Vertrag bis 2027: Markus Kauczinski beerbt Ex-Trainer Patrick Glöckner beim TSV 1860 München. Mit ihm soll der Umbruch gelingen.
München – 40 Minuten. So lang ging die erste Pressekonferenz des neuen Trainers des TSV 1860. Mal mit breitem Grinsen flachsend, mal mit ernstem Blick mahnend, gab Markus Kauczinski im rappelvollen Pressestüberl einen ersten Eindruck ab. Manfred Paula, als Interimsgeschäftsführer der Strippenzieher hinter der Verpflichtung, verfolgte schweigend das erste Kennenlernen. Erst nach 15 Minuten wurde Paula die erste Frage gestellt – im Rampenlicht stand sonst Kauczinski, der 55-jährige Gelsenkirchener.
Diesen haben die Löwen als Nachfolger von Trainer Patrick Glöckner geangelt. 13 Tage nach dessen Entlassung folgte die Verkündung des neuen Löwen-Dompteurs. Markus Kauczinski übernimmt ab kommenden Montag die sportliche Leitung. Das Wochenende bekommen die Spieler frei, auch „um den Kopf freizubekommen und die Akkus aufzuladen“. Erst dann beginnt die Mission des neuen Cheftrainers, der zuletzt bis April 2024 den SV Wehen Wiesbaden trainierte, die Münchner nach dem holprigen Saisonstart zurück auf Erfolgskurs bringen.
Markus Kauczinski stellt sich als neuer Trainer des TSV 1860 vor: „Will begeisternden Fußball spielen“
Mit welcher Formation ließ der erfahrene Coach, der bereits den Karlsruher SC und Wehen Wiesbaden zum Aufstieg führte, nicht durchblicken. Seine Spielphilosophie definierte er dabei klar: „Ich will begeisternden Fußball spielen, will viel über den Ballbesitz kommen, aber auch hart verteidigen. Letztendlich gilt es aber, mit der Mannschaft zu arbeiten und immer zu schauen, wie gewinnen wir das nächste Spiel. Was passt zu dem Team am besten. Das Potenzial, das wir alle sehen, das müssen wir jetzt herausholen.“
Die Vorfreude auf die neue Aufgabe war dem 55-Jährigen deutlich anzumerken. „1860 ist einfach ein geiler Verein. Ich habe schon oft im Stadion gespielt und es hat immer Spaß gemacht.“ Auch die Mannschaft sei für Kauczinski nicht neu. René Vollath kenne er bereits aus Karlsruher Zeiten, Max Christiansen trainierte er bereits in Ingolstadt, Max Reinthaler zuletzt in Wiesbaden. Gegen viele andere Spieler aus dem Löwen-Kader habe er bereits mehrmals gespielt.
Vertrag bis 2027: Kauczinski sieht „jedes Spiel gewinnbar“
Kauczinski, der auch geholt wurde, um die jungen Spieler zu fördern und zu integrieren, stellte klar: „Einzelne Qualitäten und Namen müssen nicht unbedingt eine Mannschaft ausmachen. Das Gerede über einzelne Spieler ist nicht zielführend.“ Doch sein Blick gehe nun nach vorne, „den ganzen Quatsch“ der letzten Wochen will der neue Coach hinter sich lassen.
Sein Debüt an der Seitenlinie wird Kauczinski am 19. Oktober gegen Spitzenreiter MSV Duisburg geben – eine Herausforderung, die wie geschaffen scheint für einen Trainer, der große Aufgaben liebt. Kauczinski gibt sich dabei hochmotiviert und verkündete angriffslustig: „Jedes Spiel ist gewinnbar“. Mit seinem Vertrag bis 2027 soll er den Löwen langfristig zu alter Stärke verhelfen und das schlummernde Potenzial des traditionsreichen Vereins endlich wieder zum Leben erwecken.
Als alle anwesenden Journalisten so langsam gesättigt schienen, ergriff Manfred Paula noch einmal das Wort und lobte Interimstrainer Alper Kayabunar, der „in einer nicht einfachen Situation eingesprungen“ sei. Kayabunar habe es „toll gemacht. Natürlich hätten wir uns mehr als einen Punkt gewünscht – aber das war nicht seine Schuld.“ Kayabunar selbst, eigentlich Cheftrainer des TSV 1860 II, huschte kurz vor der Pressekonferenz noch aus der Kabine in Richtung Auto, grüßte und grinste kurz und gab zu: „Ich habs immer sehr gerne gemacht.“ (mg)