Als ein Prozess soll laut Markus Brautsch, dem wissenschaftlichen Leiter am Institut für Energietechnik in Amberg, die Wärmeplanung verstanden werden. Sie ist künftig Pflichtaufgabe aller deutscher Gemeinden. Es gehe dabei nicht allein um die Wärmenetzplanung, so der Experte. Um den Fraunberger Gemeinderäten mehr Informationen zu geben, hatte die Verwaltung den Energie-Experten eingeladen.
Fraunberg – Im Landkreis besteht laut Bürgermeister Hans Wiesmaier bereits eine gemeinsame Planung, bis auf wenige Gemeinden seien hier alle dabei. Denn bis 2028 müssen alle Kommunen einen jeweiligen Weg für dieses Thema aufzeigen. Seit Januar 2024 sei das neue Gesetz in Kraft, seit vier Monaten gelte auch das Landesrecht in Bayern, erklärte Brautsch.
„Darin steht, dass die Gemeinden zwar nicht verpflichtet sind, ein Wärmenetz zu erstellen. Sie sollen aber Vorranggebiete aufzeigen, haben schließlich die Planungsverantwortung bekommen, für diese Mehrbelastung – pauschaliert nach der jeweiligen Einwohnerzahl – auch Fördergelder.“ Für Fraunberg wären das 41 000 Euro vom Freistaat.
Nachhaltige Energieversorgung
Das neue Gesetz zur Wärmeplanung, so der Experte weiter, biete Chancen für eine nachhaltige Energieversorgung in der Zukunft, „damit können ganz neue, detailliert ausgearbeitete und auch sehr individuelle Wärmenetze aufgezeigt werden“. Am Beispiel bereits existierender Wärmeplanungsprojekte in Oberbayern, etwa aus Wolnzach oder Greding, zeigte Brautsch auf, wie örtlich unterschiedliche Energiequellen sinnvoll für eine neue Wärmeplanung eingesetzt werden können. Diese neue Planung könne jedoch, so schränkte er ein, keine Garantien für den Ausbau aller Wärmenetzgebiete geben, ebenso wenig wie Garantien für einen Anschluss ans Fernwärmenetz und schon gar keine für daraus entstehende Kosten.
Dafür aber nahm er bereits im Vorfeld jenen Bürgern die Angst, eine vielleicht bereits installierte Wärmepumpe stilllegen zu müssen. „Im Gegenteil, im jeweils ausgewiesenen Gebiet wird die Förderung dafür weiter aufrechterhalten.“ Jedoch, betonte Brautsch, könne der einzelne Bürger nicht zur Teilnahme an einem Wärmenetz gezwungen werden, „die Planung einer jeden Gemeinde ist immer nur als Handreichung zu sehen“.
Noch Skepsis bei Gemeinderäten
Trotzdem zeigten sich einige Gemeinderäte noch skeptisch. Christian Gruber (WG Reichenkirchen) etwa kann sich angesichts einer so großen Flächengemeinde wie Fraunberg mit über 40 Einzelorten nicht vorstellen, dass dafür ein interessierter Investor zu finden sei. Und Fraktionskollege Michael Nett warf die Frage auf, wie sich denn Bauwerber verhalten sollten, die jetzt ein Projekt planen, aber noch keine verlässlichen Infos über später geforderte Wärmekonzepte bekämen.
Auch Rathauschef Wiesmaier wollte kein abschließendes Signal geben, viele Punkte gelte es noch zu prüfen. Schließlich wollte er vom Experten wissen, was passiere, wenn sich Fraunberg gar nicht an der Wärmeplanung beteilige. „Das kann ich nicht sagen, ich bin Energietechniker, kein Jurist“, so der Professor schmunzelnd. Das Thema wird sicher noch öfter auf der Sitzungsordnung stehen.