„Der Mensch ist doch auch eine Kreatur“ – Beliebte Badestelle in bayerischem Fluss soll verschwinden

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Der Sprung ins kühle Nass, wie ihn dieses Foto aus dem Jahr 2018 zeigt, ist nach dem Abbau des Ammerwehrs nicht mehr möglich. © EMANUEL GRONAU

Während für die einen ein großer Wunsch in Erfüllung geht, hoffen die anderen, dass noch lange alles beim Alten bleibt. Denn dann bleibt eine beliebte Badestelle in einem bayerischen Fluss noch eine Weile erhalten.

Am liebsten kommt Hans Fischer an richtig heißen Sommertagen ans Peißenberger Ammerwehr. Seit ungefähr 65 Jahren ist dort sein erklärter Lieblingsplatz in den warmen Monaten. „Man kann da schwimmen, sich vom Wasser massieren lassen, es ist wunderbar da“, sagte der Peißenberger, gegenüber dieser Zeitung, als es vor rund fünf Jahren um dieses Thema ging.

„Es ist wunderbar da“

Schon damals fürchtete Fischer, dass der nächste Sommer der letzte an seinem Lieblingsplatz an der Ammer sein würde, weil schon damals klar war, dass das PKG-Wehr renaturiert werden würde. Dem war nicht so. Fischer hatte noch ein paar Sommer an seinem Lieblingsplatz und genoss an zahlreichen heißen Tagen die Erfrischung, die ein Bad in der Ammer bietet.

Auch heuer hat Fischer etliche Male die Badestelle am Ammerwehr aufgesucht, wie er jüngst gegenüber dieser Zeitung sagte. Aber in diesem Jahr ist bei allem Genuss auch eine gute Portion Wehmut mitgeschwommen, denn die Tage des Wehrs sind gezählt. In diesem Herbst soll nun definitiv mit dem Rückbau begonnen werden.

Lang gehegter Wunsch

Damit geht ein lang gehegter Wunsch von der Umweltorganisation WWF in Erfüllung, denn mit dem Abbau des Peißenberger Wehrs wird nämlich erreicht, dass die Ammer zwischen dem Ammersee und der Gegend bei Rottenbuch durchgängig ist. Davon profitieren nach Ansicht der WWF-Mitarbeiter vor allem Fische, die dann leichter zu ihren Laichplätzen wandern können. Am Ammerwehr in Peißenberg gibt es zwar eine Fischaufstiegsanlage, diese ist aber nicht mehr funktionsfähig.

Fischer hat vollstes Verständnis dafür, dass es den Fischen erleichtert werden muss, zu ihren Laichplätzen zu gelangen, aber er versteht nicht, warum nicht beides möglich sein kann: dass eine Schwimmstelle in der Ammer erhalten bleibt und die Fische aufsteigen können. „Warum kann die Fischtreppe nicht repariert werden?“, fragt er sich. Es sei sogar genügend Platz dafür, dass die Fischaufstiegsanlage erweitert werden könne und dennoch eine Bademöglichkeit erhalten bliebe. „Der Mensch ist doch auch eine Kreatur“, sagte Fischer im Jahr 2018 zu diesem Thema.

Auch wenn der Rückbau des Ammerwehrs wohl in diesem Herbst endgültig vollzogen wird, Fischer würde es sich sehr wünschen, dass doch noch nach einer Lösung gesucht wird, die den Fischen und den Menschen gleichermaßen dient. „Ein solches Juwel zu zerstören, tut jedem Naturliebhaber in der Seele weh“, sagt er.

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