Deutschlands größte Höhlenburg: Besuch bei den Raubrittern von der Traun

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In der Höhlenburg Stein an der Traun hausten einst zweifelhafte Rittersleut‘. © Montage/Oliver Bodmer (2)

Schon von Weitem ist die lange Felsenwand zu sehen, in der eine einzigartige Burg regelrecht klebt. Hier hausten einst nahe des Chiemsees finstere Gestalten. Heute wird dort hervorragendes Bier gebraut

Altenmarkt an der Alz - Weit schweift der Blick aus der Schießscharte über die Traun in die Chiemgauer Alpen. Am Fluss verlief einst die Salzstraße von Salzburg nach München. Hier in der Höhlenburg von Stein an der Traun hatten die Spießgesellen von Ritter Heinz dem Wilden einen guten Blick auf schwer beladene Handelskutschen, die sie im Auftrag ihres Herrn ausrauben und deren Fuhrmänner entführen konnten.

Schon die Kelten nutzten den Felshang mit seinen Höhlen als Rückzugsort

Wir stehen in den Felsengängen von Burg Stein an der Traun, Deutschlands größter und am besten erhaltener Höhlenburg – heute weithin bekannt für ihr handwerklich gebrautes Bier, ein Internat – und schaurige Geschichten. „Schon die alten Kelten hatten die gut zu verteidigende Position des Nagelfluhfelsens an der Traun erkannt“, berichtet Burg- und Brauereiführer Pius Bauer (25).

Ein Blick aus der Burg auf den Hungerturm und die Kapelle.
Ein Blick aus der Burg auf den Hungerturm und die Kapelle. © Oliver Bodmer



Die Höhlen darin eigneten sich als Rückzugsort bei Überfällen. Auch im Mittelalter wurde der Fels für eine Burg genutzt, als erste Besitzer tauchen 1135 ein Bernhard von Stein und seine Gemahlin Elisabeth in den Urkunden auf.

Wie ein Raubritter der Legende nach die ganze Gegend und Durchreisende tyrannisiert hat

Gerne erzählt wird die Sage von Raubritter Heinz von Stein. „Er war zwei Meter groß und von mehreren Schlachten und den Blattern schwer entstellt“, erzählt Pius, als er uns über eine Steintreppe zum Wehrgang im Felsen führt. „Er kehrte von einem Kreuzzug mit der befreiten persischen Sklavin Sahira als Geliebter und Ehefrau zurück.“

Geheimgang, Höhlenburg Stein an der Traun, Steiner Brauerei, Brauerei und Burgführung
Ein Geheimgang führt aus der Höhlenburg auf die Burggebäude auf dem Hügel darüber. © Oliver Bodmer

Doch die Einheimischen wollten die Fremde nicht und steinigten sie bei einem Ausritt zu Tode, heißt es. Danach soll Ritter Heinz Reisende ausgeraubt und die Bauern drangsaliert haben. Verhöre und Hinrichtungen im Hungerturm werden ihm nachgesagt, er soll sogar einen Stollen gegraben haben, um eine Bauerstochter zu entführen.

Der Brunnen rüstete die Burg gegen Belagerungen. Brennendes Zeitungspapier zeigt, wie tief er ist
Der Brunnen rüstete die Burg gegen Belagerungen. Brennendes Zeitungspapier zeigt, wie tief er ist © Oliver Bodmer

Was man sehen kann: ein dunkles Verlies, eine Folterkammer, die Zimmer von Liebessklavinnen und einen tiefen Brunnen, der die Burg gegen Belagerungen rüstete. Alles nur Legende? Ein Ritter Heinz ist nirgends belegt, aber die beiden Herren Rapoto und Heinricus, die für ihre cholerische und tyrannische Art gefürchtet waren. Und tatsächlich führt ein steiler, in den Fels gehauener Stollen zur Oberburg – mit zwei verschütteten Abzweigungen. Heute schmückt Heinz der Wilde die Etiketten einiger Biere der Schlossbrauerei, die in den Gewölben unter der Burg gebraut werden. Infos unter diesem Link.

Weitere Ausflüge in der Nähe führen zur ältesten Seilbahngondel der Welt in Bad Reichenhall, einem Bauernhof in über 1100 Metern Höhe oder in das Reich eines Knochenmannes in Altötting.

Der Landkreis Traunstein

Der Landkreis Traunstein grenzt im Süden an Tirol und das Salzburger Land, im Westen an den Chiemsee, im Südosten ans Berchtesgadener Land, im Osten an Oberösterreich und im Norden an die Landkreise Altötting und Mühldorf. Die größte Stadt ist die Kreisstadt (20 877 Einwohner), die Städte Traunreut und Trostberg zählen 20 379 bzw. 11 337 Bürger. Der Norden des Landkreises gehört mit den Fabriken von Alzchem AG, Degussa GmbH und BASF in Trostberg zum bayerischen Chemiedreieck, der Süden ist touristisch geprägt.

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