Der Landkreis München hat seinen LGS-Pavillon in Oberschleißheim eingelagert, wo er wieder aufgebaut werden soll. Für 600 000 Euro. Die SPD kritisiert die teure Folgenutzung.
Im Oktober endete die Landesgartenschau in Kirchheim und der viel besuchte Pavillon des Landkreises wurde abgebaut. Jetzt liegt er in Oberschleißheim, zerlegt in Einzelteile und nachlässig abgedeckt unter einer Folie auf dem Gelände des Landkreises an der Ferdinand-Schulz-Allee, wo die Jugendbegegnungsstätte des Kreisjugendrings im Heiner-Janik-Haus ist und nebenan die Ost- und Westpreußenstiftung ihren Sitz hat.
Der Kreistag hat gegen elf Stimmen von SPD und Teilen der Freien Wähler beschlossen, dass der Pavillon auf diesem Gelände wiedererrichtet und ertüchtigt wird, damit die Ost- und Westpreußen-Stiftung ihn nutzen kann. Das Holzhaus soll als Büro und Ausstellungsraum für Erinnerungsstücke aus der alten Heimat dienen, direkt neben dem Mahnmal „Flucht und Vertreibung“.
Kein Markt für den Pavillon
Die Suche nach einem Käufer stellt die Kreisverwaltung ein. Aussichtslos, ein offenes Rondell mit 29 Nischen weiterzuverkaufen, „weil es keinen Markt gibt“, sagte Landrat Christoph Göbel (CSU) im Kreistag. Sobald der Pavillon ausgebaut ist, darf die Ost- und Westpreußenstiftung einziehen. Ein kleiner Verein mit 30 Mitgliedern, Durchschnittsalter 80 Jahre. Dafür wird für den Kreisjugendring im ehemaligen Wirtschaftsgebäude Platz frei, wo bisher die Stiftung untergebracht ist, allerdings müsste dieses Gebäude noch saniert werden.
An der Wiedererrichtung des Pavillons schieden sich in der Kreistagssitzung die Geister. Die offene Holzkonstruktion für 784 000 Euro kann man neu zusammenstecken. Sie sollte nach der Landesgartenschau weitergenutzt werden, so der Plan des Kreistags, der damit auch Nachhaltigkeit beweisen wollte. Doch vor einem Einzug muss noch einiges getan werden: Ein Dach, Fenster, Türen, Dämmung, Strom, Wasser und Heizung sind zu installieren. Die Kreisverwaltung rechnet mit 600 000 Euro, samt Aufbau.
Lösung nur ein „Feigenblatt“
Die SPD macht sich Sorgen wegen der Wirtschaftlichkeit: Am Ende habe der Landkreis 1,4 Millionen Euro reingesteckt, sagte Wolfgang Panzer (SPD), doch die Lösung sei ein „Feigenblatt“. Er kritisiert, eine kurzsichtige Planung: „Es wäre sinnvoll gewesen, die Nachnutzung von Anfang an zu bedenken. Jetzt haben wir ein offenes Gebäude, das für die Nachnutzung ungeeignet ist.“ Auch Annette Ganssmüller-Maluche (SPD) warnte vor einem „finanziellen Wahnsinn“: „Die Landesgartenschau war schön, aber wir sparen an den kleinsten Stellen, und hier schmeißen wir das Geld zum Fenster raus. Wir sollten den Pavillon verschenken.“ Sie sei auch „kritisch“, was das Gesamtgelände in Oberschleißheim betreffe: „Weil wir da ein Millionengrab haben. Der internationale Jugendaustausch findet dort nicht statt, weil die Betten fehlen, und die können wir nicht bauen, weil uns das Geld fehlt“.
Landrat Göbel sieht es anders. Er argumentierte, der Landkreis sei vertraglich verpflichtet, die Stiftung zu unterstützen: „Am Ende führt der Pavillon dazu, dass wir mehr Räume für die Jugendbegegnungsstätte haben und das Gelände wieder besser nutzbar ist. Nur wenn wir keine Nachnutzung haben, sind die 800 000 Euro in den Wind geschrieben.“ Es sei wie mit einem Rohbau, der im zweiten Bauabschnitt ausgebaut werde: So gesehen, seien 1,4 Millionen nicht zu viel, „wenn Sie schauen, was wir sonst investieren“.
Die Bauteile lagern derzeit hinter einem Bauzaun, allerdings sind sie nur teilweise durch Folie geschützt, wie Grünen-Kreisrätin Ingrid Lindbüchl aus Oberschleißheim berichtete: „Der schöne Pavillon ist schlampig abgedeckt. So hält er keine fünf Monate.“ Vertreter des Kreisbauamts versicherten, dass eine Firma dies noch diese Woche beheben werde. Wann der Pavillon neu aufgestellt wird? Lindbüchl hofft auf 2025. „Sobald die Beschlüsse gefasst sind, kann man das angehen“, versicherte Göbel.