Die Vision eines neuen medizinischen Zentrums in Erdweg wird von Konflikten überschattet. Während einer Gemeinderatssitzung eskaliert der Streit zwischen Bürgermeister und Hausarzt.
Erdweg – Das Tischtuch zwischen der Gemeinde Erdweg und Hausarzt Thomas Hary, einst einer der Hauptinteressenten im geplanten Haus der medizinischen Versorgung in der Hauptstraße 20, kann man seit der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend getrost als zerschnitten betrachten.
Der Eklat beginnt schon in der Eingangstür
Der Eklat begann schon in der Eingangstür zum voll besetzten Sitzungssaal. Bürgermeister Christian Blatt gab einen Sachstand zum Projekt „Hauptstraße 20 in Erdweg“ – einem Filetstück, auf das die Gemeinde stolz sei. Blatt berichtete von allen Planungen, Überarbeitungen, Schwierigkeiten und dass man erst heuer mit vielen Umplanungen eine wirtschaftliche Variante hinbekommen habe (wir haben mehrfach berichtet). „Wir hätten 2024 Baurecht geschaffen, 2026 hätte der Einzug stattfinden können“ – wobei man sämtliche Optionen offen gehalten und alle Projektbeteiligten unter einen Hut gebracht habe. Subventionen habe man abgelehnt. „Das darf ich nicht“, so Christian Blatt.
Der Bürgermeister erklärte den Zuhörern aber auch, dass der Tagesordnungspunkt während seines Urlaubs entgegen der Ladung zur Gemeinderatssitzung auf Wunsch von Thomas Hary doch in den nichtöffentlichen Teil verlegt wurde, weil eine Diskussion dann vielleicht konstruktiver sei.
Hausarzt widerspricht Bürgermeister und spricht von „unfairer Vorgehensweise“
Kurz bevor Blatt seine Ausführungen beendet hatte, stand der Hausarzt vor dem Sitzungssaal bereit. Er meldete sich aus dem Hintergrund zu Wort, widersprach Blatt, und zeigte sich sichtlich irritiert über die „unfaire Vorgehensweise“ der Gemeinde. „Sie haben sich jetzt eine Bühne geschaffen, und ich kann meine Sichtweise jetzt nur wieder nichtöffentlich darstellen.“
Blatt betonte, dass es durchaus üblich sei, in einer Sitzung ein Statement wie eine der üblichen Bekanntmachungen abzugeben. „Das war nicht böse gemeint“, so Blatt. Zweiter Bürgermeister Mathias Osterauer, der die Ladung herausgegeben hatte, stellte klar, er habe Hary darauf hingewiesen, dass er nur seine Darstellung präsentieren dürfe, ohne Rückfragen. Die seien nur nichtöffentlich erlaubt.
Hausarzt Thomas Hary besteht auf Öffentlichkeit
Hary bestand indes nun auf Öffentlichkeit, alternativ lade er Zuhörer und Presse an diesem Abend zu sich in die Praxis ein.
Gemeinderat Thomas Kreis (CSU) erläuterte, er habe „Bauchschmerzen“, das alles öffentlich zu erläutern, auch wenn die Gemeinde nichts zu verbergen habe. „Aber wir besprechen doch vertrauliche Fakten.“ Nach dem Zwischenruf eines Zuhörers, mit dem „Geplänkel aufzuhören“, entschied Blatt, Hary dürfe öffentlich sprechen.
Bürgermeister und Hausarzt sind angespannt
Sichtlich angespannt waren sowohl der Gemeindechef als auch der Hausarzt. In einer Power-Point-Präsentation legte Hary schließlich mehrere Minuten lang seine Sichtweise dar. Er beschrieb vom ersten Kontakt mit der Gemeinde Erdweg im Januar 2020 über die ersten Entwürfe des Hauses der medizinischen Versorgung alle Schritte bis hin zum Jahr 2024, als er entschieden habe, „eine weitere Zusammenarbeit bezüglich des Projekts Hauptstraße 20 zu beenden“, wie es heißt, nachdem er bereits 2023 „sich erhärtende Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Gemeinde“ bekommen habe. Es habe Kommunikationslücken gegeben mit Bürgermeister Christian Blatt und diverse Umplanungen. Auch habe er andere Optionen angeboten, wie etwa Eigeninvestition durch die Gründung einer GmbH mit dem Investor. Grundsätzlich gehe es ihm um einen bezahlbaren Kostenrahmen für die geplante Praxis und vertragliche Zusicherungen seitens der Gemeinde – über den Baubeginn des Hauses und beispielsweise eine juristisch abgesicherte Bürgschaft.
Hausarzt wirft der Gemeinde Versäumnisse vor
Hary warf der Kommune Versäumnisse vor und stellte nach seiner Präsentation heraus: „Wir Hausärzte am Erdweg haben uns stets in der Mitte Erdwegs verankert gefühlt. Wenn Sie uns Sicherheiten gegeben hätten, hätten wir das als Durststrecke hingenommen, die wir durchhalten müssen.“ Er müsse mit vier angestellten Ärzten auch unternehmerisch denken.
Gemeinderat Michael Graf (Wählergemeinschaft Unterweikertshofen) und seines Zeichens als Garten- und Landschaftsbaumeister ebenfalls Unternehmer, klärte Hary darüber auf, dass die Gemeinde nicht mit einer Bürgschaft in Höhe von 250 000 Euro in Vorleistung gehen könne, „weil nicht wir die Hauptbeteiligten sind, sondern die Investoren“. Da wäre er „nicht mitgegangen“, so Graf.
Gegenüber der Heimatzeitung zeigte Bürgermeister Blatt im Nachgang auf, dass es trotz allem weitergehen werde mit dem Haus der medizinischen Versorgung und man jetzt intensiv mit den anderen Projektbeteiligten sprechen werde. „Unser Ziel ist es, das Projekt schnell zu entwickeln.“
Sabine Schäfer