Die Vitalis Apotheke in Taufkirchen spendet 88 000 Euro an die DLRG für deren Unterstützung bei Corona-Tests während der Pandemie.
Taufkirchen – Die Corona-Pandemie brachte auch positive Aspekte mit sich: Hilfsbereitschaft, Solidarität, Kooperation. In Taufkirchen gibt es nun den Beweis dafür: ein neues, leuchtend rotes Boot für die DLRG, das beim diesjährigen Sommerfest eingeweiht wurde. „Wir haben ein neues Mitglied, unser Boot“, verkündete Vorsitzender Richard Hamburger zur Begrüßung. Es trägt den Namen „Vita“.
Das Apothekerpaar Stefan Schmitt und Jörg Heider, Inhaber der Vitalis Apotheke in Taufkirchen, übergab dem Verein eine Spende in Höhe von insgesamt 88 000 Euro. Wie dieser Betrag zustande kam, erzählten die beiden ausführlich. 2021 kam ein mit den Apotheken im Ort geplantes Corona-Testzentrum nicht zustande. „Die ursprüngliche Idee war aus verschiedenen Gründen nichts geworden“, berichtete Schmitt.
Ein Gewinn für alle Beteiligten
Was es mit dem Namen des Bootes auf sich hat, erklärte Hamburger: „Wir haben uns dabei von der Vitalis Apotheke inspirieren lassen. Vita ist das italienische Wort für Leben. So haben wir immer die Verbindung zu einem Boot, das Leben rettet, und zur Apotheke.“
Diesen Service alleine anzubieten, sei keine Option gewesen. Heider hatte erst ein halbes Jahr zuvor die Vitalis-Apotheke von Franz Stuckenberger übernommen und hätte nicht das nötige Personal gehabt. „Wir hätten das alleine kaum stemmen können. Pro Tag hätte man mindestens zwei Leute haben müssen, die nur testen.“ Aber woher diese Kräfte auf die Schnelle nehmen?
Weil Richard Hamburger in der Apotheke immer wieder Tüten für Kleiderspendenaktionen abgibt, hatte Mitarbeiterin Ulla Schreff die Idee, die DLRG ins Boot zu holen. Heider fand das klasse, denn die Mitglieder hätten zumindest alle Grundkenntnisse im medizinischen Bereich.
Zusammen mit Hamburger stellten die beiden Apotheker schnell ein Konzept auf. „Wir wollten auf keinen Kosten sitzenbleiben. Aber alles, was übrigbleibt, sollte an die DRLG gehen. Wir haben auch die Helfer ordentlich bezahlt“, betont Heider. 20 Euro pro Stunde erhielten sie, schließlich seien sie bei der Arbeit auch ein persönliches Risiko eingegangen, trotz Schutzmaßnahmen.
In den folgenden Monaten kümmerten sich die Apotheker um die Beschaffung der Tests, Telefonate und mehr. Hamburger übernahm die Personalverwaltung, ein enormer Organisationsaufwand für ihn. Fast 25 Leute hatte er, darunter drei Krankenschwestern und einige Sanitäter, die er für die Schichten anfragen konnte. Die eigentliche Arbeit in der Teststation habe größtenteils das medizinische Fachpersonal geleistet.
Angefangen hat man in einem Container am Parkplatz vor der Apotheke. Weil es im Winter aber sehr kalt geworden wäre, baute man das leerstehende Restaurant am Einkaufszentrum zum Testzentrum um. Los ging es mit den Tests im April 2021, der letzte Test fand im März 2023 statt.
Jetzt wurde wie vereinbart nach Abzug aller Kosten das übrige Geld an die DLRG gespendet. Dass es so viel ist, wagte keiner zu träumen. Eine erste Abschlagszahlung von 30 000 Euro erfolgte bereits in der Jahreshauptversammlung 2023. Nun gab es weitere 58 000 Euro. „Wir haben insgesamt einen guten Job gemacht. Es war eine Win-Win-Win-Situation für die Gemeinde, die Apotheke und die DLRG.“
Sein Mann Stefan Schmitt stellt fest: „Es war eine sehr turbulente Zeit, aber es war schön zu spüren, dass von allen Seiten an einem Strang gezogen wurde.“ Es sei gut, dass das Geld wieder zurückfließe. Ziel sei es gewesen, für die Apotheke eine schwarze Null auf der Abrechnung einzufahren. „Alles, was darüber hinausgeht, kriegt die DLRG gespendet“, lautete die Abmachung. Auch später, als sich abgezeichnet habe, dass das Apotheken-Team diese Aufgabe hätte meistern können, sei man bei der Vereinbarung geblieben.
Der sonst eher zurückhaltende DLRG-Chef erinnerte an die ganze Geschichte. „Es war ein Riesenakt.“ Er übernahm als Vorsitzender die Personalplanung, auch wenn er bis dato davon keine Ahnung hatte. Er begann, Vorstellungsgespräche und Meetings zu führen, mit Leuten, „die darauf Bock hatten mitzuhelfen“. Es habe auch einen verlockenden Stundenlohn von 20 Euro gegeben. „Aber der war gerechtfertigt für das, was wir am Ende zu tun hatten, mit Personen, die eventuell krank waren und Corona hatten.“
Psychisch fordernd und anfangs „ekelig“
Es sei vielleicht körperlich nicht anstrengend gewesen, aber psychisch. „Man musste sich viel anhören, jeder wollte schimpfen.“ Hamburger gab zu, dass es anfangs auch etwas „ekelig“ gewesen sei, den Nasen- und Spucktest vorzunehmen. „Da sind manche über ihren eigenen Schatten gesprungen und daran gewachsen.“
Der Verein werde die Spende für notwendiges Material einsetzen, für die Rettung von Personen in Wassernot, für die Suche von vermissten Personen, auch für die Suche nach Nachwuchs und die Ausbildung vorhandener Rettungskräfte sowie die Wartung des Materials.
„Wir können es uns erstmals seit diesem Jahr leisten, die persönliche Schutzausrüstung der Einsatzkräfte aus diesem Topf zu bezahlen.“ Das sei in der Geschichte der Taufkirchener DLRG bis dato nicht so gewesen. Alle musste ihre Einsatzkleidung selbst kaufen, erhielten dafür nur eine Unterstützung. „Das sei Dank dieser Aktion und ihres Versprechens möglich“ und in Hamburgers Augen sehr wertvoll. Das Geld werde gut und überlegt investiert, versprach er.