Unter dem neuen Jahresmotto „Fraunberg stellt sich den Herausforderungen“ hat Bürgermeister Hans Wiesmaier im Gasthaus Stulberger rund 100 Zuhörer zur ersten von insgesamt drei Bürgerversammlungen begrüßt. „Ich bin begeistert über unser zahlreiches Miteinander“, lobte der Rathauschef das Engagement der Gäste, die sich aus erster Hand über die wichtigsten Projekte und die Lage der Gemeinde informieren lassen wollten.
Fraunberg – „Unsere Aufgaben werden immer zahlreicher, mit der Verwaltungsmannschaft können wir derzeit gerade noch schaffen, was täglich anfällt, wir wollen aber unsere Kleinheit auf jeden Fall erhalten“, erklärte Wiesmaier. Besonders im Hinblick auf die zur Verfügung stehenden Finanzmittel habe die Gemeinde eine große Aufgabe zu bewältigen: „Wir müssen mit weniger Geld als noch im Vorjahr (siehe Kasten) unsere Zukunft entwickeln, ohne Kreditaufnahmen wird das ein echter Klimmzug.“ Trotz Ausschöpfung aller möglichen Fördermittel seien besonders Schule und Kinderhaus nach wie vor defizitäre Einrichtungen, „für unser Zusammenleben aber unverzichtbar“.
Gewerbe: Anhebung der Hebesätze?
Heuer könnten, ohne Berücksichtigung von Zuschüssen, noch 250 000 Euro dem Vermögenshaushalt zugeführt werden, „effektiv aber haben wir nur rund 45 000 Euro übrig“. Zum Glück seien die Einnahmen aus der Gewerbesteuer sehr erfreulich, trotzdem müsse die Gemeinde wohl über steigende Hebesätze nachdenken. Ein stetig wachsender Brocken sei vor allem die Kreisumlage in Höhe von mittlerweile 2,5 Millionen Euro, „die in zehn Jahren um 700 000 Euro angewachsen ist“.
Kinderhaus bleibt ein dicker Brocken
Mit 1,3 Millionen Euro sei die Erweiterung des Kinderhauses die größte Investition 2023 gewesen. Doch das bedeute noch nicht das Ende: Der ehemalige Verwaltungstrakt dort müsse erneuert werden, ältere Teile des Kinderhauses bräuchten eine energetische Sanierung, das ehemalige Areal des Lehrer-Wohnhauses solle zeitnah bebaut werden.
Neun Millionen Euro fließen ins Abwasser
Sogar rund neun Millionen Euro kostet der Bau einer Verbindungsleitung von der Kläranlage zum Abwasserzweckverband Erdinger Moos (AZV) in Eitting, ein Projekt, dessen Start nun ansteht. „Wir haben im Gemeinderat lange abgewogen, was für uns auf lange Sicht die beste Lösung sein könnte, und haben uns für diesen Anschluss entschieden. Eine eigene neue Anlage hätten wir uns finanziell nicht leisten können, auch wegen möglicher Folge- und Sanierungskosten.“ Der Bürgermeister zeigte der Versammlung auf, wie dieser Verbindungskanal hauptsächlich entlang bestehender Wege und Straßen verlaufe, um nicht zu viel Privatgrund zu tangieren. Was die Kostendeckung angeht, denkt die Gemeinde an eine Mischkalkulation aus Abwassergebühren pro Haushalt und jährlichen Beiträgen.
PV, Windkraftund Wärmeplanung
Zwar sei Fraunberg, was die Stromförderung angeht, autark und liege stets über dem Eigenbedarf. Doch komme man trotzdem wohl kaum um den Bau staatlich geforderter Anlagen für Windkraft und Photovoltaik herum. Was Letzteres betrifft, hat die Verwaltung schon Leitlinien erarbeitet, die demnächst verabschiedet werden. In Bezug auf Windkraftanlagen seien momentan zwei mögliche Cluster ausgewiesen, eine der so genannten Potenzialflächen liege im Köhlholz zwischen Kemoding und Eschlbach (Gemeinde Bockhorn). „Wir sollten immer daran denken, dass Investoren privilegiert und zum eigenen Gewinn Windräder bei uns aufstellen können, wenn wir uns bis 2027 nicht auch als Gemeinde für mögliche Flächen entschieden haben“, warnte Wiesmaier.
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Schwierig sei es außerdem, für eine Gemeinde mit immerhin 42 Ortsteilen, eine Wärmeplanung aufzulegen, wie von der Regierung gewünscht. „Wir haben aber bereits Kontakte zu den Stadtwerken Erding und Dorfen aufgenommen.“
Kein Geld für Breitbandausbau
Ein kaum zu bewältigendes Thema für alle sieht der Bürgermeister in der Breitband-Förderung. Einige wenige könnten sich bald an einer Leitung, die ins Holzland führt, beteiligen, für den Ausbau in der Gesamtgemeinde wäre aber mindestens rund eine Million Euro nötig – „dieses Geld aber haben wir nicht“.
In der anschließenden Bürgerrunde wurde eine mögliche Einstellung des Gemeindeblatts in Papierform andiskutiert oder eine nur 14-tägige Ausgabe. Derzeit wird es noch in einer Auflage von 1400 Exemplaren verteilt, kostet die Gemeinde rund 44 000 Euro im Jahr.
Monatelange Sperrung
Die angeblich unzureichende Säuberung der Strogen, für die das Wasserwirtschaftsamt zuständig sei, wurde von zwei Anliegern moniert. Für Notfälle bietet die Gemeinde am 11. Mai eine kostenlose Sandsack-Aktion als Hochwasserschutz-Maßnahme an. Schließlich, so gab Wiesmaier bekannt, muss die Staatsstraße zwischen Fraunberg und Riding bald wegen größerer Bauarbeiten komplett gesperrt werden – „wahrscheinlich für drei bis sechs Monate“.