Hochwasser: Wo in Oberding Wohnbebauung in Gefahr ist

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Das Ausleitungsbauwerk Dorfen/Altach spielt eine zentrale Rolle in den Berechnungen. „Zwei Fliegen mit einer Klappe“ Bauverbot ab dem ersten Zentimeter © Kokai Ingenieurbüro

Für Gefahren gerüstet sein: Das war die thematische Klammer in der Sitzung des Oberdinger Gemeinderats. Neben dem Notstromkonzept wurde auch ein Konzept zum kommunalen Sturzflut-Risikomanagement vorgestellt. Es gehe vor allem um Dauerregen, wie Bürgermeister Bernhard Mücke (CSU) zu Beginn der knapp eineinhalbstündigen Präsentation und Diskussion erklärte.

Oberding – Das Ingenieurbüro Kokai aus Weilheim hatte die Dorfen auf ihre Gefährdungslage im Gemeindebereich untersucht, wie es das in der Vergangenheit bereits beim Thema Starkregenereignisse getan hatte. Vermessen wurden laut Karl Sender 7,1 Kilometer der Dorfen, unter anderem inklusive Bücken, Durchlässen und Wasserkraftanlagen. Ebenfalls in der Betrachtung: 1,3 Kilometer der Gfällach.

Gut für die Gemeinde: Wohnbebauung ist – zumindest vergleichsweise – nur geringfügig gefährdet. Doch es gehe darum, „jetzt mal die Grundlagen zu ermitteln“, erklärt VG-Geschäftsleiter Josef Steinkirchner im Gespräch mit unserer Zeitung. Beim Thema Hochwassergefährdung sei man in Oberding „gottlob weit weg“ von Orten wie Passau. Trotzdem sei das Konzept interessant für die Gemeinde – etwa für die Ausweisung von Baugebieten.

In der Vergangenheit seien in der Kommune vor allem landwirtschaftliche Flächen überschwemmt worden. Mit den Berechnungen könne man sehen, wo man Retentionsflächen schaffen könne. Das könne auch auf Ausgleichsflächen geschehen – „zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“, sagt Steinkirchner. Die Gemeinde habe das Konzept freiwillig in Angriff genommen, für die Dorfen zuständig ist das Wasserwirtschaftsamt (WWA) München.

Sender erklärte, dass „die Dorfen in dem Modell zentimetergenau hinterlegt“ sei. Zwei Pegel fallen in seine Betrachtung: der Pegel Stegmaier an der Dorfen und der Pegel Oberding an der Gfällach.

Für die Untersuchung hatte das Büro unter anderem die Annahme getroffen, dass das Ausleitungsbauwerk Dorfen/Altach im Hochwasserfall 20 Zentimeter geöffnet hat. Auf Nachfrage von Georg Maier (WG Notzing) erklärte Sender, dass die Altach nicht untersucht worden sei – das sei nicht Teil der Ausschreibung gewesen.

Das Ergebnis des Büros Kokai: Für die Wohnbebauung in Notzing besteht in der Regel keine Gefahr. Bei einem HQ100, also einem hundertjährlichen Hochwasser, gebe es in Notzing kleinere Ausuferungen ohne Gefährdungen, kritische Infrastruktur sei nicht betroffen. Kritische Ausuferungen würden laut Sender lediglich im Ortsbereich von Oberding auftreten. Und zwar im Bereich der Moosstraße, wo es dann auch Gebäude treffen könnte. Generell sei die Betroffenheit der Bestandsbebauung im Verhältnis zur überschwemmten Fläche aber relativ gering. Bei einem HQ100 gebe es großflächigen Einstau von Ackerflächen.

Ob man das Ganze nicht über die Altach und den Notzinger Weiher lösen könnte, schlug 3. Bürgermeister und E-Werk-Betreiber Franz Schweiger (CSU) vor. Sender erklärte dazu, dass sich das Büro eben auf ein Szenario vorab habe festlegen müssen.

Fünf Kraftwerke sind es im untersuchten Bereich, in Notzing, dann an der Brunnenmühle, am Mühlbach in Oberding, in Schwaig und am Ende im Norden das E-Werk Schweiger, das laut Sender den Wasserspiegel im Hochwasserfall automatisch reguliert.

Das Büro hatte sogar ein HQextrem berechnet, das statistisch nur alle 1000 Jahre vorkommt, nur zur „Sensibilisierung, was im schlimmsten Fall alles passieren kann“. In diesem Fall würde es weitere Betroffenheiten in Notzing geben, zusätzlich unkritische Überschwemmungsgebiete nördlich von Schwaig, im Bereich des Notzinger Weihers und noch mehr großflächige Ausbreitung auf den Feldern.

Georg Stemmer (CSU) sprach Schwierigkeiten mit Bibern in der Altach an, wo es 20 Biberdämme gebe. Und er fragte nach, ob man nicht die Gewässer räumen könnte, die Gfällach sei „sehr zugewachsen“.

Den Schlamm rauszuräumen, wäre laut dem in der Sitzung ebenfalls anwesenden Simon Faltermaier, Abteilungsleiter beim WWA für den Landkreis, zu teuer. Er bevorzugt leichte Geländemodellierungen und ein Eingreifen über das Bauwerk an der Altach. Wie Sender und auch Mücke betonten, gehe es in dem Konzept darum, die Gefährdungen zu ermitteln und dann erst in einem nächsten Schritt um konkrete Schutzmaßnahmen. Zuständig sei eben das WWA.

Johannes Sandtner (CSU) kam das Konzept doch „sehr theoretisch“ vor. Er spielte auf Maiers und Matthias Reitingers (WG Notzing) zuvor geäußerte Hinweise an, dass in Notzing das Wasser vor dem Wehr schon jetzt schnell mal übergehe. Das könne man noch alles einfließen lassen demnächst, meinte Mücke dazu.

Was auch Faltermaier klar betonte: In ausgewiesenen Hochwassergebieten herrsche „Bauverbot ab dem ersten Zentimeter“.

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