Die Stadt Dachau stellt einen Plan zur sinnvollen Bewirtschaftung ihres 131 Hektar großen Stadtwalds auf. Forstexperte Marco Koch, der den Plan im Umweltausschuss präsentierte, lobte den Zustand der Dachauer Wälder. Ein Antrag des Bündnis für Dachau auf mehr Qualitätssicherung wurde abgelehnt.
Dachau – Erholungsort, Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten, Wasserspeicher: Wälder haben viele Funktionen. Damit diese wichtigen und wertvollen Forstflächen sinnvoll bewirtschaftet werden, steht die Stadt Dachau mit ihren 131 Hektar Stadtwald in der Pflicht, einen langfristigen Forstwirtschaftsplan aufzustellen. Der gibt einen Rahmen vor, wie die kommunale Waldflächen bewirtschaftet werden.
Den neuen, bis 2042 gültigen Forstwirtschaftsplan präsentierten den Stadträten im Umwelt- und Verkehrsausschuss jetzt Stefan Tischer von der Abteilung Stadtgrün und Marco Koch, Bereichsleiter Forsten bei dem für Dachau zuständigen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Fürstenfeldbruck. „Sie können sich glücklich schätzen, dass Sie diese Waldflächen haben“, sagte der Forstexperte und erklärte, dass ein Forstwirtschaftsplan Pflicht sei ab einem Waldbestand von über 100 Hektar. Damit sollen, so die Idee des Waldgesetzes Bayern, öffentliche Waldeigentümer ihrer „Vorbildlichkeit“ nachkommen.
Lobesworte für den Dachauer Wald
Für den aktuellen Zustand der Dachauer Wälder hatte Koch lobende Worte. Es gebe vielfältige Baumarten, neben dem mit 38 Prozent stark vertretenen Bergahorn wachsen auch Esche, Buche, Eiche, Birke und Kiefer in den Forsten der Stadt. Die Fichte, in den 1980er Jahren auf fast Dreiviertel der Fläche vertreten, ist auf dem Rückzug. Der Waldumbau hin zum Laubwald war bereits erfolgreich. Was die Funktion der Dachauer Wälder angeht, sind diese vielfältig, wobei ein und dasselbe Areal auch mehrere Aufgaben erfüllen kann. So diene der Stadtwald in weiten Bereichen der Erholung, 70 Prozent der Waldfläche sind gleichzeitig auch Bannwald, der geschützt ist und erhalten werden muss.
Ziel der künftigen Bewirtschaftung seien „Walderhalt, Verbesserung der Erholungsfunktion, Erhöhung der ökologischen Leistung“. Nicht zuletzt wichtig im städtischen Umfeld, wo Wälder von Spaziergängern und Radlern intensiv genutzt werden, ist auch die regelmäßige Kontrolle und Verkehrssicherungspflicht. Um den Wald gesund zu erhalten, wird er bewirtschaftet, wurde aber in den zurückliegenden 20 Jahren „nur vorsichtig genutzt“. So wuchs der Holzbestand von 149 auf 263 Festmeter je Hektar. Auch künftig soll im Zug der Waldpflege etwa die Hälfte des jährlichen Zuwachses geschlagen werden. Das Holz, wird als Bau- oder Brennholz sowie für Hackschnitzel veräußert.
Bündnis stellt Eilantrag auf mehr Qualitätssicherung
Soweit der neue Forstwirtschaftsplan, den allerdings das Bündnis für Dachau für nachbesserungswürdig hält und dazu im Vorfeld der Sitzung einen Eilantrag gestellt hat. Aus der Sitzungsvorlage sei nicht ersichtlich gewesen, „was gemacht wird und warum“, so Bündnis-Stadtrat Michael Eisenmann. Auch die Präsentation im Ausschuss reichte ihm nicht. Vielmehr sollten Fachverbände wie Bund Naturschutz (BN) sowie die städtische Stabsstelle Klimaschutz einbezogen werden. „Damit der Plan qualitätsgesichert wird.“ Ein Waldstück an der Kläranlage möchte das Bündnis für Dachau aus der Bewirtschaftung genommen sehen. „Dort leben viele sehr gefährdete Arten.“
Tatsächlich werden in den städtischen Wäldern bereits vier naturnahe Waldareale mit zusammen 12 Hektar über das Vertragsnaturschutzprogramm gefördert und nicht bewirtschaftet, so Stefan Tischer von Stadtgrün. Wenn die Struktur eines Waldstücks passe, könne für weitere Flächen „jederzeit ein Antrag gestellt werden“. Dafür sei der Eigentümer, also die Stadt zuständig, so Forstexperte Koch. „Das kann der Forstwirtschaftsplan nicht leisten.“
Die Stadträte sahen daher in der Mehrheit keinen Handlungsbedarf. Die Bürger seien sehr zufrieden, „wie unsere Wälder gepflegt werden“, sagte Peter Gampenrieder (ÜB). Er sehe daher, „keine Notwendigkeit, andere Experten zu beteiligen“. Auch Andreas Gahr (SPD) erkannte in der vom Bündnis geforderten artenschutzrechtlichen Prüfung „keinen Mehrwert“. Um die Fläche an der Kläranlage aus der Bewirtschaftung zu nehmen, könne das Bündnis einen Antrag stellen, sagte Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU). „Das hat keine Eile.“ Einzig Martin Modlinger plädiert dafür, erst fachliche Stellungnahmen einzuholen. Der Bündnis-Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt, der Forstwirtschaftsplan verabschiedet. Dagegen stimmte Michael Eisenmann (Bündnis).