Die vorgesehene Veränderung der Grafstraße in Berg sorgt für Diskussionen. Die am meisten betroffene Anliegerin fürchtet um ihren Apfelbaum und Haselstrauch, der Gemeinderat will vermeiden, dass die geplante Mauer optisch negativ auffällt.
Berg – Eigentlich geht es nur um eine kaputte Mauer, die ersetzt und im Zuge dessen auch versetzt werden soll, damit Fußgänger mehr Platz auf der Grafstraße in Berg haben. Weil aber die Mauer alt ist und die Grafstraße ins Herz von Berg, zum Maibaum, führt, kommen bei Diskussionen um dieses Vorhaben immer wieder Emotionen hervor – vor allem bei Cornelia Pidde.
Die Bergerin wohnt seit rund 15 Jahren in dem Haus Grafstraße 18, einem Bauernhaus aus dem 16. Jahrhundert, an das die baufällige Mauer angrenzt. Sie befürchtet, dass der Apfelbaum, den ihr Vater gepflanzt hat, und der Ringelhaselstrauch ihrer Großmutter die Baumaßnahme nicht überleben. „Meine Oma hat das Haus 1945 gekauft, für 5000 Reichsmark“, erzählt Cornelia Pidde. Von damals hat sie noch eine handgeschriebene Brandversicherung. „Die hebe ich auf“, sagt sie im Gespräch mit dem Starnberger Merkur.
Ebenso hängt sie an dem Apfelbaum und dem Haselstrauch der Familie. Unklar ist, ob die Gewächse die Arbeiten, so wie sie jetzt geplant sind, überleben können. Aus Sorge um Baum und Strauch meldete sich Pidde jüngst auch in der Bürgerversammlung zu Wort.
Rein rechtlich ist alles klar. Die Gemeinde agiert auf ihrem eigenen Grund, den sie 1980 von den Eigentümern der Grafstraße 16 und 18 erworben hat. Eine Esche, die auf der Mauer gewachsen ist, wurde Ende Februar bereits gefällt. Auch eine Hecke und Gebüsch wurden entfernt, wie Anja Biethahn vom Bauamt der Gemeinde sagt. Die Mauer soll in diesem Jahr entfernt und ein Stück weiter südlich neu errichtet werden. „Der Apfelbaum würde knapp hinter der neuen Mauer im Böschungsbereich stehen“, sagt sie. „Der Stamm ist auf Privatgrund, aber die Wurzeln ragen in den Gemeindegrund.“ Ähnlich verhalte es sich mit dem Haselstrauch.
Das Rathaus hat Pidde vorgeschlagen, einen unabhängigen Gärtner zu fragen, ob der Baum versetzt und anschließend wieder in den Vorgarten gepflanzt werden könnte. Cornelia Pidde würde sich eine andere Lösung wünschen – sie hängt an ihrem Apfelbaum und an ihrem Ringelhaselstrauch. Und sie möchte einen Ersatz für die schon abgetragene Hecke, die ihr als Sichtschutz diente. Anja Biethahn versicherte, dass man den Garten wieder herstellen und auch die Kosten für die Versetzung des Baums tragen würde.
Bleibt die Frage, wie die Mauer aussehen wird
Bleibt die Frage, wie die Mauer aussehen wird. Das hat weite Teile des Berger Gemeinderats schon bewegt, als die Baupläne im Dezember im Gemeinderat vorgestellt wurden. In der jüngsten Sitzung ging es wieder um die Optik der etwa 1,60 Meter hohen Mauer. Auf die Frage aus dem Gremium, ob statt des Werkstoffs Beton etwas anderes ginge, antwortete Bürgermeister Rupert Steigenberger: „Wenn wir nicht in Beton bauen, dann brauchen wir für die Mauer Rückverankerungen.“ Das funktioniere aber nur auf den Nachbargrundstücken und dafür gebe es keine Erlaubnis, machte er deutlich. Möglich sei, statt einer glatten Mauer die Oberfläche mit einer Holzmaserung zu versehen, oder sie im Nachgang mit einem Meißel anzurauen, sagte Steigenberger, nachdem klar war, dass die Holzoptik in Beton auf wenig Gegenliebe stieß.
Harald Kalinke (QUH) schlug vor, die Mauer, wie oft in Italien zu sehen, mit Naturstein zu verblenden. Das scheitere am Frost, sagte Steigenberger. Und die Mauer zu verputzen, ginge auf Kosten der Gehwegbreite. Nun sollen die Kosten dafür ermittelt werden und Steigenberger will nochmals darüber im Gemeinderat reden, „bevor alle unzufrieden sind“. Kämmerer Florian Bendele sagte: „Letztlich ist es nur eine Mauer.“ Es werde sich sicher ein Kindergarten finden, der sie bemale. Das sah Heinz Rothenfußer (Grüne) anders: „Das ist die einzige Straße, die noch Ortscharakter hat.“
Mit dem Mauerbau heuer soll der Gehweg zunächst provisorisch von einem knappen Meter auf 2,20 Meter verbreitert werden. Die große Baustelle kommt nächstes Jahr, wenn die Straße saniert wird und im Zuge dessen Niederschlagswasser- und Wasserleitungen verlegt werden.