Eingeständnis an Merz-Regierung? Deutschlands größte Gewerkschaft will keine Vier-Tage-Woche mehr

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Die kritische Wirtschaftslage hinterlässt Spuren bei Betrieben. Die IG Metall nimmt deshalb zur Überraschung vieler eine wichtige Forderung von der Liste.

Berlin – Weniger arbeiten bei gleichem Lohn – kann das gut gehen? Die Vier-Tage-Woche gilt als ein umstrittenes Arbeitsmodell. Lange stand sie auf der Forderungsliste der größten deutschen Gewerkschaft, doch die IG Metall rückt nun davon ab. „Eine Vier-Tage-Woche mit vollem Lohnausgleich steht aktuell nicht auf der gewerkschaftlichen Forderungsliste“, sagte die Gewerkschaftsvorsitzende Christiane Benner der Bild-Zeitung. Das mache sie aber nicht weniger sinnvoll. 

Diskussion um Vier-Tage-Woche – Gewerkschaft IG Metall rückt von Forderung ab

Mit Blick auf die angespannte wirtschaftliche Situation in vielen Betrieben betonte Benner, es seien die Arbeitgeber, die derzeit die Arbeitszeit verkürzten – auf Kosten der Beschäftigten. Benner forderte die neue Bundesregierung zu mehr Investitionen in den Wirtschaftsstandort Deutschland und zu Entlastungen der Beschäftigten auf. Es brauche „schnell Investitionen von der Politik, Entlastung der Bürger und Standorttreue von den Unternehmen. Wie wir das zügig hinkriegen, muss im Mittelpunkt der Debatte stehen“, sagte die Gewerkschaftschefin.

Arbeitszeit
38 Prozent der Arbeitnehmer befürworten Pläne der Bundesregierung, eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit einzuführen. (Symbolbild) © Sina Schuldt/dpa

Die IG Metall hatte zuletzt immer wieder betont, die Unternehmen müssten die Verantwortung für zukunftsfeste Geschäftsmodelle, Investitionen und sichere Arbeitsplätze übernehmen. „Wir sehen den Ernst der Lage. Aber wir sehen auch, dass in zahlreichen Unternehmen Zukunftsstrategien fehlen und notwendige Investitionen nicht getätigt werden“, hatte Benner moniert.

Nur vier Tage in der Woche arbeiten? Umstrittene Forderung in der Kritik

Bei einer flächendeckenden Einführung der Vier-Tage-Woche mit vollem Lohnausgleich sehen Unternehmen negative Effekte für die deutsche Wirtschaft. Bei einer Umfrage hätten 94 Prozent der befragten 823 Unternehmen gesagt, dass sie dadurch Wertschöpfung verlieren würden, wie das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im März in Köln mitgeteilt hatte. Zudem befürchteten knapp 70 Prozent, dass Arbeit liegen bleibe und Deutschland international den Anschluss verliere. 

In Deutschland arbeiten mit 79 Prozent die meisten Arbeitnehmer in Deutschland an fünf Tagen in der Woche. Das berichtet das Institut der Deutschen Wirtschaft und beruht sich auf Zahlen aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) von 2020. Die Viertagewoche war demnach nur für 7 Prozent der Arbeitnehmer das geltende Arbeitszeitmodell. Auch bei Teilzeitbeschäftigten dominiert die Fünftagewoche.

Verschiedene Arbeitsmodelle – Merz sorgt mit Vorstoß für Aufruhr

Bei den Diskussionen über verschiedene Arbeitsmodelle rückt auch die Abschaffung des Acht-Stunden-Tags in den Vordergrund. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will dadurch die Menschen mehr zum Arbeiten motivieren Laut Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD soll eine wöchentliche Höchstarbeitszeit den Acht-Stunden-Tag ablösen

Aktuell gilt in Deutschland eine tägliche Arbeitszeit von maximal acht Stunden. In Ausnahmefällen dürfen Arbeitnehmende auch mal zehn Stunden am Stück arbeiten, wenn sie im Schnitt innerhalb von 24 Wochen nicht mehr als acht Stunden gearbeitet haben (die Überstunden müssen also ausgeglichen werden). (bohy mit Material der dpa)

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