Unwetter in Österreich und Südtirol: Erdrutsche und Überflutungen – Blitz schlägt in Kirche ein

  1. Startseite
  2. Welt

Kommentare

Am Abend kam es in Österreich und Südtirol zu schweren Unwettern. In den Regionen Tirol und Vorarlberg ereigneten sich Überschwemmungen und Murenabgänge.

Schwaz – Gerade in Alpennähe dürften Sommerunwetter inklusive extremer Regenfälle im Zuge des Klimawandels künftig zunehmen, fanden Forscher der Universitäten Lausanne und Padua kürzlich in einer gemeinsamen Studie heraus. Was solche Extremwetter-Szenarien anrichten können, zeigte sich am Samstagabend (19. Juli) in den österreichischen Regionen Tirol und Vorarlberg, sowie in Südtirol: Ab dem späten Nachmittag und am Abend hinterließen kurze, aber heftige Unwetter mit Sturmböen, Blitzschlägen und Hagel vielerorts für Verwüstungen. Heftiger Regen sorgte zudem vereinzelt für Murenabgänge.

Unwetter in Tirol: Mutter und Sohn aus Klamm gerettet – Feuerwehr musste über 200 Mal ausrücken

Allein in Tirol mussten Feuerwehr-Einsatzkräfte in knapp 230 Fällen zu betroffenen Orten ausrücken, berichtete Der Standard. Zuvor hatten Meteorologen von GeoSphere Austria die Warnstufe „gelb“ für die Region ausgegeben. In der Wolfsklamm in Stans wurden eine Mutter und ihre drei Kinder beim Abstieg einer Wanderung vom Unwetter überrascht: Wegen umgestürzter Bäume wurde ihnen der Weg beim Abstieg blockiert, sodass sie von der Bergrettung geborgen werden mussten, meldete die Tiroler Tageszeitung. In Ehrwald im Außerfern ging eine Mure auf die Skipiste ab. Verletzt wurde dabei niemand. In Österreich ist es beileibe nicht das erste schwere Unwetter in diesem Sommer: Erst Ende Juni (26. Juni) sorgten Gewitter und intensiver Hagel vielerorts für Schäden.

Am frühen Abend zogen die Unwetter dann ins Tiroler Unterland weiter, wo sie in der Bezirkshauptstadt Schwaz und im Kreis Vomp zu Überschwemmungen führten. Auch ging der Niederschlag teils in kleinkörnigen Hagel über. Dem Standard zufolge zogen die sommerlichen Unwetter über Tirol mitunter Wasserschäden an Gebäuden nach sich, zudem wurden Unterführungen überschwemmt. Vielerorts mussten Keller ausgepumpt werden. Auch wurden Straßen vermurt und zwei beschädigt. Verletzt wurde niemand. In Kortsch in der Südtiroler Gemeinde Schlanders schlug ein Blitz in den Turm der örtlichen Kirche ein, die daraufhin schwer beschädigt wurde, meldete heute.at.

Schwaz wurde vom Hagel besonders heftig getroffen und kurzerhand unter einer „Winterlandschaft“ begraben. „Keller mussten ausgepumpt werden, die Arzbergstraße wurde unterspült, in der Innenstadt drang das Wasser auch in Geschäftslokale ein“, teilt die Stadt mit. Die Arzbergstraße bleibt bis Montag gesperrt. Ebenso die Innsbruckerstraße und die Ullreichstraße in Teilen.

Im Vorarlberg kam es durch die Unwetter zu Überschwemmungen und Murenabgängen

Doch nicht nur vielerorts in Tirol wurden Ortschaften von den Unwettern in Mitleidenschaft gezogen, sondern auch im Vorarlberger Montafon. Im Innermontafon kam es dem Standard zufolge im Bereich Partenen (Mautstelle Gättertobel) bis zum Tschambreubach (Bereich Radweg Partenen) zu Überflutungen und Murenabgängen. Auch sorgten die Sommergewitter dafür, dass der Fluss Ill kurzzeitig überlief. 

Die örtliche Feuerwehr hatte alle Hände voll zu tun, konnte die Wassermassen aber mit schwerem Gerät wie Radladern und Baggern zurückhalten und die Bevölkerung so vor Schäden an Wohnhäusern bewahren. Auch in Vorarlberg wurde infolge der Unwetter niemand verletzt. Allerdings sorgten die Regenmengen für Flurschäden am Radweg Partenen und im Bereich der Mautstelle, sodass Einsatzkräfte aktuell noch mit der Beseitigung der Schäden beschäftigt sind. 

Schwere Sommer-Unwetter könnten sich im Zuge des Klimawandels häufen

Dass sommerliche Unwetter sich im Zuge der anhaltenden Erderwärmung künftig mehren könnten, legte vor Kurzem (19. Juni) eine Studie von Wissenschaftlern aus Italien und der Schweiz nahe. Die Forscher der Universitäten Padua und Lausanne trugen Daten von insgesamt 300 Bergwetter-Stationen in Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich und der Schweiz zusammen und fanden heraus, dass kurze und intensive Sommerregenfälle sich in den kommenden Jahrzehnten verdoppeln dürften.

Gewitter mit derart heftigen Regenfällen, wie sie heute im Schnitt nur alle 50 Jahre vorkommen, könnte es bei einer Klimaerwärmung von zwei Grad dann alle 25 Jahre geben, wie der italienische Nachrichtensender RAI Mitte Juni ausgehend von der im Fachblatt npj Climate and Atmospheric Science veröffentlichten Studie berichtete. In Höhenlagen fällt der Anstieg laut der Studie stärker aus als in tieferen Lagen. Auch ein durchschnittlicher Temperaturanstieg von einem Grad könne schon zu besorgniserregenden Veränderungen der Unwetter-Häufigkeit führen, betonten die Forschenden. (fh)

Auch interessant

Kommentare