Das Schicksal von Benedikt Apostoli, der bei einem Autorennen ums Leben kam, hat den Landkreis erschüttert. Jetzt erscheint eine ARD-Dokumentation.
Gauting – Dass auf der A 95 Autorennen stattfinden, weiß fast jeder. Aber eines mit tödlichem Ausgang? Und noch dazu mit einem Toten aus dem Landkreis? Als am 1. September 2019 die Nachricht die Runde machte, dass der junge Benedikt Apostoli (23) aus Gauting bei Oberdill mit mehr als 300 Stundenkilometern gegen einen Baum geprallt und sein Leben verloren hatte, herrschte in seiner Heimatgemeinde Schockstarre. Lange hieß es, er selbst wäre der Fahrer gewesen. Erst nach dreieinhalb Jahren stellte das Amtsgericht München, gestützt auf ein Gutachten, fest: Benedikt war nur der Beifahrer. Der wirkliche Unglücksfahrer des Audi R8, Alexander K., wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.
Über das tödliche Rennen, die Trauer der Familie und die juristische Aufarbeitung wird am Dienstag, 5. Dezember, die Dokumentation mit dem Titel „Tödlicher PS-Kick“ in der ARD-Mediathek hochgeladen. Sie dauert dreimal 30 Minuten. Produziert wurde sie von der Münchner Firma „Bewegte Zeiten“ (Produzent Stephan Rebelein, Produktion Bettina Zettler). Regisseur Carsten Frank hat schon einige Kriminalfälle gedreht, darunter „Schatten des Verbrechens“ über das OEZ-Attentat. Dabei versucht er stets, nicht die Perspektive des Täters, sondern der Opfer einzunehmen. Der Fall Apostoli hat den Münchner volle zwei Jahre intensiv beschäftigt. „Natürlich muss man professionelle Distanz wahren, aber ein solcher Fall geht unter die Haut.“
Von den Stunden vor dem Unfall und vom Unfall selbst hat der Münchner bewegte Bilder aufgetrieben, die in der Dokumentation auch zu sehen sein werden. Das ganze Wochenende waren Ben und Alexander mit einem geliehenen PS-Boliden über die Straßen des Oberlands geheizt, mal der eine, mal der andere am Steuer. Dabei begingen sie sage und schreibe 149 Geschwindigkeitsüberschreitungen. Bilder auf dem Handy von Ben, das beim Unfall auf die Straße katapultiert wurde, zeigen, wie sie posen, sich anspornen, Gas geben. Mit dabei: Fahrer eines Bentleys, die dann aber, kurz vor der finalen Todesfahrt, Richtung München abdrehten. Das Handy überließ Bens Bruder Raphael dem Regisseur. „Das war ein großer Vertrauensbeweis, für den ich sehr dankbar bin“, so Frank.
Die Bilder des Unfalls selbst stammen von der Dashcam einer Frau aus dem Allgäu. Sie war in der Nacht auf den 1. September mit ihrer Familie auf dem Heimweg aus dem Urlaub, als der Bolide auf der A 95 lautstark an ihrem Wagen vorbeischoss. „In so einem Moment schaltet sich die Dashcam automatisch ein“, erzählt der Regisseur. „Deswegen sieht man sehr bald auch einen Feuerball und kurz darauf, wie die Ersthelfer auf der A 95 hin und herlaufen.“ Dass diese Aufnahmen überhaupt existieren, erfuhr der Regisseur vom Ehemann der Zeugin am Rande der Verhandlung in München. Nachdem die Staatsanwaltschaft die Bilder freigegeben hatte, konnte Frank sie für die Dokumentation verwenden.
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Eine wichtige Rolle spielt freilich die Familie Apostoli, die das Restaurant Krapf in Gauting betreibt. Nicht jeder wollte vor die Kamera, aus verständlichen Gründen. Der Situation stellten sich Philipp, der in München als Bierbrauer arbeitet, und Raphael, der beim Prozess als Nebenkläger auftrat. In Film gibt es eine Szene, in der Raphael an der Unglücksstelle Blumen für seinen verstorbenen Bruder niederlegt. „Bis dahin hatte er die Stelle immer gemieden“, erzählt der Regisseur. Sogar, wenn er dienstlich unterwegs war, habe er seinen Vorgesetzten darum gebeten, einen anderen Weg nehmen zu dürfen als den über die Garmischer Autobahn.
Wichtig für die Wahrheitsfindung waren vor allem die Unfallgutachter Michael Huhmann und Heinrich Sattel. Ihnen gelang es nach langen Ermittlungen zu beweisen, dass der Unglücksfahrer nicht Ben gewesen sein konnte. Ausschlaggebend für ihre Erkenntnisse waren vor allem die GPS-Daten. Diese wollte das amerikanische Unternehmen ursprünglich mit Verweis auf den Datenschutz nicht preisgeben. Erst, als die Staatsanwaltschaft drohte, den CEO der Firma nach Deutschland vorzuladen, kam Bewegung in die Sache. „Er spielt in unserer Doku eine wichtige Rolle, er erklärt den Hergang des Unglücks“, so Frank. Außerdem kommen der Anwalt von Raphael Apostoli, Klaus Höchstetter, sowie der Fotograf Jürgen Römmler zu Wort.
Am 12. Dezember um 22.50 Uhr wird in der ARD eine 45-minütige Anschluss-Dokumentation mit dem Titel „Mit Vollgas in den Tod“ ausgestrahlt, ebenfalls von „Bewegte Zeiten“ produziert. „Da haben wir vieles von dem verarbeitet, was über den konkreten Fall hinausging“, so Frank. Dabei geht es ganz allgemein um illegale Autorennen und Raserei auf deutschen Autobahnen. Was kann man tun, damit sich solche Tragödien wie die vom 1. September 2019 bei Oberdill nicht wiederholen? Eine einfache Antwort auf diese Frage wird es kaum geben.
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