„Dreiviertelblut“ eröffnete am Freitag den Musiksommer am Walchenseekraftwerk. Die Veranstaltung war ausverkauft, das Publikum begeistert.
Kochel am See – Vor der Kulisse des Herzogstands bietet die Reihe Musiksommer am Walchenseekraftwerk nun schon seit 2021 alljährlich im Sommer Open-Air-Konzerte, die dank ihres besonderen, unverwechselbaren Flairs zu echten Besucher-Magneten geworden sind. Die diesjährige Reihe eröffnete am Freitagabend die Band „Dreiviertelblut“.
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Dichte, packende Atmosphäre
„Prost Ewigkeit“ heißt das Programm, mit dem Sebastian Horn (Gesang), Gerd Baumann (Gitarre, Gesang), Dominik Glöbl (Flügelhorn, Trompete, Gesang), Flurin Mück (Schlagzeug), Luke Cyrus Goetze (Gitarre, Lapsteel, Dobro), Benny Schäfer (Kontrabass) und Florian Riedl (Klarinette, Bassklarinette, Moog) die Bühne am Kochelsee rockten. Wummernde Bässe und geheimnisvoll wabernde Töne schufen bei der ersten Nummer sofort eine dichte, packende Atmosphäre. Die der Einsatz des Sängers noch verdichtete: „Die Sunn geht auf!“
In den hinteren Reihen wird getanzt
Ein instrumentales Intermezzo wechselte darauf zum stimmigen Volksmusik-Sound, ein aparter Kontrast, ehe es zur sphärischen Eingangsmusik zurückging. Über deren letzten Akkorden begrüßte Horn bestens aufgelegt das Publikum, schon setzte die nächste Nummer ein, mit fetzigem, peitschenden Rhythmus, der die auf den Stühlen Sitzenden klatschen und die hinter den Reihen Stehenden ausgelassen tanzen ließ. Während des instrumentalen Zwischenspiels fegte auch Horn wild tanzend über die Bühne. Stimmung oben wie unten also bestens, während aus den dunklen Wolken erste kleine Tröpfchen fielen.
Für die Band ist das „ein echtes Herzenskonzert“
Wie es mittlerweile bei solchen Konzertformaten üblich ist, leitete auch Frontmann Horn mit Erzählungen persönlicher Erlebnisse von einer Nummer zur nächsten über. Als Erstes pries er natürlich die Location am Kochelsee: „So schee, dass mia heit do spuin!“ Das sei ein echtes „Herzenskonzert“. Doch das Ranwanzen ans Publikum hätte es gar nicht gebraucht. Das war auch bei der nächsten Nummer „Wos übrig bleibt“ sofort in der Spur und wiederholte jede Zeile, die Horn vorsang, bereitwillig. Am Ende verstummte die Band – und die Zuschauer sangen ganz alleine. Klappte ganz ohne Probe! Einen „alten bayerischen Liebeszauber“ beschwöre die nächste Nummer, erklärte Horn und stimmte „Palmkatzerl“ an. Hier gab sich die Musik verhalten-geheimnisvoll, entfaltete einen ganz sanften Schwung.
Rasch aufgebaute Überdachung schützt Publikum vor dem Regen
Von der ersten Platte stammte der folgende Song. Seine damals vierjährigen Zwillinge hätten ihn dazu angeregt. Der Bub war krank, seine Schwester tröstete ihn: „Wenn du jetzt stirbst, bist du wieder ganz gesund!“ Darauf sang Horn: „Heit magst no woana, heit werst nimmer froh“, bedächtig, wehmütig. „Heit muasst du sterb’n, heit is vorbei“ fuhr Horn fort. Das sei das einzige Lied, bei dem der Himmel weinen dürfe. „Aber dann is a guad!“ Das schien Petrus anders zu sehen. Aus dem leichten Tröpfeln wurden dickere Tropfen. Veranstalterin Sabine Pfister baute mit ein paar Helfern rasch eine Überdachung hinter der letzten Stuhlreihe auf. Der Stimmung tat das keinen Abbruch. Willig ließ sich das Publikum in wechselnde musikalische Welten entführen, ging auf die wilden, übermütigen wie die leisen, wehmütigen Emotionen ein, überall im Takt nickende Köpfe. Die Musik von „Dreiviertelblut“ packt einen unweigerlich. Und die Atmosphäre am Walchenseekraftwerk tut ihren Zauber dazu.