Trotz Ratsbeschluss: Sie kämpfen für das Karlsfelder Hallenbad

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Kämpfen um das Karlsfelder Hallenbad: Heidi Vogl und Julian Bassner. © ep

Ein Bürgerbegehren soll das Hallenbad Karlsfeld retten. Die Gemeinde zeigt sich skeptisch und fordert konkrete Konzepte für den Betrieb.

Karlsfeld – Sie wollen das Karlsfelder Hallenbad retten: Julian Bassner und Heidi Vogl setzen sich dafür ein, dass der Beschluss des Gemeinderates vom 23. Oktober nicht umgesetzt wird. Einstimmig hatten an diesem Tag alle Verantwortlichen dafür gestimmt, dass das Hallenbad im Jahr 2026 abgerissen wird (wir berichteten). Geschätzte Kosten: 1,5 Millionen Euro. Seit Oktober 2022 ist das Bad bereits geschlossen, weil die Gemeinde weder Geld hat für notwendige Reparaturen noch für den laufenden Betrieb.

„Ich fand das ganz furchtbar“, sagt Julian Bassner. „Das ist doch völlig abwegig, so ein Gebäude einfach niederzureißen.“ Es kostete ihn etliche schlaflose Nächte, bis er sich voller Energie an eine Rettungs-Strategie machte: Er startete ein Bürgerbegehren „Erhalt des Hallenbades Karlsfeld“ und verschickte dazu einen Aushang an über 200 Adressen, darunter Schulen, Kindergärten, Arztpraxen, Geschäfte, Restaurants.

Die Kernfrage der Abstimmung lautet: „Sind Sie dafür, dass das Hallenbad Karlsfeld an seinem jetzigen Standort erhalten und instandgesetzt wird, und dass die Gemeinde – anstelle eines Abrisses – ein Konzept für den zukünftigen Betrieb unter Einbeziehung von Eigenleistungen der Bürgerschaft und Spenden erarbeitet und umsetzt?“ Für den 36-jährigen Bassner ist der Kern seines Konzepts das ehrenamtliche Engagement vieler für ihr Bad, er nennt es deshalb „das Bürgerbad“. Man könne eine ganze Menge „in Eigenregie“ bewältigen wie Kassendienst oder Reinigungsarbeiten. Für die Instandsetzung sollen nur die notwendigsten Reparaturen erfolgen, statt einer kostenintensiven Vollsanierung.

Bassners Ideen trafen auf die von Heidi Vogl, „rein zufällig“, wie sie sagen. Aber doch nicht ganz so versehentlich: „Ich liebe dieses Bad“, sagt die 65-Jährige. Sie wohnt zwar in Allach, hat aber zahlreiche Kontakte zu Karlsfeld und wünscht sich dort sehnlichst eine Wohnung. Und sie war natürlich eine eifrige Nutzerin des Bades, kennt es also ganz genau. „Es eignet sich hervorragend für eine Neuausrichtung zu Gesundheit, Reha, Prävention und Inklusion.“ Kaum ein Bad in der näheren Umgebung sei so optimal ausgestattet wie das an der Hochstraße, samt behindertengerechter Umkleiden und Duschen, Lift oder Rollhocker. Heidi Vogl war Gymnasiallehrerin, Sporttherapeutin und Reha-Trainerin und findet: „Es muss viel mehr Angebote geben für Verletzte, Schmerzpatienten und Behinderte! Und es kann Technikkurse für Schwimmer geben oder Aqua-Jogging für Fitnesskunden.“

In einem Gespräch mit Bürgermeister Stefan Kolbe und dem Geschäftsleiter der Gemeinde, Francesco Cataldo, stellten die beiden ihre Ideen vor. „Sie meinten, wir könnten vielleicht das Bad für einen symbolischen geringen Betrag von der Gemeinde pachten. Und es dann nach unseren Vorstellungen sanieren“, berichtet Julian Bassner. Er ist übrigens IT-Fachmann und studiert aktuell Rechtspsychologie.

Geschäftsleiter Cataldo sieht die Initiative auf Nachfrage grundsätzlich positiv: „Wir begrüßen das Engagement für Bürgereinsatz sehr.“ Allerdings komme das Anliegen „zwei bis drei Jahre zu spät“. Und die große Frage sei: „Wie wollen sie ihre Vorstellungen konkret umsetzen? Die Kommune kann das nicht, sie kann sich das Bad einfach nicht mehr leisten.“ Es müsse eine „Betreibergesellschaft“ gegründet werden, eine „Art Genossenschaft“, die die neue Struktur des Hallenbades und die Ausrichtung auf Gesundheit und Reha in praktikable Schritte umsetzt.

In diese Richtung geht auch Bassners nächster Plan: die Gründung eines gemeinnützigen Vereins zur Rettung des Hallenbades.

Elfriede Peil