ARD-Epos „Schwarzes Gold“: Maxton-Hall-Star und Hans Zimmer im deutschen Ölrausch

Wer erinnert sich noch an „Dallas“? Die Soap-Serie startete in den USA 1978, lief bis 1991, ein „Straßenfeger“, wie man das seinerzeit nannte. Es ging, kurz gesagt, um Öl, Intrigen, viel Geld und noch mehr Macht. Im Mittelpunkt der durchaus charismatische J.R. Ewing, ein Fiesling, dem kein Trick zu schmutzig ist.

„Schwarzes Gold“: Dallas in der Heide - die Gier ist die gleiche

Knapp 80 Jahre früher hat es schon einmal dieses „Dallas“ gegeben. Nur die Höfe sahen etwas bescheidener aus, damals um die Jahrhundertwende in der Lüneburger Heide, im Vergleich zur fiktiven Southfork Ranch in Texas. 

Wer historisch nicht so bewandert ist: In Wirklichkeit gab es Ende des 19. Jahrhunderts wirklich so etwas wie einen Öl-Rausch im Norddeutschen Tiefland. Und eben dies ist der filmische Plot von „Schwarzes Gold“, inspiriert von wahren Begebenheiten.

TV-Kolumne "Schwarzes Gold"
Um 1900 entdecken Landbesitzer Öl in der Lüneburger Heide. Sie bohren - um jeden Preis ARD

Alle Todsünden sind im Plot ums viele Öl vereint

Die Menschen sind arm, die Hauptfigur Johanna (Harriet Herbig-Matten, bekannt u.a. „Maxton Hall“) muss sich als Magd bei einem Sklaventreiber verdingen. Nach dem ominösen Tod wird der notleidenden Familie ihr Wald abgeluchst. Und natürlich ist neben Geschäftssinn auch viel amouröse Verwicklung im Spiel. Eigentlich sind gleich alle sieben Todsünden in den Erzählsträngen eingelöst, also: Hochmut, Neid, Zorn, Habgier, Trägheit, Völlerei und Wollust.

J.R. Ewing und die überdauernde Ewigkeit des Deals

Der J.R. Ewing des deutschen Geschehens wird sehr stark dargestellt von Tom Wlaschiha. Er spielt den Großbauern Wilhelm Pape mit einer patriarchalischen Aura und der nötigen Skrupellosigkeit. International bekannt wurde Wlaschiha durch seine Rolle als Jaqen H‘ghar in der Serie „Game of Thrones“.

Besser kein bisschen Plattdeutsch, wenn man in die Welt hinaus will

Die Absicht der ARD ist klar. „Schwarzes Gold“ ist als Serie für streaming-affine Zuschauer konzipiert. Und das Begehren, diese Serie international zu vermarkten, ist ebenso erkenntlich. 

Erstaunlich ist, dass die Menschen in der Heide akzentfreies Hochdeutsch sprechen, kein bisschen Platt ist zu hören. Allenfalls hört man mal ein altertümliches „Auf ein Wort!“, wenn einer mit einem anderen sprechen will.

TV-Kolumne "Schwarzes Gold"
Johanna (Harriet Herbig-Matten) kämpft für das Gute - allerdings ein wenig einseitig im Spiel ARD

Die Frauen dirigieren das Geschehen - ein überzogener feministischer Überbau

Ein wenig „Dallas”, etwas von „There Will Be Blood“ und das alles mit einem Set-Style, der mit großen internationalen Produktionen durchaus mithalten kann. Sehr ambitioniert ist auch die Filmmusik von Oscar-Preisträger und Hollywood-Hochtöner Hans Zimmer. 

Es gibt dennoch einige Längen im Erzählen, zu viel starrer Blick der Hauptfigur Johanna und ein überzogener feministischer Überbau. Johanna, ihre Mutter oder Papes Frau – sie dirigieren das Geschehen im Hinter- oder Untergrund. Sehr unwahrscheinlich, dass dies um 1900 so passiert sein soll.