Im Kreisausschuss wurde zäh gerungen. Und zwar um die „Wissenschaftslinie“ X660 zwischen den TUM-Standorten Freising und Garching.
Landkreis – Nachdem der Planungsausschuss des Landkreises Freising kürzlich über ein Bündel an Neuausschreibungen von Buslinien abgestimmt hatte, wurde im Kreisausschuss in einem Fall nochmals diskutiert: um die „Wissenschaftslinie“ X660 zwischen den TUM-Standorten Freising und Garching. Der Planungsausschuss hatte hier einstimmig für einen 40-Minuten-Takt von Montag bis Freitag votiert. Zuvor war ein 20-Minuten-Takt allerdings mit 7:8 abgelehnt worden.
Weil diese Entscheidung hauchdünn gewesen sei, fand es nun Grünen-Kreisrat Michael Stanglmaier durchaus sinnvoll, sich nochmals über diese Taktverdichtung zu unterhalten. Denn die biete die Chance, tatsächlich Verkehr auf den ÖPNV zu verlagern – auch wenn dadurch voraussichtlich die Kosten von 1,2 auf 1,6 Millionen Euro steigen würden. Schließlich könne man auch mit Mehreinnahmen rechnen.
Stanglmaiers Argumentation rief Rainer Schneider (FW) auf den Plan: Er sei jetzt schon „ein bisschen irritiert“, wenn man da „ein Fass aufmacht“ für eine ÖPNV-Verbindung, die der S1 Konkurrenz mache. Und: „Wir tun so, als wäre es egal, was das kostet“, mahnte Schneider mit Blick auf den Haushalt. „Ich komme mir vor, als wäre ich im falschen Film.“ Er sehe gar nicht ein, dass der Landkreis die Unzuverlässigkeit der S1 ausgleiche.
Ähnlich sah das Uwe Gerlsbeck (CSU): Wo läge denn der Vorteil gegenüber der S1? Eine Taktverdichtung auf 20 Minuten in den Zwischenzeiten bringe nichts. „Wir können nicht alle Wünsche erfüllen.“ Und auch Peter Warlimont (SPD) sprach sich für den Status Quo aus. Der werde ab 2026 eh schon um 50 Prozent teurer, bei anderen Varianten sei das finanzielle Risiko sehr groß, weil man die Einnahmen nicht seriös berechnen könne.
Schneiders Aussage, er könne nicht verstehen, wieso man das jetzt neuerlich diskutiere, forderte wiederum Stanglmaier heraus: Wenn der Punkt auf der Tagesordnung stehe, müsse man auch darüber diskutieren dürfen. Zudem habe die Linie X660 nichts mit Parallelverkehr zur S1 zu tun. Wenn Schneider das glaube, „dann haben Sie keine Ahnung vom Pendlerverkehr“. Dass man den Tagesordnungspunkt nicht hätte behandeln sollen, fand auch Tobias Eschenbacher (FSM) „befremdlich“: „Was ist denn das für ein Verständnis?“, fragte er Schneider. Er jedenfalls könne sich die Variante mit der Taktverdichtung durchaus vorstellen.
Einen anderen wichtigen Aspekt brachte Tobias Weiskopf (FDP) ein. Die von der TUM in Aussicht gestellte Übernahme von 20 Prozent der Kosten sei ja schön und gut, er könne aber so nicht zustimmen. Sein Vorschlag: Die TUM solle 50 Prozent der Kosten für die Taktverdichtung tragen, was für ihn ein tragfähiger Kompromiss wäre. Bis das geklärt sei, sollte man den Tagesordnungspunkt vertagen.
Landrat Helmut Petz sagte, die TUM sei willig, mehr als 20 Prozent seien aber wohl nicht möglich. Aber er werde nochmals Gespräche mit der Universitätsspitze führen. Unter dieser Maßgabe wurde der Empfehlungsbeschluss aus dem Planungsausschuss, die Linie X660 mit dem Status Quo auszuschreiben, mit 9:5 Stimmen bestätigt.