Fast jeder Bürger soll Angebot für Fernwärme bekommen

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Großes Interesse: Gut 60 Hebertshauser waren in den Sitzungssaal gekommen, Alexandra Niedenhoff (l.) führte als Vorständin des Kommunalunternehmen Energie durch den Abend. © ps

Eine Infoveranstaltung zur Kommunalen Wärmeplanung sowie Bürgerenergie hat in Hebertshausen stattgefunden.

Hebertshausen – „Wo bekomme ich künftig meine Wärme her?“ In dieser Frage will die Gemeinde Hebertshausen unterstützen. „Wir wollen am Ende fast jedem Bürger ein Angebot unterbreiten“, sagte Bürgermeister Richard Reischl am Donnerstag beim Informationsabend, zu dem Alexandra Niedenhoff als Vorständin des Kommunalunternehmens Energie Hebertshausen (KEH) ins Rathaus geladen hatte. Das Interesse an den beiden Themen „Kommunale Wärmeplanung“ und „Bürgerenergie“ (siehe eigener Bericht) war groß, an die 60 Hebertshauser verfolgten interessiert die Vorträge und stellten konkrete Fragen.

Dass das Thema die Bürger umtreibt, ist kein Wunder. Aktuell kommt in zwei Drittel der Haushalte im Ort die Wärmeenergie aus den fossilen Quellen Öl und Gas. „Alle brauchen eine Lösung für Wärme und Warmwasser“, so Niedenhoff. Damit diese Energie künftig aus erneuerbaren Quellen kommt, soll im Ort ein Wärmenetz entstehen, „als kommunale Aufgabe und gemeinschaftlich organisiert, damit wir die Kosten im Griff behalten“.

Im ersten Teil der Veranstaltung wurde die kommunale Wärmeplanung präsentiert, die bekanntlich jede Gemeinde erstellen muss. In Hebertshausen ist das Projekt gestartet, Experte Johannes Dinkel mit seinem in Odelzhausen ansässigen Büro Ennaplan arbeitet mit Franz Kirzeder vom Büro Energie Concept Bayern seit vorigem Jahr daran. Zwischenergebnisse wurden im Oktober im Gemeinderat präsentiert (wir berichteten), jetzt gab es erstmals Infos für die Bürger.

Ein kommunaler Wärmeplan erfasst den aktuellen Wärmebedarf, eine Potenzialanalyse erfasst Effekte von Sanierung, Effizienzsteigerung und Wechsel des Energieträgers. Ein Zielszenario mit konkretem „Transformationsplan“ wird im Sommer feststehen. Diesen muss der Gemeinderat dann bestätigen. Darin enthalten sein wird eine Karte, die „Fokusgebiete“ ausweist für eine zentrale Wärmeversorgung. Im Umkehrschluss sind damit auch die Gemeindebereiche klar, wo Bürger mit Fern- oder Nahwärme nicht rechnen dürfen und somit individuelle Heizungslösungen für ihr Haus finden müssen. Da es für alle um weitreichende Investitionen gehe, „muss diese Verbindlichkeit schnell her“, betonte Experte Dinkel. Auch bis dahin sollten sich die Hebertshauser „nicht zurücklehnen“, vielmehr das Sanierungspotenzial am eigenen Haus prüfen und mögliche Maßnahmen zum Energiesparen umsetzen, so der Appell von Projektingenieur Kirzeder.

Neben Details zum Zeitplan und Ablauf interessierte die Zuhörer, aus welchen erneuerbaren Quellen die Energie für das Wärmenetz künftig kommen wird. Die Potentialanalyse werde ergeben, „was möglich und was wirtschaftlich ist“, so Dinkel. Die angestoßene Kooperation mit den Stadtwerken Dachau zur Nutzung von Geothermie, nach der gefragt wurde, „könnte eine der Richtungen sein, aber da ist Dachau der Taktgeber“, betonte Rathauschef Reischl. Für den Aufbau eines Wärmenetzes hat sich das KEH bereits Fördergelder gesichert, erklärte KEH-Vorständin Niedenhoff. Einen Benutzungszwang für Fernwärme werde es aber nicht geben, so der Rathauschef. Und er stellte klar: „Der Bau eines Wärmenetzes wird Jahre, eher Jahrzehnte dauern.“

„Arbeitsgruppe Bürgerenergie“: Genossenschaft oder Kooperation

Sobald im Sommer wie geplant der kommunale Wärmeplan steht und der Gemeinderat pro Wärmenetz entscheidet, stellt sich eine weitere wichtige Frage: Wer wird ein Fernwärmenetz im Ort bauen und künftig betreiben? Einen gemeindlichen Versorger analog von Stadtwerken gibt es in Hebertshausen nicht. Doch das Wärmenetz solle in bürgerschaftlicher, kommunaler Hand bleiben, gab KEH-Vorständin Niedenhoff als Ziel vor.

Ideen, wie sich das Großprojekt Wärmenetz und parallel auch der entlang der Bahn geplante Solarpark (wir berichteten) in eigener Verantwortung der Bürger stemmen lassen könnte – darüber haben sich in der „Arbeitsgruppe Bürgerenergie“ seit dem Frühjahr die Hebertshauser Albrecht Mayer, Alexander Ross, Martin Kropp und Doris Kowalczuk gemeinsam mit KEH-Vorständin Niedenhoff Gedanken gemacht. Ihren Vorschlag präsentierten sie im zweiten Teil der Informationsveranstaltung.

Ziel sei neben einer autarken Energieversorgung auch Kostensicherheit, die Option für Bürger, sich finanziell zu beteiligen und eine Organisationsform „die uns Tempo ermöglicht“, so Niedenhoff. Gemeinschaftlich ein Wärmenetz aufzubauen, das sei mit der Gründung einer eigenen Genossenschaft möglich. Oder aber durch die Beteiligung an einer bestehenden Genossenschaft, die bereits Know-How für derartige Projekte mitbringt. Die AG-Akteure haben recherchiert, Gespräche geführt. Ihr Vorschlag: Die Wärmeversorgung in Hebertshausen soll aufgebaut werden in Kooperation mit der Energiegenossenschaft Inn-Salzach (Egis) mit Sitz in Neuötting, die bereits Wärmenetze betreibt. Den Solarpark könnte man mit der Energiegenossenschaft für die Region Starnberg Ammersee (EGF) realisieren, eine Beteiligung am Solarpark soll auch über die Genossenschaft Bürgerenergie Dachauer Land möglich sein. Für beide Vorhaben – Wärmenetz und Solarpark – würden von KEH und der jeweiligen Partner-Genossenschaft eigene Gesellschaften gegründet. Dort würde die KEH 51 Prozent Anteile halten, um die Entscheidungskompetenz zu behalten. Die Hebertshauser können in den Genossenschaften Mitglied werden, Anteile zeichnen, Darlehen geben und sich so finanziell an der eigenen Wärmeversorgung beteiligen.

Von den Teilnehmern im Saal gab es Fragen zum Solarpark, der noch nicht konkret geplant ist und aktuell nicht im Vordergrund steht. „Doch das Wärmenetz ist relevant, da wollen wir mit wenig Geld schnell ins Tun kommen“, so Niedenhoff. „Wie soll es weitergehen? Wird es eine Umfrage geben?“, fragte eine Bürgerin gegen Ende der zweieinhalbstündigen Präsentation. Es brauche noch mehr Informationsveranstaltungen, wünschte ein Teilnehmer. Vor einer Umfrage, ob die Hebertshausener mitgehen auf dem vorgezeichneten Weg zum Wärmenetz Hebertshausen, „brauchen wir erst die politische Freigabe durch den Gemeinderat“, so Niedenhoff. Die Bürger im Saal jedenfalls fanden die vorgeschlagene Kooperation von KEH und Egis-Genossenschaft schon mal gut. Bei einem spontanen Stimmungsbild gab es 82 Prozent Zustimmung.

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