Weilheim vertagt Entscheidung über MVV-Beitritt

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Die elektrischen Busse pendeln innerhalb Weilheims: Ihre überschaubare Größe ist perfekt für die kleine Innenstadt. © Holly

Eigentlich sollte in der letzten Stadtratssitzung vor der Sommerpause über den Beitritt der Stadt zum Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) entschieden werden. Gleich zu Beginn kündigte Bürgermeister Markus Loth jedoch an, dass die Abstimmung auf Herbst vertagt werde. Einen ausführlichen Vortrag zum Thema sowie eine Diskussion gab es trotzdem.

Weilheim – Dass der Landkreis dem MVV ab 1. Januar angehört, steht bereits fest (wir berichteten). Ob die Stadt Weilheim sich mit ihrem Stadtbus in Form eines Kooperationsvertrags anschließt, ist derzeit in der Schwebe.

Um angefallene Fragen zu klären, kamen zwei Vertreter des MVV zu Stadtratssitzung. Felix Fitz zeigte in seiner Präsentation die Pendlerzahlen aus und nach Weilheim auf. Nach/von Starnberg würden ca. 1500 Personen pendeln, ebenso viele nach/aus München, in und aus dem Garmischer Landkreis 1100 und nach und aus dem Kreis Landsberg 875.

„Es wäre unschön, wenn Weilheim ein weißer Fleck auf der Karte ist“, betonte Fitz, dass der Anschluss ans MVV-Netz sinnvoll wäre. „Jede Stadt kann selbst entscheiden, wie viel Unterstützung sie sich beim MVV einkauft“, erklärte er. Möglichkeiten seien zum Beispiel Hilfe bei der Verkehrsplanung oder der Erstellung von Fahrplanheften.

Fitz legte dar, welche Kosten im Falle eines Beitritts auch auf die Stadt zukommen. Ein höherer dreistelliger Betrag sei zunächst fällig für Entwerter. Jährlich seien es dann zwischen 10 000 und 15 000 Euro, die als Regiekosten an den MVV fließen würden. „Je nach Angebot – eher noch weniger“, mutmaßte Fitz.

Weilheim vertagt Entscheidung über MVV-Beitritt: Debatte um Kosten und Nutzen des Stadtbusses im Stadtrat

Neben den Kosten für die Stadt interessierte die Räte vor allem der Fahrpreis. Dass es keinen speziellen Städtetarif gebe, verdeutlichte MVV-Vertreterin Julia Wüst und ergänzte: „Das Zonensystem löst alle bestehenden Tarife ab.“

Sie hatte mehrere Beispiele parat, die günstiger würden: Vom Prälatenweg nach Tutzing seien im MVV 3,90 Euro statt derzeit 6,80 Euro zu zahlen, für eine Hin- und Rückfahrt von Weilheim nach Schongau 10,50 Euro statt 16,80 Euro. Für die Fahrgäste teurer würden hingegen reine Fahrten mit dem Stadtbus, der derzeit nur einen Euro im Tagestarif kostet. Fahrten in alle Ortsteile würden im MVV unabhängig von der Anzahl der Haltestellen als Kurzstrecke (1,90 Euro) gelten. Auch ein Streifen der Streifenkarte sei möglich. Kinder und Schüler, die bisher kostenlos im Stadtbus fahren, müssten dann auch zahlen. Jedoch gebe es die Option seitens der Stadt kostenlose Tickets oder Rückvergütungen zu gewähren, verwies Wüst auf die Modelle anderer Städte.

Klare Vorteile hoben die MVV-Mitarbeiter immer wieder hervor: Das einheitliche Tarifsystem im ganzen MVV, das nur noch eine Fahrkarte für einen großen Bereich bedeutet, ein 365-Tages-Ticket für Schüler, das im kompletten MVV-Gebiet gilt, bessere Anschlüsse, die zentrale Fahrplanauskunft über den MVV und die Verkehrsentlastung waren einige der aufgezählten Punkte. Ab Dezember soll außerdem ein System getestet werden, bei den man während der Reise Ein- und Ausstieg in der App anklickt und danach erst den passenden Preis bezahlt.

Karl Neuner sprach sich seitens der Stadtwerke, die den Stadtbus betreiben, für den MVV-Beitritt aus und vermutete nur positive Folgen und keine höheren Kosten. Die Stadtwerke würden weiterhin Betreiber bleiben. Einige Zuständigkeiten würde jedoch der MVV übernehmen.

Nicht alle Stadträte waren Neuners Meinung. Kritische Töne kamen von Verkehrsreferent Manuel Neulinger (Grüne). Er befürchtet, dass nicht zuletzt die höheren Preise den Stadtbus für viele unattraktiv machen würden. Vorteile hätte nur, wer das Angebot auch über die Stadtgrenzen hinaus nutze. „Aber viele Stadtbusnutzer wollen und brauchen das vielleicht gar nicht“, so Neulinger. Zwar schließe er einen MVV-Beitritt nicht aus, denn Weilheim solle eben nicht der genannte „weiße Fleck“ werden, jedoch sei es nötig, „über die Modalitäten zu sprechen“ und auch einen Stadttarif ins Spiel zu bringen.

„Es gibt Profiteure und Verlierer“, fasste Brigitte Holeczek (BfW) zusammen. Als Seniorenreferentin sieht sie einen Aufschrei der älteren Menschen auf sich zukommen, die nur im Ort unterwegs sind mit dem Bus. Holeczek sprach sich trotzdem für den Beitritt aus, da die aktuellen Preise vermutlich ohnehin irgendwann erhöht werden müssten.

Debatte um Kosten und Nutzen des Stadtbusses im Stadtrat

Den Fokus mehr auf die haushalterischen Aspekte lenken möchte Stefan Zirngibl (CSU): „Das Problem ist beim Stadtbus unser Defizit von einer Million Euro pro Jahr“, gab er zu bedenken. Die Kosten seien zu verringern, zum Beispiel durch weniger Leerfahrten. Ullrich Klinkicht (WM Miteinander) schlug in diesem Kontext einen „On-Demand-Verkehr“ mit Anmeldung vor.

Klaus Gast (CSU) gehörte zu den Befürwortern: „Weilheim profitiert am meisten, weil hier die Linien zusammenlaufen.“ Für den Stadtbus sah er Optimierungspotenzial durch den MVV. Tillman Wahlefeld schätzte den MVV für den öffentlichen Nahverkehr vor Ort sogar als „Gamechanger“ ein. „Geben wir dem Stadtbus die Chance, dass er sich entwickelt“, so sein Appell.

Alle Fraktionen können nun ihre Fragen sammeln und an die Verantwortlichen weitergeben. Die Entscheidung fällt dann im Herbst.

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