Kiental wegen Hangrutschen gesperrt

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Der Kienbach am Wochenende: Er blieb in seinem Bach, aber es war knapp. © Gemeinde Herrsching

Der Kienbach ist zuletzt wohl 1885 über die Ufer getreten. Das ist ein Grund, den die Gegner der anstehenden Hochwassersanierung in Herrsching anführen. Der geplante Eingriff in die Natur sei unverhältnismäßig. Nach den starken Regenfällen ist der kleine Bach wieder zum reißenden Fluss angeschwollen. Zu Ausuferungen kam es nicht, aber zu Hangrutschen oberhalb.

Herrsching – Der Kienbach hat sich nach den anhaltenden Regenfällen der vergangenen Tage zu einem reißenden Fluss gemausert. Sein Quellgebiet in Andechs kann kein Wasser mehr aufnehmen, umso mehr Wasser wird über den Bachlauf durch das Kiental in den Ammersee abgeleitet. Am Sonntag führte der anhaltende Regen zu Hangrutschen im Kiental. „Ausuferungen im Bach gab es nicht“, erklärt Dominikus Findler im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Er ist Abteilungsleiter für die Landkreise Starnberg und Landsberg im Wasserwirtschaftsamt Weilheim. Mitarbeiter seiner Behörde hätten die neuralgischen Punkte abgefahren. „Wenn uns die Regenmassen erreicht hätten, die in Schwaben niedergingen, dann hätte es anders ausgeschaut“, sagt er. Die Notwendigkeit der anstehenden Hochwasserschutzmaßnahmen sieht er mit diesem Ereignis bestätigt.

Bürgermeister Christian Schiller war das gesamte Wochenende mit den Freiwilligen der Feuerwehren Herrsching und Breitbrunn sowie mit dem Bauhof unterwegs, um sich ein Bild machen zu können von der Situation. Zur Sicherung im Bereich des Kienbachs habe die Feuerwehr 5000 Sandsäcke zurückgehalten. Schillers Meinung nach hätte es schnell zu sogenannten Verklausungen kommen können, wenn sich Schwemmholz an Brücken verfangen hätte. „Zwischen Wasserstand und Brücken waren zum Teil nur wenige Zentimeter Luft“, sagt er. Als am Sonntag vom Hangrutsch auf etwa 20 Meter Länge am Ende der Kientalstraße bekannt wurde, verschaffte er sich vor Ort mit Landrat Stefan Frey und Kreisbrandrat Helmut Schweickart einen Eindruck. Vier Häuser sind nicht mehr anfahrbar. Der Zugang zum Kiental von Herrsching aus ist gesperrt. Um einen Rettungsweg für die vier von einer Zufahrt abgeschnittenen Häuser sicherzustellen, bat Schiller bei seinem Amtskollegen aus Andechs um Hilfe. Aber auch von dieser Seite musste der beliebte Wanderweg gesperrt werden. Bürgermeister Georg Scheitz geht davon aus, dass Radfahrer und Fußgänger die Verbindung bis kommende Woche nicht nutzen konnten. An zwei Stellen sei es zu „Setzungen“ gekommen, der Belag des Weges habe sich um 15 bis 20 Zentimeter abgesenkt. Der gemeindliche Bauhof eruiere die genaue Ursache.

Auch die Abwasser- und Wasserbetriebe Ammersee waren wegen der Hangrutsche alarmiert, denn im Kientalweg verlaufen Abwasser- und Trinkwasserleitungen, blieben aber unbeschadet. Eine Notleitung für die vier Häuser könne schnell eingerichtet werden, versicherte Thomas Tinnes, Chef der Wassergewinnung bei den AWA-Kommunalbetrieben. 2005 und 2013 habe es das gegeben, erinnert sich sein Kolleg Thomas Jacobs von der Abwasserversorgung.

Sanierung wohl ab zweiter Jahreshälfte

Erst nach dem Rückgang des Wasserstandes wird wohl sichtbar, wie standhaft die maroden Schutzmauern das Hochwasserereignis überstanden haben. Findler, der in Günzburg Hochwasserschutzmaßnahmen durchgeführt hatte, bevor er nach Weilheim kam, weiß, dass die Menschen heute froh seien um die Maßnahmen, die dort durchgeführt wurden. „Dort sind die Leute verschont geblieben“, sagt er. Allerdings realisierten die Betroffenen erst seit diesem Hochwasser, was für eine Gefahr sich hinter den Wassermassen verberge. „Wir können fünf Kreuze machen, dass wir im Landkreis von diesen Wassermassen verschont blieben“, sagt Findler. Genauso gut weiß er: „Innerhalb von zehn Jahren ist das Bewusstsein für die Gefahr, die davon ausgeht, auch wieder weg.“

Überzeugungsarbeit für die anstehenden Sanierungsarbeiten wird deshalb wohl auch in Herrsching weiter nötig sein. Denn ohne Beton wird eine Verbesserung der Situation nicht machbar sein, darauf war schon bei der Informationsveranstaltung im März vor einem Jahr hingewiesen worden. In den Bereichen, in denen direkt an den Bach gebaut wurde, sind die Mauern brüchig und zum Teil unterspült. Die Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes hatten jedoch versichert, dass das Augenmerk nicht allein auf Sanierung und Hochwasserschutz liege, sondern auch auf einer Verbesserung der Gewässerökologie und einer besseren Zugänglichkeit. Die Sanierung eines kleinen Stücks Ufermauer im Februar war bereits Teil der Gesamtsanierung am Kienbach in Herrsching, deren offizieller Baubeginn frühestens in der zweiten Hälfte dieses Jahres erfolgen soll.

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