Die Gemeinde Feldafing verfolgt weiter Pläne für einen Bikepark, auch wenn der Naturschutz hohe Hürden setzt. Jetzt versucht es das Rathaus in Verbindung mit dem Hochwasserschutz.
Feldafing - Alle wollen einen Dirtbike-Park für die Jugend in Feldafing schaffen: Rathaus, Gemeinderat und TSV. Doch das ist angesichts von FFH-Schutz auf den in Frage kommenden Flächen schwierig. Nun will die Gemeinde Grundstücke tauschen und ein Hochwasserschutzgebiet einrichten, auf dem der Bikepark liegen könnte. Denn Hochwasserschutz genießt – im Gegensatz zu einem Bikepark – öffentliches Interesse. Sicher ist: Es wird noch dauern. Unterdessen läuft den Initiatoren die Zeit davon. Eine Förderung über 10 000 Euro können sie nur bekommen, wenn sie das Geld bis Jahresende abrufen.
Der politische Wille ist klar: Im März sprach sich der Gemeinderat unisono dafür aus, dem TSV Feldafing bei der Erstellung eines Dirtbike-Parks zu helfen. Dabei dachte die Verwaltung an ein gemeindliches Grundstück südlich des TSV-Fußballplatzes im Westen der Gemeinde, das der Verein pachten könnte. Es war das Grundstück, das die Gemeinde auch einmal für eine Flüchtlingsunterkunft im Auge gehabt hatte. Als sich herausstellte, dass der Bienenragwurz und andere besondere Arten dort wachsen, war laut Naturschutzbehörde eine Nutzung mit einem Bikepark nicht vereinbar.
Nun sei man an einem Grundstück nördlich des TSV zwischen Traubinger Straße und Starzenbach dran, sagte Bürgermeister Bernhard Sontheim in der jüngsten Ratssitzung. Auch dort gibt es Hürden. Das Areal liegt im FFH-Gebiet, es müsste herausgenommen werden. Das gehe aber nicht für einen Bikepark, dessen Entstehung nicht im übergeordneten Interesse liege. Aber: Würde man das Areal als Retentionsfläche für den Starzenbach nutzen, gebe es dieses Interesse und die Möglichkeit, die Fläche herauszunehmen, berichtete Sontheim. „Und dann könnte man im Zuge dessen auch den Bikepark anlegen.“ Gleichzeitig würde die Gemeinde die bislang nicht im FFH-Gebiet verortete Fläche mit dem Bienenragwurz zum Tausch anbieten.
Auf der nördlichen Fläche ist ein weiteres Hindernis: Dort hat die Gemeinde vor einigen Jahren eine Streuobstwiese angelegt. Diese müsste man eventuell umpflanzen.
Ohne Bedenken hätten wir Asylcontainer hingestellt. Aber wenn wir Flächen für unsere Kinder schaffen wollen, ist der Bienenragwurz wichtiger.
Davon hielt Sibylle Härtl (Grüne) gar nichts, obwohl sie sich für einen Bikepark aussprach. Die Bäume umzusetzen, sei „kein gutes Zeichen“, und sie würden es auch gar nicht schaffen. Peter Melichar (CSU) konterte: „Wenn ein Obstbaum kaputtgeht, zahle ich den neu.“ Er wunderte sich über das Gebaren der Naturschutzbehörde. „Ohne Bedenken hätten wir Asylcontainer hingestellt. Aber wenn wir Flächen für unsere Kinder schaffen wollen, ist der Bienenragwurz wichtiger.“
Der Gemeinderat folgte dem Vorschlag der Verwaltung, ein FFH-Verträglichkeitsgutachten zu prüfen sowie die Möglichkeit, das fragliche Grundstück als Retentionsfläche zu nutzen. „Dann planen wir die Retentionsfläche mit Bikepark“, sagte Sontheim. Und es könne sein, dass die Obstbäume gar nicht angetastet werden müssten.
Für Dr. Michael Keltsch (AUF) hörte sich das alles sehr langwierig an. „Ich befürchte, dass viele erwachsen sind, bevor sie in dem Park fahren können.“ Deshalb fragte er nach einem TSV-eigenen, rund 900 Quadratmeter großen Grundstück. „Das ist ein bisschen klein, dort wären nur vier Hügel möglich“, antwortete Melichar. „Wir wollen keinen Megapark, aber 1600 Quadratmeter sollten es schon sein.“ Angesichts der nicht absehbaren Länge des Verfahrens hielt es auch Sontheim für sinnvoll, nochmal über einen kleinen Park dort nachzudenken.
Karin Eckhold, die das Projekt für den TSV begleitet, hat die Diskussion im Gemeinderat mit weiteren Eltern und Jugendlichen verfolgt. Die absehbare Verzögerung sieht sie mit großem Bedauern. „Wir haben die Zusage über 10 000 Euro von einer Stiftung, aber nur bis zum Jahresende“, sagte sie gegenüber dem Starnberger Merkur. Die Kosten für den Park lägen bei 15 000 bis 20 000 Euro. Sie rechnet mit 50 bis 100 Jugendlichen allein aus Feldafing, die den Park nutzen würden: „Es ist eine Sportart, die jedes Kind machen kann. Das könnte ein Treffpunkt werden, ganz zwanglos, für alle Schichten.“