Fast 40 Jahre lang führte Udo Holländer einen kleinen Blumenpavillon am Bahnhof in Weßling. Nun schließt dieser seine Türen, der Florist konzentriert sich künftig auf seine Gärtnerei.
Weßling – Mehrmals in der Woche öffneten sich die Türen des kleinen Blumenpavillons am Bahnhof in Weßling und ein Hauch von Frühling lag in der Luft. Der Duft frischer Rosen, Tulpen und Lilien zog über den Platz, während draußen auf den Gestellen Hornveilchen, Vergissmeinnicht, Hyazinthen und Narzissen um die Wette strahlten. Es war ein vertrauter Anblick, der seit 37 Jahren zum Ortsbild gehörte. Nun ist diese Ära zu Ende: Ende März schloss der Pavillon seine Türen. Ganz verabschiedet sich Florist Udo Holländer aber nicht: Der 65-Jährige will in der Landgärtnerei in Oberpfaffenhofen sein Angebot erweitern und neben Beet- und Balkonpflanzen, Gemüsepflanzen, Rosen, Stauden und Gewürzen auch Blumen anbieten.
1991 hatte Udo Holländer mit Leidenschaft das übernommen, was einst seine Eltern mit dem Bau des Pavillons begonnen hatten. Durch die großen Fensterflächen fiel der Blick ins Innere, wo der Florist mit geschickten Händen Sträuße nach Wunsch zusammenstellte. Sein Markenzeichen? „Ich arbeite gerne natürlich“, sagt er. „Das Blumenbinden ist ein kreativer Prozess, bei dem ich auch mit Farben spiele.“ Mit flinken Fingern komponierte er Sträuße etwa aus pastellfarbenen Rosen, leuchtenden Ranunkeln, zarten Anemonen und filigranen Birkenzweigen – kleine Kunstwerke der Natur. Je nach Saison ergänzte er sie beispielsweise mit Margeriten oder setzte auf Regionalität mit bunten Tulpen.
Für viele gehörte war der Blumenpavillon der Ort, an dem sie seit jeher ihre Blumen kauften. Angelika Heitzer zum Beispiel kam mit ihrem Rollator bis aus Mischenried. „Die Gärtnerei ist zu weit weg für mich“, seufzte sie. Den Rückweg trat sie mit fünf orangen Hornveilchen im Topf an. Allerdings nicht, ohne zuvor ein paar persönliche Worte mit dem Ladeninhaber auszutauschen. „Bei mir ist es manchmal ein bisschen wie beim Frisör“, sagte Holländer schmunzelnd. Auch Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur habe schon bei ihm gestöbert. Zahlreiche Kunden begleitet er seit Jahren, kennt ihre Lieblingsblumen und weiß genau, wie sie ihre Sträuße mögen. Und auch die Männer, die florale Wertschätzungen nach Hause bringen, wüssten meistens genau, was sie wollen.
In manchen Bereichen schien die Zeit stehen geblieben zu sein, etwa in der Auslage, in der es keine gefärbten Rosen, kein Glitzerspray und keine Plastikdekoration gab. Anderswo hat sich dagegen die Welt verändert: Supermärkte, Discounter und Baumärkte sind längst zur Anlaufstelle für Blumenliebhaber geworden. Holländer setzte dem Qualität dagegen. Mit Fingerspitzengefühl gestaltete er Trauerfloristik, band individuelle Hochzeitssträuße und verlieh Festen mit maßgeschneiderten Arrangements eine persönliche Note. Diese Arbeit führt er in der Gärtnerei fort – und Angelika Heitzer kann ihre Blumen telefonisch bestellen.
Dennoch schloss Udo Holländer mit einem weinenden Auge das Kapitel seines Pavillons. Der Grund ist der geplante, immer wieder verschobene behindertengerechte Umbau des Bahnhofs. Dann soll das Areal, auf dem sein Geschäft steht, unter anderem als Bushaltestelle genutzt werden. Was bis dahin mit dem Pavillon passiert, weiß er nicht. Es gibt aber auch ein lachendes Auge: „Jetzt kann ich meine ganze Kraft in die Gärtnerei stecken.“ In Rente geht er also noch lange nicht. Denn die Liebe zu Blumen bleibt unverändert und blüht in der Landgärtnerei in der Gautinger Straße 106 in Oberpfaffenhofen (www.landgaertnereihollaender.de) weiter.
Von Michèle Kirner