Das Jahr 2025 wird vielen Mitgliedern des Musikvereins Polling noch lange in Erinnerung bleiben. Auf ihrer „Turnê Brasil“ gaben die Musiker im August sieben Konzerte auf dem südamerikanischen Kontinent. Auch in Rio de Janeiro wurden die Musikinstrumente ausgepackt.
Kein Zweifel, die 14-tägige Reise des Musikvereins Polling nach Brasilien war definitiv mehr als ein Vereinsausflug. Es war eine Reise in einen anderen Erdteil, in ein fremdes Land – wobei: Ganz so fremd wirkte der brasilianische Bundestaat Rio Grande del Sul auf die 45-köpfige Delegation aus Polling gar nicht. Das lag zum einen an der herzlichen Gastfreundschaft, zum anderen aber auch an der laut Fabian Berg „relativ europäisch geprägten Landschaft“: „Es war wie Heimat für uns. Abgesehen von den Palmen waren wir eher überrascht, in einem anderen Land zu sein.“
Auch sprachlich gab es kaum Barrieren. Vor allem nicht in der Stadt „Teutônia“, die – wie der Name schon verrät – im 19. Jahrhundert von deutschen Einwanderern gegründet worden war. „Und das Schöne an der Musik ist, dass jeder die gleiche Sprache spricht“, betont Berg. Die Kontakte des Pollinger Musikvereins nach Brasilien bestehen schon seit längerem – und zwar über Lucas Eduardo Grave. Mit dessen Orchestern aus Teutônia und Barão pflegen die Pollinger freundschaftliche Beziehungen. Schon drei Mal waren die brasilianischen Musiker im Klosterdorf zu Gast. Nun folgte der Gegenbesuch – mit einem straffen Programm und insgesamt sieben Konzerten.
In Tracht im Flugzeug
Den ersten Konzertabend in Barão verfolgten rund 1000 Besucher. Die Pollinger boten ein vielseitiges Repertoire an moderner und konzertanter Blasmusik – das kam beim Publikum bestens an. „Die Reise wurde vom Musikverein äußerst professionell vorbereitet. Davor habe ich ganz großen Respekt. Man hatte den Mut, einfach auf die andere Seite der Weltkugel zu reisen“, schwärmt Martin Pape im Rückblick. Der Pollinger Bürgermeister („Die köstlichen Hackbratenspieße werde ich mein Leben nicht mehr vergessen“) war Bestandteil der Reisedelegation. Mit Daller-Tracht, der Sparkasse Oberland und Gut Ammerhof hatte sich der Musikverein Sponsoren mit ins Boot geholt. Das entlastete das Reisekostenbudget.
Und dann musste natürlich noch der logistische Aufwand bewältigt werden. Die größeren Musikinstrumente hat man sich in Brasilien ausgeliehen. Im Flieger saßen die Pollinger übrigens in Tracht – aus Platzgründen. „Das hat bei der Passkontrolle immer Schmunzeln gegeben. Da wurden die Hosenträger durchleuchtet“, erzählt Berg.
Auch die Favelas besucht
In Tracht marschierten die Pollinger übrigens auch bei ihrem viertägigen Abstecher nach Rio de Janeiro an der Copacabana an: „Das war für uns natürlich etwas ganz Besonderes“, erinnert sich Berg – für die anderen Strandbesucher war das Blasmusikständchen aber eher Nebensache: „Es hat da keinen großen Auflauf gegeben. Wir sind da nicht besonders aufgefallen“, erzählt Berg.
In Rio de Janeiro besuchten die Pollinger auch die Favelas – ohne Tracht und Musikinstrumente, dafür mit angemeldeten Extraführungen: „Es ist ein Leben zwischen Drogen und Gewalt, aber es gibt dort trotzdem Regeln“, berichtet Berg über seine Eindrücke von den Armenvierteln: „Es herrschen dort andere Gesetze.“
Generell spricht Berg bezüglich der „Turnê Brasil“ von einem „einmaligen Erlebnis“ und einem „Sinnbild für musikalischen Austausch“: „Es war einfach nur schön“, so das positive Fazit des Musikvereinschefs. Das nächste Reiseziel der Musiker steht übrigens bereits fest. Im April kommenden Jahres geht es zur befreundeten Winzerkapelle nach Platten an die Mosel. Das hört sich dann eher nach Vereinsausflug an.