Wegen der Verbreitung pornografischer Inhalte steht ein 71-jähriger Rentner vor dem Ebersberger Amtsgericht. Der Markt Schwabener soll an eine Frau mehrere vulgäre Nachrichten und ein obszönes Bild verschickt haben. Vor Gericht gestaltet sich die Wahrheitsfindung jetzt holprig.
Markt Schwaben – Über die Social-Media-Plattform WhatsApp erhält eine Frau im vergangenen Jahr mehrere anzügliche Nachrichten und ein obszönes Bild. Vor dem Ebersberger Amtsgericht muss sich jetzt der mutmaßliche Sender der Schindluder-Texte, ein 71-jähriger Mann aus Markt Schwaben, verantworten. Doch im Prozess werfen ein strittiges Profilbild und ein österreichischer Freiheitskämpfer die Frage auf, ob da der richtige Täter auf der Anklagebank sitzt.
53-jährige Münchnerin erhält vulgäre Nachrichten und obszöne Bilder
Es ist November 2024: Seit Wochen wird eine 53-jährige Münchnerin auf ihrem Smartphone mit vulgären Nachrichten bombardiert. Dabei bleibt es nicht. Eines Morgens folgt ein Foto eines Penis, umgangssprachlich auch „Dickpic“ genannt. „Ich stand komplett unter Schock“, erinnert sich die gebürtige Kolumbianerin jetzt unter Tränen vor Gericht. „Ich wusste ja nicht, wer dahintersteckt.“ Bei der Polizei erstattet sie schließlich eine Anzeige. Ab dann wird es knifflig.
Laut einer Kriminalbeamtin, die nun vor Gericht als Zeugin aussagt, sei als Anschlussinhaber der Schmuddel-Rufnummer der 71-jährige Angeklagte ermittelt worden. Der Rentner kenne die Münchnerin auch. „Ich war ein paar Mal Gast in ihrem Café“, erklärt er schulterzuckend. Dort habe er sich öfter mal mit der 53-jährigen Lokalinhaberin unterhalten – und auch Handynummern ausgetauscht.
WhatsApp-Konto des Rentners sorgt für Verwirrung
Die obszönen (Bild)-Nachrichten wolle der ehemalige Telefontechniker jedoch nicht verschickt haben. „Ich würde sowas nie machen“, betont er nickend. Ohnehin sei ihm das Prepaid-Smartphone, über das unter anderem jenes Dickpic versendet wurde, abhanden gekommen. „Ich habe es verloren“, erklärt der Rentner.
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Für Verwirrung sorgt dann das vermeintliche WhatsApp-Konto des 71-Jährigen. Als Nutzername ist dort ein bekannter österreichischer Freiheitskämpfer angegeben, das Profilbild zeigt einen Mann mittleren Alters mit vollem, grauem Haar. Auf den Angeklagten, pechschwarze, lichte Strähnen und Schnauzer, scheint dieses Aussehen nicht zweifelsfrei zu passen. „Man kann sich zwar die Haare färben, aber für mich ist nicht klar ersichtlich, ob es sich um die gleiche Person handelt“, gesteht Richter Gellhaus, der immer wieder zwischen dem Foto auf seinem Monitor und dem Angeklagten hin und her blickt. „So kommen wir nicht weiter“, sagt er.
Verhandlung erst einmal ausgesetzt: Neue Zeugin soll Hinweise bringen
An diesem Vormittag wird das Rätsel um den Dickpic-Sender nicht gelöst, der Vorsitzende setzt die Verhandlung aus. In der nächsten Prozessrunde soll nun die Polizistin aussagen, die den Markt Schwabener einst vernommen hat. Damals soll der Angeklagte angegeben haben, dass es sich bei der Person auf dem Profilbild um ihn handle. Zum Identitätsvergleich soll die Beamtin dann auch gleich biometrisches Bildmaterial aus der Polizeidatenbank mitbringen.