Eine ganze Wand als Graffiti: Das hat es beim Gilchinger Christoph-Probst-Gymnasium bis Freitag noch nicht gegeben. Mehr als 2000 Gäste versammelten sich zur festlichen Enthüllung im Rahmen des Maifestes auf dem Schulgelände.
Gilching – Die Stimmung war gespannt am Freitagnachmittag auf dem festlich geschmückten Gelände des Christoph-Probst-Gymnasiums in Gilching. Der Maibaum lag im Schulhof bereit, zum Glück war er nicht nochmals gestohlen worden. Bevor er jedoch aufgestellt wurde und das selbst gebraute Bier des Wahlkurses Bierbrauen fließen konnte, war die Graffiti-Kunst von Lando alias Melander Holzapfel die Hauptattraktion. Denn eine ganze Wand als Graffiti – das hatte es beim CPG bis dahin noch nicht gegeben. Mehr als 2000 Gäste hatten sich zur festlichen Enthüllung im Rahmen des Maifestes auf dem Schulgelände versammelt. Das Maifest zählt zu den zahlreichen Festivitäten, mit denen das größte Gymnasium des Landkreises mit aktuell 1557 Schülerinnen und Schülern in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert.
Im Gespräch mit Schulleiterin Elisabeth Mayr schilderte Lando die Entstehungsgeschichte des Kunstwerks. Nach einem Workshop in der Realschule Herrsching sei die Kunstlehrerin Bettina Sitt-Möbius aus dem CPG auf ihn zugekommen, so Lando. Das war der Beginn eines intensiven Prozesses. Lando beschäftigte sich daraufhin mit der Geschichte der Weißen Rose, dem Namensgeber der Schule, Christoph Probst, und er besuchte das Justizministerium in München. Ihm sei gleich klar gewesen: das Zusammenbringen der Weißen Rose, das 50-jährige Bestehen des CPG und die Gegenwart – „das ist eine Herausforderung, da stand ich schon sehr unter Strom“. Anfangs habe es drei Entwürfe gegeben, „aber der jetzige war immer mein Favorit“.
Zu sehen ist ein in eine alte Schreibmaschine eingespanntes Blatt Papier. Auf ihm steht „Demokratie braucht Gestalter innen“. Die Sache mit dem von Ministerpräsident Markus Söder verbotenen Gendern hat Lando gelöst, indem er eins von sechs grünen Blättern elegant in die Lücke vor dem „innen“ gezeichnet hat. Das helle Beige des Blattes in der Schreibmaschine erinnert an die Farbe einer weißen Rose. Die grünen Blätter lehnen an die Farbe der Schule an. Es sind sechs – auch die Widerstandsgruppe Weiße Rose bestand aus sechs Mitgliedern. Und es wurden sechs Flugblätter verteilt. „Ich wollte auf jeden Fall ein positives Zeichen setzen. Wir dürfen nie aufgeben, uns für Freiheit und Demokratie einzusetzen“, betonte Lando. Die Schreibmaschine und ein Zeitstreifen weisen zurück in die Zeit der Weißen Rose. „Und die Schülerinnen und Schüler standen alle mit dem Handy davor. Das ist auch eine Verbindung.“
Wie bekommt man nun so ein mehrere Quadratmeter großes Bild an die Wand? Mit einer Hebebühne und mit Unterstützung durch Künstler Bert alias Nils Jänisch, mit dem Lando immer unterwegs ist und mit dem zusammen er auch das riesige Graffiti am Gilchinger Feuerwehrhaus realisiert hat. In der Freinacht fingen die beiden Graffiti-Künstler an und projizierten das Bild per Beamer an die Wand „Wir haben natürlich der Polizei Bescheid gegeben, falls die Nachbarn anrufen.“ Bis Sonntag dauerten die Arbeiten, am Donnerstag vor der Enthüllung lackierte Lando die Blätter noch nach, Schüler halfen am nächsten Morgen um 6 Uhr in der Früh dabei, nochmals die Plane zu befestigen.
„Es ist das bedeutendste Bild in meiner 38 Jahre dauernden Karriere“, sagte der 51-Jährige im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Noch nie sei ein Bild von ihm enthüllt worden. Und im Gegensatz zu vielen anderen Arbeiten im öffentlichen Raum „bleibt dies bestehen“. Die Plane fiel bei der Enthüllung unter begeistertem Jubel der Anwesenden.
Es folgte die Aufstellung des Maibaums, Schulleiterin Mayr stach das Fass des eigens vom Wahlkurs Bierbrauen gebrauten Biers an. Für die kleinen Gäste gab es Spiele und viel Unterhaltung, die Blasmusikgruppe spielte, später gab es eine Bar. „Das Maifest des Christoph-Probst-Gymnasiums war ein voller Erfolg und wird den Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben“, schreibt die Schule in einer Mitteilung. Auch das Bier soll übrigens sehr gut gewesen sein. Lando: „Ich liebe Bier. Die haben einen Megastoff gezaubert.“