Nur noch 3 ½ Listen

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Kabarettist Alfred Mittermeier © Privat

Dorfen - Der Dorfener Kabarettist Alfred Mittermeier wirft jeden Monat einen satirischen Blick auf das Stadtleben.

Der bekannteste Komiker im politischen Bayern ist Hubert Aiwanger, Landesfürst der Freien Wähler. Der Mann, der einen Bulldog am Abgas-Aroma erkennt, ist ein Komödienstadl auf zwei Füßen.

Insofern ist es nachvollziehbar, dass auch die FW-Dorfen-Delegation mitsamt der ÜWG-Stadtratsfraktion wie gestandene Humoristen agieren. Allerdings ist deren Witz nicht so offensichtlich. Man muss die Zusammenhänge kennen, um die Pointen zu verstehen.

Claudius Siebert würde gerne mit einer Vier-Listen-Unterstützung als Bürgermeisterkandidat in den Wahlkampf ziehen. Das ist ein Pfund! Gäbe es ein Quartett-Spiel mit Bürgermeisterkandidaten, dann wäre er in dem Bereich die stärkste Karte. Es wird keinen Zweiten mit vier Listen im Gepäck geben.

Nun hat eine dieser vier Listen bereits angefangen, porös zu werden. Die Unterstützung der Freien Wähler bröckelt, weil dort der Luxus herrscht, zwei Kandidaten zu haben. Siebert ist zwar der Wunsch-Bewerber der dreiköpfigen ÜWG-Stadtratsfraktion. Aber der erste Vorsitzende der Freien Wähler hat noch einen „eigenen Kandidaten aus der politischen Mitte“ in petto. Die Identität dieses Phantoms ist noch geheim. Erste Stimmen behaupten: „Das ist der Grundner! Der sammelt jetzt auch Listen.“ Aber das ist unwahrscheinlich.

Ein Kandidat aus der politischen Mitte bedeutet, dass die Freien Wähler nicht mit einem Fundamentalisten in die Wahlarena steigen. Es wird also gemäßigter zugehen als derzeit zwischen den Partei-Gockeln.

Die Fronten sind mittlerweile so verhärtet, dass es zwei Aufstellungslisten geben wird. Freie Wähler und ÜWG treten gegeneinander an. Hubert kandidiert gegen Aiwanger. Da weht ein Hauch von Schizophrenie durch die Gassen der Kommunalpolitik. Souveräner kann man eine politische Gruppierung nicht an die Wand fahren. Bürgermeister Grundner sitzt lächelnd mit Chips und Bier auf der Couch.

Der FW-Start wird geschmeidiger sein, weil sie sofort loslegen können. Die ÜWG dagegen muss vorher noch gegründet werden. Sie existiert de facto nicht mehr. Sie haben sich im Oktober 2020 auf „Freie Wähler“ umtaufen lassen. Es gibt unter dem alten Namen keinen Eintrag im Vereinsregister und auch keinen Vorstand.

Lediglich der Fraktionssprecher des ÜWG-Stadtrats-Trios sitzt qua Amt in der Vorstandschaft der Freien Wähler. Das sind Pointen, da schnalzt selbst ein Gag-Profi wie Aiwanger mit der Zunge und ruft anerkennend „Chapeau“ beziehungsweise „Schopo“.

Zwei Listen bestehend aus jeweils 24 Kandidaten? Diese Zahl werden beide Gruppierungen kaum stemmen, es sei denn der ein oder andere bringt seine Verwandtschaft mit.

Es werden wohl nur jeweils zwölf Kandidaten antreten. Auf der Quartettkarte von Siebert steht dann eben „3 ½ Listen“, was freilich immer noch die Siegerkarte in dem Bereich ist.

Allerdings gibt es auf den Karten noch die Rubrik „Anzahl Stimmen“. Die ist entscheidend. Man wird sehen, was die Wähler mehr schätzen: Comedy oder einen lächelnden Mann mit Chips und Bier auf der Couch.

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