Der Tutzinger Arzneimittelhersteller Verla-Pharm stößt an Kapazitätsgrenzen. Das Unternehmen errichtet an der Bernrieder Straße ein vierstöckiges Gebäude, unter anderem für das Labor und den Vertrieb. Das große Wohnbauprojekt des Unternehmens muss noch warten.
Tutzing - Die Magnesium-Tabletten von Verla-Pharm stehen deutschlandweit in den Apotheken. Sie sind das Aushängeschild des Tutzinger Unternehmens, das nun auf die konstant steigende Nachfrage nach seinen Arzneiprodukten reagiert. Rund 40 Menschen versammelten sich am Dienstagvormittag bei Sekt und Häppchen an der Baugrube an der Bernrieder Straße 1. Es folgte der symbolische Spatenstich für ein vierstöckiges Gebäude, das wahrscheinlich rund 15 Millionen Euro kosten wird. Unter den Gästen war auch Bürgermeister Ludwig Horn, der im Gespräch mit dem Merkur über den wichtigen Gewerbesteuerzahler sagte: „Das ist gewinnbringend für die Gemeinde. Alle Zeichen stehen hier auf Zukunft.“
Auf den 3000 Quadratmetern kommt im ersten und zweiten Stock ein neues Labor unter, das den neuen Anforderungen der Technik entsprechen und eine effizientere Arbeitsweise ermöglichen soll. Im Erdgeschoss erhalten die Bereiche Vertrieb und Verpackung mehr Raum. „Wir platzen aus allen Nähten“, sagte Co-Geschäftsführer Philipp Lemke. In den oberen Etagen sind Büros und Konferenzräume geplant, während im Keller Platz für Technik und Mitarbeiter-Umkleiden sein wird.
Die Pläne, Abteilungen aus logistischen Gründen zum Hauptsitz zu verlagern – Verla-Pharm hat in Tutzing auch noch Standorte an der Von-Kühlmann-Straße und der Hauptstraße – existieren schon seit einigen Jahren. Produkte, die an der Bernrieder Straße hergestellt werden, müssen künftig nicht mehr zum Qualitätscheck im Labor durch den Ort transportiert werden. „Jede Probe muss bisher hin- und hergefahren werden“, sagte der andere Geschäftsführer, Simon Stich. In zwei Jahren soll der Neubau fertig werden, so Architekt Martin Büscher.
Unternehmen will 70 Wohnungen bauen
Die großen Wohnbaupläne (auch für die eigenen Mitarbeiter), die die Firma parallel verfolgt hat, müssen noch etwas warten. Das Firmengebäude habe oberste Priorität, zunächst müssten weitere Kapazitäten für die Produktion geschaffen werden, betonten die Geschäftsführer Stich und Lemke. Insgesamt 70 Wohnungen, drei Mehrfamilienhäuser und in der Folge sechs Doppelhäuser, sollen hinter dem Unternehmenssitz in Richtung der Bahngleise entstehen. Der gemeinsame Bebauungsplan für die Projekte steht laut Bürgermeister Horn, der Bauantrag für die Mehrfamilienhäuser sei gestellt worden.
Simon Stich erinnerte in einer kurzen Ansprache an der Baugrube an den letzten Spatenstich auf dem Gelände. Das war 1992, als der Produktionsstandort an der Bernrieder Straße errichtet wurde. Damals sei die wirtschaftliche Lage wie heute nicht erfreulich gewesen, sagte der Geschäftsführer. Doch in beiden Fällen sei es möglich gewesen, den Bau „ohne Ängste zu stemmen“.
Mit der Einweihung der Gebäude 1993 übernahm Gabriele von Ehrlich (später von Ehrlich-Treuenstätt) die Geschäftsführung von ihrem Vater Herward von Ehrlich und sollte sie bis zu ihrem Tod im vergangenen Jahr behalten. 2024 feierte das Unternehmen das 75. Jubiläum. Die Geschichte der Firma geht auf eine mehr als 200-jährige Apothekertradition mit der Keimzelle in Reichenberg (heute Liberec, Tschechien) zurück. Verla ist die Abkürzung für „von Ehrlichs Reichenberger Löwen Apotheke“.