen, wo immer er gebraucht wurde – nahbar, unaufdringlich, warmherzig, bei Taufen, Hochzeiten und Todesfällen, im kirchlichen Umfeld und im weltlichen, wie in Kindergärten und Schulen oder auch in seiner Funktion als Notfallseelsorger. Treffend auch der Korinther-Vers, den Klaus Scharnagl für den Pfarrverband zitierte, um Winderls Haltung zu beschreiben: „Nicht Herr über euren Glauben, sondern Hilfe eurer Freude will ich sein.“

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Die Würdigung von Winderls langjährigem seelsorgerischem Wirken war den Anwesenden ein erkennbares Anliegen. Der Gabentisch bog sich förmlich unter den Geschenken, auf die die meisten nicht verzichten wollten, obwohl Winderl selbst Spenden für das Weinbergkircherl lieber gewesen wären. Die gab es freilich auch. Im Bauerntheater hatte der 66-Jährige erst nach Ende des offiziellen Teils Zeit, mit den Gästen ins Gespräch zu kommen. Immer wieder wurde er auf die Bühne gebeten, tanzte bei der Einlage des Crossover-Teams mit oder nahm Blumen aus den Händen der Kinderchor-Kinder entgegen. Trachtler, Feuerwehr, Veteranen, Kriseninterventions-Team und weitere mehr, alle wollten Dank sagen. Zahlreich übrigens auch der Besuch aus Waakirchen. Bürgermeister Norbert Kerkel sprach, und die Gebirgsschützen feuerten Salutschüsse ab.

Pfarrverband wird wohl an Miesbach-Hausham angegliedert

In seinem Wohnort Holzkirchen werde er in überschaubarem Maße weiterhin tätig sein – in der sogenannten Seelsorgemithilfe, ließ der Diakon wissen. Auch die Notfallseelsorge wird weiter auf Winderl bauen können. „Du sorgst Dich um jeden, gibst Rück- und Zusammenhalt“, hatte für diese Martin Hauder gesagt. Seinerseits Rückhalt erfährt der Bald-Ruheständler von seiner Frau und seinen beiden Töchtern, wie er dankend sagte.

Für den Pfarrverband bedeutet Winderls Abschied den nächsten Schritt auf dem Weg eines herausfordernden Umbruchs. Seit Jahren ist eigentlich nur eine halbe Pfarrer-Stelle für Schliersee-Neuhaus vorgesehen. Nächstes Jahr geht Pfarrer Hans Sinseder in den Ruhestand. Es läuft auf eine Angliederung an den Verband Miesbach-Hausham hinaus.

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