Nach sieben Jahren im Starnberger „Aubergine“ hat sich Adrian Dietloff einen Traum erfüllt: Er eröffnete mit seinem Cousin in Aufkirchen die Patisserie „Bergamot“. Die Frucht Bergamotte spielt dort eine wichtige Rolle.
Aufkirchen - Wenn aus einer Aubergine eine Bergamotte wird: Vier Jahre lang hat Adrian Dietloff im „Aubergine“ im Hotel Vier Jahreszeiten in Starnberg als Patissier gearbeitet, nun hat der gelernte Konditor etwas Eigenes. In der Patisserie „Bergamot“ in Aufkirchen kann der 29-Jährige seine Träume verwirklichen. Regionale Produkte, so wenig Zucker wie möglich und der Geschmack kommt vor der Optik: Das sind die wichtigsten Prinzipien des jungen Konditors.
Doch das alles geht nur zusammen mit dem zweiten Geschäftsführer und Konditormeister Ludwig Ganghofer. Er kümmert sich weitestgehend um die Pralinen und steht eher weniger hinter dem Tresen. „Ohne ihn würde es nicht gehen, und ich würde es auch nicht machen wollen“, betont Dietloff. Denn Ganghofer ist nicht nur Konditormeister und zweiter Geschäftsführer, sondern auch Dietloffs Cousin. Durch ihn sei er auch erst so richtig in die Branche reingerutscht, erzählt der Ladeninhaber, der seine Lehre bei „Süßer Zauber“ in Söcking gemacht hat. Er kümmert sich also weniger um die Pralinen, sondern um die anderen Leckereien im Sortiment. Törtchen, Tartes, Macarons und französische Windbeutel, auch Choux au Craquelin genannt. „Es gibt auch immer wieder was Neues“, so Dietloff.
Aber wie kam er überhaupt zu dem Laden? Bevor es in den Räumlichkeiten um Schokolade, Früchte und Bergamotten ging, stand Fisch im Vordergrund. Vor der Patisserie war es nämlich ein Dechant Fischladen. Dass die Räume zum August vorigen Jahres frei werden sollten, bekam Adrian Dietloff über Kontakte mit. Schon im Oktober wollte er dann seine Patisserie eröffnen, aber viele Geräte, die er vom Fischladen übernommen hatte, waren nicht mehr funktionsfähig. So öffnete die Patisserie erst im Dezember – nach Renovierungsarbeiten – ihre Türen.
Aber auch die Namensfindung war ein Prozess. „Bergzuckerl“ war eine erste Überlegung. Das Wichtige: Das Wort Berg soll in dem Namen enthalten sein. „Aber Zucker schreckt viele Leute ab, weil es ungesund ist“, erzählt der Geschäftsführer. Er arbeitet mit so wenig Zucker wie möglich und nur mit Demeter Rohrzucker statt raffiniertem Zucker. In seinen sieben Jahren als Patissier im „Aubergine“ lernte Dietloff dort auch die Bergamotte kennen und lieben. Für den Laien mag sie aussehen wie eine Zitrone, sie ist zwar ebenso eine Zitrusfrucht, hat aber eine herbere, blumig-würzigere Note und findet zum Beispiel oft im Earl-Grey-Tee eine Verwendung – aber auch in den Köstlichkeiten von Adrian Dietloff sowie in seinem Ladenschild. Aus Bergamotte wurde „Bergamot“, Berg steckt natürlich trotzdem mit drin. Und in der Gemeinde Berg kommt die Patisserie (Marienstraße 2) in Aufkirchen gut an, sie habe die Kaffee-und-Kuchen-Lücke in Aufkirchen gefüllt. „Alle sagen, es hat was gefehlt und ich merke das“, erzählt der Konditor. Kaffeebohnen aus der Murnauer Kaffeerösterei gibt es in der Patisserie, Croissants aber nicht. „Ich bin kein Frühstücks-Café, sondern eine Patisserie“, das ist Adrian Dietloff sehr wichtig. „Alles, was hier drin passiert, ist selbstgemacht“, ergänzt er, ohne Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe. Der Geschmack steht an erster Stelle, alle Rezepte sind Eigenkreationen. Obst und Gemüse bezieht er von seinem Nachbarn Zahari Kacharov-Velinov.
Für die Bergamotten hat Dietloff einen separaten Händler. Daraus entstehen dann zum Beispiel leuchtend gelbe Macarons in Bergamotten-Optik mit einem sauren Geschmack. Wer es eher klassischer mag, kann die „Wald-Marie“ oder „Cassis Royal“ kosten, zwei eher schlichte Pralinen, die mit Geschmack überzeugen. Pralinen, Murnauer Kaffee, Wein und alle anderen Köstlichkeiten können von Mittwoch bis Samstag von 10 bis 17 Uhr und am Sonntag von 10 bis 14.30 Uhr in der Patisserie „Bergamot“ beäugt und gekauft werden.