Ein Umweltdenker-Antrag auf Einrichtung einer Fahrradstraße am Indersdorfer Sportplatz wurde vom Gemeinderat abgelehnt. Die Mehrheit plädiert für Rücksichtnahme.
Indersdorf – Die Wählergruppe Umweltdenken wünscht sich am Indersdorfer Sportplatzweg eine Fahrradstraße. Deswegen hat sie einen Antrag gestellt. In der jüngsten Gemeinderatssitzung entwickelte sich deswegen plötzlich eine Diskussion über Bürokratie und gegenseitige Rücksichtnahme.
Es geht um den Weg zum Indersdorfer Sportplatz. Die Umweltdenker wollen ein Teil-Stück, etwa von der Glonnbrücke zum TSV-Gelände, in eine Fahrradstraße umwandeln. Derzeit gilt dort Tempo 30, der Weg wird von vielen Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern genutzt. Gerhard Seemüller präsentierte für seine Fraktion die Intention hinter dem Antrag: Zum einen betonte der Jugendreferent, dass sich so die Sicherheit vor allem für die Kinder, aber natürlich aller Radfahrer erhöhe. Zudem wünscht er sich vor allem, dass sich etwas in der Wahrnehmung der Menschen ändert. Er sei sehr viel im Ort mit dem Rad unterwegs, fühle sich aber immer als Nebenprodukt, die Autos seien immer das Hauptprodukt. „In anderen Ländern und Städten wird der Fahrradfahrer priorisiert.“ Das wünscht er sich an dieser Stelle auch in Indersdorf. Er wolle ein „Signal setzten“, dass man hinterfragen solle „Vielleicht macht es mehr Sinn, mit dem Rad zum Sport zu fahren.“ Im Antrag steht zudem: „Eine Fahrrad㈠straße erhöht die Lebensqualität vor Ort und macht die Gemeinde attraktiver für junge Familien und Pendler.“ Fraktionskollege Hans Wessner sagte in der Diskussion: „Ich bin nicht oft dort unterwegs, habe aber schon gefährliche Situationen erlebt!“ Er betonte: „Ich nehme ja dem Autofahrer nichts weg, der Radfahrer hat einfach nur Vorfahrt.“
In den folgenden Wortmeldungen von Gegnern der Fahrradstraße war zusammengefasst oft zu hören: Dort sei noch nie etwas passiert, bisher gebe es keine Probleme, die Leute würden aufeinander achten. Auch Bernhard Böller, CSU-Gemeinderat, Jugendreferent und junger Familienvater verstand die ganze Diskussion nicht. Wieso an einer Stelle etwas verändern, an der seit Jahren alles bestens funktioniert, so seine Meinung. Böller beschrieb seine Erfahrungen so: Er sei dort viel unterwegs mit seinem kleinen Sohn, mit Rad. Bisher habe es nie Probleme gegeben. „Es funktioniert dort. Bleiben wir beim gesunden Menschenverstand und lassen wir‘s so wie‘s ist“. Er sieht bei einer Änderung in eine Fahrradstraße nur einen unnötigen „Aufbau von Bürokratie“.
Eine Lanze für gegenseitige Rücksichtnahme ganz ohne Regularien brach auch Peter Keller (FW): „Ihr sprecht immer alle vom Miteinander, davon, dass einer Rücksicht auf den anderen nehmen soll und jetzt wollt ihr einer Spezies – dem Fahrradfahrer – Vorrang gewähren.“ Er ist überzeugt: Wenn wir Schilder abbauen, würden alle mehr Rücksicht nehmen. Doch Wessner gab zu bedenken: Jetzt nehmen alle Rücksicht auf die Autofahrer, da das Auto schlicht der stärkste Verkehrsteilnehmer sei.
Unabhängig von der Meinung der Kommunalpolitiker: Die Gemeinde kann die Fahrradstraße ohnehin nicht einfach beschießen. „Wir brauchen davor das Okay der zuständigen Verkehrsbehörden“, erklärte Bürgermeister Franz Obesser. Deshalb habe es bereits im Vorfeld eine Verkehrsschau mit der Polizei gegeben. Das zusammengefasste Ergebnis: Eine Fahrradstraße sei an dieser Stelle nicht zu realisieren. Unter anderem sei die Straße dort nicht breit genug. Grund genug für Andreas Geier (BBN) von dem Vorhaben abzusehen. „Ich finde das Projekt zwar gut, aber wenn uns bereits signalisiert wurde, dass es nicht möglich ist, sollten wir nicht unnötig Bürokratie aufbauen, indem wir einen anderen Beschluss fassen“. Am Ende entschieden sich die Gemeinderäte mit 14 zu 9 Stimmen gegen die Fahrradstraße.