Jeden Tag erfahren weltweit viele Frauen Gewalt. Auch im Tölzer Land ist das Problem präsent. Anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen gibt es eine Kampagne mit Damenschuhen, die symbolisch als Mahnmal für die Opfer von Femiziden stehen.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Es ist eine unbequeme Wahrheit, vor der man die Augen nicht verschließen darf. Auch in Deutschland, auch in Bayern, auch im Landkreis werden Frauen Opfer von Gewalt, im häuslichen Kontext, am Arbeitsplatz oder an öffentlichen Plätzen. Am Samstag ist der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Dazu finden im Landkreis Aktionen statt, um auf das Thema aufmerksam zu machen.
Installationen sollen Aufmerksamkeit und Neugierde wecken
Bei einem Pressetermin vor dem Tölzer Landratsamt erklärte die Gleichstellungsbeauftragte Felicitas Wolf mit einem Team engagierter Frauen aus verschiedenen Vereinen, wie sie Menschen vor Ort dazu bewegen wollen, bei dem Thema nicht wegzusehen und auch die diversen Angebote und Stellen für Betroffene bekannter zu machen. Am ZOB-Bahnhof in Bad Tölz, vor dem Landratsamt und auch in Wolfratshausen und Geretsried gibt es an diesem Wochenende Installationen mit orangefarbenen und schwarzen Damenschuhen. „Jedes Paar Schuhe steht für eine ermordete Frau“, sagt Wolf.
80 Prozent aller Opfer häuslicher Gewalt sind Frauen
Denn: In Deutschland erleiden jede Stunde durchschnittlich 13 Frauen Gewalt in der Partnerschaft. Fast jeden dritten Tag stirbt eine Frau in Deutschland – ermordet von ihrem Partner oder Ex-Partner, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte. Genaue Zahlen für den Landkreis hatten die Frauen vom Soroptimist-Club, vom Verein „Frauen helfen Frauen“, dem Weißen Ring und Co. zwar nicht parat, aber eins sei klar: „Auch in Bad Tölz-Wolfratshausen gibt es immer mehr Fälle, die Tendenz ist steigend“, betont Helgard van Hüllen vom Weißen Ring. Dabei müsse allerdings auch beachtet werden, dass immer mehr Fälle aus dem Dunkel- ins Hellfeld rücken. „Die Frauen trauen sich, sich zu wehren und sich Hilfe zu holen“, sagt Wolfs Stellvertreterin Anamarija Brcic. „Das ist schon mal ein sehr positiver Trend.“ Da man davon ausgeht, dass die Dunkelziffer der Fälle immer schon hoch war und auch weiterhin ist, lasse sich eine Entwicklung der Fallzahlen nicht ganz klar deuten.
Jedes Paar Schuhe steht für eine getötete Frau
Dennoch müsse man weiter auf die Problematik aufmerksam machen. „Es geht darum, so vielen Menschen wie möglich die Augen zu öffnen, zu Zivilcourage zu animieren und genau hinzusehen, denn Gewalt gegen Frauen kann einem überall begegnen.“ Zwar spiele sich das meiste im häuslichen Umfeld ab, aber es passiere auch oft in der Öffentlichkeit, unterstreicht Wolf. 80 Prozent aller Betroffenen häuslicher Gewalt seien Frauen, erklärt van Hüllen. „Was nicht bedeutet, dass bei uns nicht auch Männer anrufen. Das ist auch in diesem Jahre hin und wieder vorgekommen.“
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Informationen können per QR-Code eingesehen werden
Die Schuh-Installationen, die aus Anlass der „Orange Days“ (Aktionswoche gegen geschlechterspezifische Gewalt) in der Farbe Orange gehalten sind, sind an eine Installation der mexikanischen Künstlerin Elina Chauvet angelehnt, die den Missbrauch von Frauen und den Femizid – also die Tötung von Mädchen und Frauen aufgrund ihres Geschlechts – anprangert. Weitere Informationen zu den Installationen im Landkreis sowie eine Auflistung der wichtigsten Stellen für Betroffene kann man über einen QR-Code, der neben den Schuhen aufgestellt ist, erfahren. „Das ist bewusst so gemacht, damit die Leute neugierig werden und genauer nachlesen“, erklärt Brcic.
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