Manchmal lauert die Gefahr im Verborgenen. Ein Aneurysma im Gehirn – medizinisch „intrakranielles Aneurysma“ genannt – ist eine Ausbuchtung an einer Schlagader, die oft jahrelang keine Beschwerden macht. Doch wenn die Gefäßwand an dieser Stelle reißt, kommt es zu einer lebensbedrohlichen Hirnblutung. Die Folgen können gravierend sein: Lähmungen, bleibende neurologische Schäden oder sogar der Tod.
So häufig sind Aneurysmen
Mediziner schätzen, dass etwa zwei bis drei Prozent aller Erwachsenen ein Aneurysma im Gehirn tragen – oft, ohne jemals davon zu erfahren. Die meisten bleiben ein Leben lang unauffällig. Das Problem: Es gibt keine typischen Frühwarnzeichen. In Deutschland gibt es Schätzungen zufolge etwa 1,5 bis zwei Millionen Menschen mit einem Hirnaneurysma.
Zuletzt sprach Moderatorin Monica Lierhaus über ihre Diagnose Hirnaneurysma. Diese habe sie nur durch einen Zufall erhalten, wie sie im "Bild"-Podcast berichtet. Eigentlich wollte Lierhaus sich die Augen lasern lassen. Ein befreundeter Arzt riet ihr dazu, ein MRT des Kopfes machen zu lassen, "ob da auch wirklich alles in Ordnung sei". Das machte sie.
Das dabei zufällig entdeckte Aneurysma müsse sofort operiert werden, hieß es damals. Während der OP platzte das Aneurysma, Lierhaus lag vier Monate im Koma. Bis heute leide sie unter den Folgen der Hirn-Operation, die bereits 2009 stattgefunden hat, und kämpfe gegen die gesundheitlichen Folgen an.
Risikofaktoren: Wer besonders aufpassen sollte
Warum sich ein Aneurysma bildet, ist nicht immer eindeutig. Es gibt jedoch bekannte Risikofaktoren, die die Gefäßwand schwächen oder das Wachstum fördern können:
- Bluthochdruck – dauerhafter Druck belastet die Gefäßwände.
- Rauchen – schädigt Blutgefäße und erhöht das Risiko deutlich.
- Familiäre Vorbelastung – hatten nahe Verwandte ein Aneurysma, steigt das eigene Risiko.
- Bestimmte Erbkrankheiten – zum Beispiel Bindegewebserkrankungen wie das Marfan-Syndrom.
- Ungesunder Lebensstil – starkes Übergewicht, Bewegungsmangel und hohe Blutfettwerte wirken langfristig belastend auf die Gefäße.
Wenn das Aneurysma platzt – das sind die Warnzeichen
Solange ein Aneurysma stabil bleibt, verursacht es in der Regel keine Beschwerden. Kritisch wird es, wenn die Gefäßwand reißt und Blut ins Gehirn austritt. Typische Anzeichen sind:
- Plötzlicher, extrem starker Kopfschmerz („Donnerschlagkopfschmerz“ oder okzipitale vernichtende Kopfschmerzen) – oft als der schlimmste Schmerz im Leben beschrieben
- Übelkeit und Erbrechen
- Sehstörungen – Doppelbilder oder verschwommenes Sehen.
- Lichtscheu, Nackensteifigkeit
- Bewusstseinsverlust
Diese Symptome sind ein absoluter Notfall. Sofort den Rettungsdienst rufen (112) – jede Minute kann über Leben und Gesundheit entscheiden.
Kann man einem Aneurysma vorbeugen?
Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht. Aber wer seine Gefäße gesund hält, senkt das Risiko. Folgende Maßnahmen können hierbei helfen:
- Blutdruck regelmäßig kontrollieren und behandeln
- Rauchstopp – einer der wichtigsten Schritte
- Ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und gesunden Fetten
- Regelmäßige Bewegung, idealerweise mehrmals pro Woche
- Verzicht auf übermäßigen Alkoholkonsum
Wann Vorsorge sinnvoll ist
Eine vorsorgliche Gefäßdarstellung mittels MRT oder CT-Angiografie kann erwogen werden, wenn:
- in der Familie bereits Aneurysmen oder Hirnblutungen aufgetreten sind
- mehrere Risikofaktoren gleichzeitig vorliegen
- eine genetische Bindegewebserkrankung bekannt ist
Früherkennung bietet die Chance, ein Aneurysma minimalinvasiv – zum Beispiel mit einem sogenannten „Coiling“ oder „Clipping“ – zu behandeln, bevor es reißt.
Aneurysmen im Gehirn sind tückisch, weil sie lange unentdeckt bleiben. Wer seine Risikofaktoren kennt und auf Warnsignale achtet, kann im Ernstfall schneller reagieren. Vorbeugung ist vor allem Gefäßpflege – und die beginnt im Alltag.
Dr. med. Mimoun Azizi ist Chefarzt des Zentrums für Geriatrie und Neurogeriatrie im KVSW und Facharzt für Neurologie. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.