VW-Mitarbeiter: „Die Stimmung ist schlecht“
Die zwei Männer, die dort gerade stehen, einer 37, der andere 43, haben nur ein Bier getrunken und möchten weder ihre Namen sagen noch sich fotografieren lassen.
Während der Jüngere zunächst schweigt, gibt sich der Ältere lässig. „Mir ist das Gerede wurscht, und ich finde notfalls auch was anderes. Warten wir doch erst mal ab, was kommt.“ Schon oft habe es in der Vergangenheit geheißen, es müsse gespart werden. Doch am Ende sei dann oft nichts passiert. „Ich glaube nicht, dass der Betriebsrat betriebsbedingten Kündigungen zustimmen wird.“
Doch das dürften viele anders sehen, bestätigt der Jüngere nach einer Weile. „Die Stimmung ist schlecht. Alle bei VW haben jetzt Angst.“
„Viel zu schnelle Umstellung“ ist schuld
Gegen 14.30 Uhr finden sich am Tor 17 dann doch einige VW-Arbeiter, die erzählen. „Die Stimmung war heute morgen schon schlecht, als die Schicht losging und in den ersten Medien schon über das Sparprogramm berichtet worden war. 'Haste gehört, die wollen Werke schließen', hieß es“, erzählt Adrian Bender (Name von der Redaktion geändert) . „Und nach der Schicht, als wir jetzt durch den Tunnel zurückgekommen sind, waren alle nervös. Die Stimmung ist wirklich angespannt.“
Bender glaubt, dass an den Sparmaßnahmen vor allem eine „viel zu schnelle Umstellung“ von Verbrennern auf E-Autos schuld sei. „Die Übergangszeiten waren zu knapp bemessen, genauso wie beim Ausstieg aus der Atomkraft. Der Konzern hat sich zu sehr darauf verlassen, dass eine noch nicht ausgereifte Technik sofort genügend private Abnehmer finde, die man nach wenigen hundert Kilometern erst mal ans Netz zum Aufladen andocken muss“, sagt Bender, der in der Motorenfertigung arbeitet.
Keine generelle Krise, sondern Fehler der Konzernspitze
Das sieht auch Michael, Ende 50, ähnlich. „Ich fahre selbst einen Turbo-Diesel, mit dem ich, wenn ich will, 1000 Kilometer am Stück fahren kann. Was nützt mir ein E-Auto, das ich nach 200, 300 Kilometern erst mal an die Steckdose anschließen muss, bevor ich weiterfahren kann? Das kann ich mir einfach nicht vorstellen.“
Den Hauptgrund für die angekündigten drastischen Sparmaßnahmen sieht Michael nicht in einer generellen Krise des Automarktes, sondern in Fehlern der Konzernspitze. „Es wurde zu spät und dann zu stark in den E-Auto-Markt investiert, dem bei VW eine gesunde Basis fehlte.“
Auch Rüdiger, 58, gibt Fehlinvestitionen in den E-Automobilmarkt durch die Konzernleitung die Schuld an der Misere. „Modelle wie der E-Up, die wirklich gut am Markt liefen, wurden einfach eingestellt. Stattdessen gab es bei der ID-Serie einfach viel zu viele Folge-Modelle, von denen viele floppten.
Nicht zuletzt Schuld daran gewesen sei allerdings auch, dass die E-Auto-Subventionen, die bis zu 9000 Euro pro Wagen betragen hätten, weggefallen seien. “Das hat dem Markt nicht nur nicht geholfen, sondern ihn zurückgeworfen."
„Sichere Zeiten sind bei VW längst vorbei“
Am Mittwoch (4. September) will der Betriebsrat um 9.30 Uhr die Belegschaft in Wolfsburg über Möglichkeiten informieren, wie Sparmaßnahmen konkret aussehen könnten. Betriebsratschefin Daniela Cavallo kündigte schon am Dienstag an, dass man das „Spardiktat“ nicht akzeptieren wolle. „Mit mir wird es keine VW-Standortschließungen geben“, teilte Cavallo laut Medienberichten in einem internen Schreiben mit. Statt Kosten zu senken, müsse die Produktion „effizienter“ gemacht werden.
Ob das als Garantie für einen Joberhalt reiche und Werkschließungen verhindern wird, zweifeln aber auch die VW-Arbeiter an - selbst für den Standwort Wolfsburg. Adrian Bender: „Sichere Zeiten sind bei VW längst vorbei.“