Mit der Insolvenz der Euroboden-Gruppe wurde der Bau 24 exklusiver Reihenhäuser am Berger Ortsrand im September gestoppt. Nun finalisiert ein Ulmer Unternehmen das Luxus-Konzept.
Berg – An der Schatzlgasse 34 in Berg drohen nun doch keine jahrelangen Bauruinen, scheint es. Die teilweise weit fortgeschrittenen 24 exklusiven Reihenhäuser mit luxuriösen Gemeinschaftsflächen sollen im ersten Quartal dieses Jahres weitergebaut und dann spätestens ein Jahr darauf, also im Frühjahr 2025, fertiggestellt werden. Hintergrund: Dem Münchner Insolvenzverwalter Axel Bierbach ist es gelungen, den bisherigen Bauherrn, die zahlungsunfähige Euroboden Berg am Starnberger See GmbH, an einen neuen Investor zu verkaufen: die Pro-Invest-Gruppe, ein inhabergeführtes Familienunternehmen aus Ulm. Darüber informierten am Montag sowohl Bierbachs Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen als auch Pro-Invest in Pressemitteilungen.
Die Euroboden Berg am Starnberger See GmbH hatte infolge der Insolvenz der Muttergesellschaft im September 2023 Insolvenz anmelden müssen. Es folgte der Baustopp des Prestigeprojekts, die Baustelle wurde gesperrt, die Handwerker ließen alles stehen und liegen. Insolvenzverwalter Bierbach erklärt: „Besonders wichtig war mir, dass das Objekt keinen Schaden nimmt und der Käufer, der bereits ein Objekt aus dem entstehenden Ensemble erworben hat, keinen Verlust erleidet.“ Die beteiligten Unternehmen hätten nun „zumindest die Chance, weiter an dem Projekt zu arbeiten“. Den Kaufvertrag unterzeichnete Pro-Invest nach eigenen Angaben am 20. Dezember, die Gläubiger hätten ihm dann am 15. Januar einmütig zugestimmt. Das Ulmer Unternehmen will die 24 sogenannten Galeriehäuser „im Sinne des exklusiven Konzepts fertigstellen“.
Firmen aus der Region warten noch auf ihr Geld
Derzeit befinden sich die Gebäude des Wohnensembles in Top-Lage am südlichen Berger Ortsrand in unterschiedlichen Baustadien – vom Rohbau mit Dach und Fenstern bis zu weit fortgeschrittenem Innen- und Trockenausbau. Ein Musterhaus ist bereits fertig und auch möbliert. Die 24 Reihenhäuser sind auf auf vier Gebäude aufgeteilt, mit Wohnflächen zwischen 130 und 165 Quadratmetern versehen und werden mit je drei bis fünf Zimmern auf drei Ebenen ausgestattet. Die Objekte sollen allesamt einzeln verkauft werden. Nikolai Staiger, einer der Pro-Invest-Geschäftsführer, sagt mit Verweis auf Vorgänger Euroboden: „Es steckt enorm viel Energie in der Entwicklung für einen exklusiven Lifestyle am See. Unsere Intention ist es, den Geist der Urkonzeption weiter fortzuführen und nicht abschließend definierte Konzeptbausteine auf den Prüfstand zu stellen.“ Dies gelte besonders für die sieben von Euroboden als Gemeinschaftsflächen geplanten „Add-ons“: Fitnessraum, Sauna mit Ruheraum, Gästesuite, Kino, Fahrradwerkstatt, Bibliothek und „das hauseigene Holz-Elektroboot der Simmerdinger Werft mit Steg und Liegeplatz“. Staiger sagt auf Nachfrage, man müsse schauen, was davon wie umsetzbar ist. Grundsätzlich solle aber an den Add-ons festgehalten werden.
Knapp 30 Baufirmen aus der Region waren an der Schatzlgasse 34 involviert. Unter anderem der Starnberger Baggerbetrieb von Anton Sedlmaier, der die Erd- und Tiefbauarbeiten übernahm. „Von uns liegt noch Kies auf der Baustelle, der nicht verarbeitet und von Euroboden nicht bezahlt wurde“, sagt Sedlmaier auf Nachfrage. Seine Verluste hielten sich in Grenzen, aber er verweist auf andere Handwerker, die es schlimmer getroffen habe. Pro-Invest-Geschäftsführer Staiger sagt: „So hart es klingt: Das haben Insolvenzen so an sich.“ Sein Unternehmen habe alle bisher beteiligten Firmen kontaktiert. „Die Resonanz ist positiv. Nahezu alle Handwerker wollen weitermachen.“ Ob dann auch alle wieder beauftragt werden, das sei allerdings noch nicht entschieden.
Bürgermeister Steigenberger „froh, dass es weitergeht“
Bergs Bürgermeister Rupert Steigenberger, von Anfang an kein Fan des Projekts, sagt zur neuen Entwicklung: „Ich bin froh, dass es weitergeht und hoffe, dass das Projekt nun zu Ende gebracht wird.“ Er hoffe zudem, dass trotz der Exklusivität auch Familien auf dem 6200 Quadratmeter großen Areal eine Bleibe finden – „und dass es vielleicht noch ein bisschen günstiger wird“. Euroboden wollte 1,5 bis zwei Millionen Euro je Reihenhaus.