Das Mekka der Kletter-Szene ist Geschichte

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Abgesperrt ist der Zugang zum Klettergarten in Baierbrunn. Doch immer wieder ignorieren Spaziergänger das Verbot und bringen sich damit selbst in Gefahr. © Andrea Kästle

In Baierbrunn geht so etwas wie eine Ära zu Ende. Im Gemeinderat wurde nun endgültig beschlossen, den Klettergarten, in dem es immer wieder zu Steinschlag gekommen war, aus Sicherheitsgründen zu schließen.

Baierbrunn - Das Areal wird eingezäunt mit einem Holzzaun, die Treppe, die am Klettergarten entlang nach unten zur Isar führt, wird zugeschüttet. Dabei, darauf wies in der Sitzung Altbürgermeisterin Christine Kammermeier von der SPD hin, war der Klettergarten eine Weile lang weit über die Grenzen der kleinen Gemeinde hinaus bekannt. Die weltbesten Kletterer, berichtete sie, seien nach Baierbrunn gepilgert, um an den Nagelfluh-Felsen, gepresst in der Eiszeit aus Kieseln und Schlamm, das Klettern zu üben. Während sich Baierbrunns Jugend lange einen Sport und Spaß draus machte, sich von ganz unten ganz nach oben empor zu kämpfen am Felsen. Bis 1989 das Kletterzentrum in Thalkirchen aufmachte, erst bestehend nur aus einer Betonwand, sagt Thomas Bucher, Pressesprecher des Alpenvereins und selbst begeisterter Kletterer, war Buchenhain das Mekka der Szene. Die damals freilich viel kleiner war als heute.

Der Klettergarten, eröffnet vermutlich um die Jahrhundertwende, sei, sagt Bucher, „wahnsinnig traditionsreich“, wer rund um München daheim war und ambitioniert kletterte, kam hierher, um zu üben. Etwa die Brüder Toni und Franz Schmid, die 1931 dann als Erste die Matterhorn Nordwand bezwungen haben - „eins der drei großen Probleme der Alpen“ zu der Zeit neben der Eiger Nordwand und der Grandes Jorasses-Nordwand im Montblanc-Gebiet.

Die Nagelfluh-Wand: ein Jahrhundert lang ein beliebtes Übungsfeld für Kletterer. Ganz ungefährlich war es hier aber nie.
Die Nagelfluh-Wand: ein Jahrhundert lang ein beliebtes Übungsfeld für Kletterer. Ganz ungefährlich war es hier aber nie. © Andrea Kästle

Auch Reinhold Messner kletterte hier

Dabei war Buchenhain ein sogenannter Boulderklettergarten, Klettern war dort in Absprunghöhe möglich – im unteren Bereich des Gesteins. Weiter oben hängen die Felsen dann über, dort war es auch früher schon viel zu gefährlich. Dabei war das Gelände „geliebt und gehasst“, sagt Bucher, der Stein war stellenweise arg abgegriffen und speckig, man brauchte immer viel Kraft, um sich zu halten. Zugegangen ist es dort an schönen Tagen wie an der Surfwelle am Eisbach – immer nur ein Sportler konnte einen vielleicht zehn Meter breiten Quergang, die sogenannte „Barriere“, hin- und herkraxeln. Das machte man, bis man nicht mehr konnte, dann sprang man ab, der nächste war an der Reihe. Irgendwann, erzählt Bucher, lag genau an der Stelle, an der die Beteiligten immer darauf gewartet hatten, dass sie in die Wand konnten, ein riesiger Felsbrocken, der heruntergekracht war. „Wir dachten alle, hoffentlich liegt da keiner drunter.“ Das war in den Nullerjahren, schon damals wurde das Klettern hier verboten, aber längst nicht alle hielten sich dran. Einer der letzten, die sich in Buchenhain sportlich betätigten, war Reinhold Messner, der während Corona im Klettergarten gesehen worden ist.

Holzzaun und Strafen

Schon seit Mai 2023 ist der Klettergarten auch mit Mobilzäunen gesperrt, die Treppe runter an die Isar war aber immer noch begehbar. Das wird sich jetzt ändern, aufgrund eines geologischen Gutachtens hat der Gemeinderat beschlossen, das Areal gescheit einzufrieden. Der kritische Bereich zwischen Hochufer und Isar wird mit einem 1,25 Meter hohen Holzzaun eingegrenzt, wer den übersteigt, muss mit saftigen Strafen rechnen zwischen fünf und 1000 Euro. „Wir wollen schon“, meinte die Verwaltung, „dass die Bußgelder eine abschreckende Wirkung haben“.

In der Sitzung des Gemeinderats ging es auch um Bäume auf dem Gelände, die anscheinend gefällt werden sollen – was den Grünen nicht einleuchtete. „Wenn das Areal eh tabu ist für Spaziergänger, kann man die Bäume doch stehen lassen“, meinte Peter Tilmann. Darüber wird nun noch einmal beraten.

Alternativen zu Buchenhain, sagt Bucher, gab es rund um München nicht, ehe dann das Kletterzentrum, 1999 erweitert durch die Halle, errichtet worden ist. Geübt werden konnte sonst nur noch an Brückenpfeilern an der Isar, was viele machten, was aber auch nicht ungefährlich war. Zur Baierbrunner Community, sagt Bucher, hätten früher rund 200 Kletterer gehört. Am Ende waren es weit weniger, inzwischen gibt es andere Möglichkeiten, zu trainieren. Er meint: „Ein großartiger Klettergarten war Buchenhain nie, aber eine lokale Spezialität.“

Die Treppe, die nun zugeschüttet wird, alternative Wege nach unten sollen aber ausgeschildert werden.
Die Treppe, die nun zugeschüttet wird, alternative Wege nach unten sollen aber ausgeschildert werden. © Andrea Kästle

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