Die Personalsituation bei der Feuerwehr Starnberg hat sich bisher nicht gravierend verbessert. Der federführende Kommandant Markus Grasl baut auf Beschlüsse des Stadtrates für hauptamtliche Stellen, die im Herbst fallen sollen.
Starnberg – Die Starkregenereignisse dieses Jahres haben bei vielen Feuerwehren im Landkreis die Einsatzzahlen nach oben getrieben. Starnberg ist da keine Ausnahme: Bisher waren es 417 Einsätze, im ganzen Jahr 2023 „nur“ 386. Die Einsatzzahlen, sagt der federführende Kommandant Markus Grasl, seien nicht so sehr das Problem. Vielmehr sei es die Dauerbelastung durch „städtisches Einsatzaufkommen“, das allein aus der Stadt selbst nicht zu leisten sei. Feuerwehrleute gebe es im Stadtgebiet genug, nur: Die Feuerwehr Hadorf beispielsweise kann keinen Einsatz an der Kaiser-Wilhelm-Straße übernehmen, weil sie nicht innerhalb der Hilfsfrist (zehn Minuten nach Notrufeingang) ankäme. Deswegen baut Grasl weiter auf hauptamtliche Kräfte. Die Entscheidungen dazu stehen allerdings noch aus.
Im Grunde hat sich die Zahl der Aktiven durchaus leicht erhöht. Die Starnberger Wehr lag früher immer um die 60, sagt Grasl, derzeit sind es 74. Jedoch: Der Anstieg kommt ausschließlich durch sogenannte Zweitmitglieder, also Mitglieder anderer Wehren, die auch in Starnberg mit ausrücken, zumeist, weil sie dort arbeiten. 39 Aktive stammen aus der Stadt, 34 sind Zweitmitglieder. Von den fest angestellten drei Ausbildern ist noch einer da, die beiden anderen sind mangels Aufstiegsmöglichkeiten in Starnberg zur Berufsfeuerwehr München gewechselt. Eine Nachbesetzung erfolge bis zur Entscheidungen über Hauptamtliche, die im Herbst fallen sollen, nicht. In den kommenden Wochen soll die Verwaltung Vorschläge vorlegen, wie die Erkenntnisse der Gutachten zum Feuerwehrbedarfsplan (wir berichteten) umgesetzt werden könnten. Demnach wären 15 Hauptamtliche plus ein Leiter erforderlich. Die Masse der Einsätze in Starnberg erfordere eine Gruppe von neun Mann.
Dass die Zahl der Ehrenamtlichen kaum oder gar nicht steigt, ist für Grasl ein Strukturproblem. Die Jungen fänden vielfach keine passende, bezahlbare Wohnung – erst kürzlich verlor die Wehr dadurch zwei Mitglieder. Ältere strebten oft Wohneigentum an, was in Starnberg wegen der Preise vielfach unmöglich ist. Nachbarwehren dazuzuholen, ist auch nicht immer die Lösung. Derzeit fährt vor allem Leutstetten in Starnberg Einsätze mit der Starnberger Wehr; die Feuerwehr Söcking wurde aus der Alarmierung teilweise herausgenommen, damit dort nicht auch ein Überlastungseffekt eintritt. „Wir tun, was wir können“, betont Grasl.
Die Einsätze am Wochenende fängt die Wehr seit Langem mit einem Bereitschaftsdienst ab, der ein voller Erfolg sei. In den Sommerferien gebe es zwar Personalschwankungen wegen Urlauben, insgesamt jedoch funktioniert das System. Und es zeige, dass die Wehr attraktiv sei, weil die Dienste in der Regel gut zu besetzen sind. Im Sommer nicht so sehr, erklärt Grasl, weil Urlaube seit Corona einen höheren Stellenwert zu haben schienen. Und: „Bei 40 Grad setzen sich die Leute ungern in die Feuerwache.“ Deswegen fordert Grasl schon lange eine Feuerwehrbootshütte, die sowohl Unterbringung für das Feuerwehrboot sein soll als auch Freizeitstätte für die Bereitschaftsdienste.
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Die Steigerung der Einsatzzahlen stellt für Grasl weniger ein Problem dar. Ein Viertel der bisherigen Einsätze, rund 100, waren Unwettereinsätze nach Starkregenereignissen. „In der Regel sind das keine Notlagen“, sagt er, was bedeutet: Die Feuerwehr prüft die Lage, wird aber vielfach nicht tätig, weil keine Gefährdung vorliegt. In etwa 95 Prozent der Fälle sei die Wehr auch gar nicht zuständig. Die Feuerwehr sei schließlich kein Hausmeisterservice, Vorsorge müssten Hausbesitzer selbst treffen. Bei Altenheim, Krankenhäusern, Senioren oder in Unterführungen versinkenden Fahrzeugen helfe die Wehr selbstverständlich schon.
Der Tag der offenen Tür am Samstag, 7. September, dient vor allem der Suche nach neuen Mitgliedern. Interessierte sind von 10.30 bis 16.30 Uhr an der Wache willkommen.