Kurze Wege, kein Baulärm und ein familiäres Ambiente – es gibt viel, was für die kleine Grundschule in Partenkirchen spricht. Die Chancen, dass dort im kommenden Schuljahr eine erste Klasse startet, stehen schlecht. Damit wollen sich die Eltern von 17 künftigen ABC-Schützen nicht abfinden.
Noch geben sie die Hoffnung nicht auf. Noch versuchen sie mit allen Kräften, ihr Anliegen durchzusetzen. Aktuell haben sich Eltern von 17 Kindern zusammengefunden. Ihr Anliegen: An der kleinen Schule im Ortsteil Partenkirchen, der Dependance der Bürgermeister-Schütte-Schule, eine erste Klasse einzurichten. 79 ABC-Schützen werden am 10. September im Ortsteil Partenkirchen eingeschult. „Die muss ich in drei Klassen aufteilen“, sagt Rektorin Stefanie Schmidt. Und das nach bestimmten Kriterien: Mädchen und Buben sowie die verschiedenen Konfessions-Zugehörigkeiten sollen möglichst gerecht aufgeteilt werden. Zudem gilt es, Migrationshintergründe und Fragen der Inklusion zu beachten. „Ein Rechenspiel“ meint die Schulleiterin. Natürlich berücksichtigt sie – wenn möglich – persönliche Wünsche. Deshalb wird bei der Anmeldung im Januar auch abgefragt, welchen Standort die Eltern bevorzugen. Elf haben den an der Prof.-Carl-Reiser-Straße 2 angegeben. Alle anderen wollten ins Haupthaus an der Hindenburgstraße 10.
„Da liegt unser Schwerpunkt“, betont Schmidt. Dorthin müssen auch die Kinder der kleinen Schule laufen, wenn Sport, Werken oder Religion auf ihrem Stundenplan stehen. Nur dort gibt es außerdem das Angebot der bilingualen Grundschule, die Anbindung an die Offene Ganztagsschule und sämtliche Fördermöglichkeiten. Deshalb wurden ihr zufolge bislang nur dann erste Klassen an der kleinen Schule eingerichtet, wenn es vier gab. Das ist heuer aber nicht der Fall.
Kleine Schule während der Bauarbeiten in Betrieb
Wenig Verständnis für diese Argumente bringt Wolfgang Buchwieser auf. Schon im April hatten er und andere Betroffene das Thema aufs Tapet gebracht. Der Hinweis, dass sie weitere Eltern werben könnten, ließ sie aktiv werden. Mit Flyern, in WhatsApp-Gruppen und mittlerweile auch auf Facebook informieren sie über ihr Anliegen und versuchen weitere Interessierte zu finden. Kein leichtes Unterfangen: „Hierfür benötigte Adressen oder Kontaktdaten haben wir mit dem Verweis auf den Datenschutz nicht bekommen“, sagt Buchwieser. Trotzdem gelang es ihm und seinen Mitstreitern, sechs weitere Eltern zu gewinnen. Geht man von einer Klassenstärke von 24 bis 27 Kindern aus, „sind wir die Mehrheit“. Dass die angebotene Wahlmöglichkeit für sie nun wohl nicht greift, kann er nicht nachvollziehen.
Um die verfahrene Situation zu retten, haben die Eltern auch das Gespräch mit Zweiter Bürgermeisterin Claudia Zolk (CSB) gesucht, in deren Zuständigkeitsbereich Schulen und Kindergärten fallen. Einfluss auf Schmidts Entscheidungen kann sie nicht nehmen. „Wir sind nur der Schulaufwandsträger“, erklärt Zolk. Klar ist für sie, dass „es schön wäre, die kleine Schule zu bespielen, solange wir sie noch haben“. Bekanntlich stehen an der Bürgermeister-Schütte-Schule große Baumaßnahmen an. In diesem Herbst wird am sogenannten „Affenkäfig“ an der Münchner Straße die Baugrube für den neuen Grundschultrakt ausgehoben. Zwei bis zweieinhalb Jahre setzt Zolk für das gesamte Vorhaben an, das auch die Sanierung des bestehenden Gebäudes inklusive Hort- und Krippenbereich beinhaltet. Ist das geschafft, endet der Schulbetrieb an der Prof.-Carl-Reiser-Straße.
Kinder und Eltern schätzen die gute Gemeinschaft
Bis es so weit ist, hoffen die Zweit- bis Viertklässler, die sicher ab kommendem Schuljahr dort unterrichtet werden, dass sie wieder Verstärkung durch ABC-Schützen bekommen. Den Eltern der aktuellen 2c zufolge würde sich eine Entscheidung dagegen negativ auf ihre Kinder auswirken. In einem Schreiben an die Rektorin weisen sie insbesondere auf soziale Aspekte hin – die Mädchen und Buben kennen sich klassenübergreifend, unterstützen sich und sind befreundet – und auf die Sorge, dass irgendwann nur mehr eine Klasse dort zu finden ist. „Wir alle schätzen das kleine Schulhaus und die Gemeinschaft, die dort herrscht, sehr und möchten beides bis zur Fertigstellung des Neubaus erhalten.“
Die Bauphase beschäftigt auch die Eltern, die ihre Kinder an der Prof.-Carl-Reiser-Straße einschulen wollen. „Es ist doch absehbar, dass dem Haupthaus nunmehr über einen Zeitraum von mehreren Jahren Baumaßnahmen beschert sind“, sagt Buchwieser. Damit einhergehen Lärm, Schmutz und andere Belästigungen. Das könnte man zumindest den Kindern ersparen, die die kleine Schule besuchen dürfen
Beide Seiten, die Eltern und auch Rektorin Schmidt bringen Verständnis für die jeweiligen Argumente auf. Das gilt auch für Schulamtsdirektor Markus Köpf, der von den Eltern eingeschaltet wurde. „Wir nehmen die Anliegen der Eltern sehr ernst“, betont er. In dem speziellen Fall sieht er allerdings keine Möglichkeit, deren Wünschen zu entsprechen. „Die schulfachlichen Argumente sind die relevantesten.“ Entscheidend für ihn, dass die betroffenen Eltern dafür Verständnis aufbringen und Schmidts Entscheidung akzeptieren. Vor allem um den künftigen Erstklässlern einen guten, unbeschwerten Start zu ermöglichen. Deshalb findet ein Treffen mit den Eltern der 17 Kinder, Schmidt und ihm statt. „Ich will ihnen dann auch den Grundschultrakt zeigen“, kündigt die Rektorin an. Und vor allem deutlich machen, dass es an der Hindenburgstraße „doch nicht so schlecht ist“. Entscheidend für Buchwieser und seine Mitstreiter ist bei allem „das Wohl der Kinder, das sollte hier im Vordergrund stehen – bei sämtlichen Beteiligten“.