Das leere Kreuz

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Seit einem Jahr verschwunden: die Christusfigur im Marterl an der Drößlinger Straße in Oberalting. © Andrea Gräpel

Wegekreuz, Feldkreuz, Marterl – es gibt viele Bezeichnungen für die Kreuze, die sich am Wegesrand finden. Sie sind Ausdruck christlichen Glaubens, fallen aber auch immer wieder blinder Zerstörungswut zum Opfer. Meist sorgen die Stifter für Ersatz. In Oberalting ist der Stifter nicht bekannt: Seit einem Jahr fehlt die Christusfigur.

Erling/Oberalting - Wegkreuze sind ein Zeichen von Volksfrömmigkeit. An viele Kreuze knüpfen sich besondere Geschichten. Immer wieder kommt es vor, dass sie beschädigt werden. In Erling war im April eine Christus-Figur mutwillig zerstört worden. Das Kreuz konnte mithilfe vieler Spender nun wieder hergestellt werden. Das neue Marterl wurde im September von Abt Johannes Eckert gesegnet. Oben an der Drößlinger Straße in Oberalting gibt es auch ein Wegekreuz, von dem nur noch Dach und Verschalung stehen. Die Christusfigur wurde vor mehr als einem Jahr vermutlich gestohlen – und nicht ersetzt.

Marterl stehen an einer Wegkreuzung, einem Weg oder einer Straße, am Feldrand oder im Wald. Sie können aus Holz, Stein oder Metall bestehen. Häufig sind Flurkreuze als Kruzifixe, das heißt mit Darstellung des gekreuzigten Christus, gestaltet. Im Landkreis häufiger anzutreffen sind verschalte Marterl, so wie jenes der Familie Pfänder aus Erling, das seit 1991 an einer Feldwegkreuzung zwischen Erling und Frieding aufgestellt ist. Im April wurde die Figur zerstört. Wie es Brauch ist, wird das Kreuz von der Stifterfamilie betreut. Aktuell von Elisabeth Pfänder, die zweimal die Woche nach dem Rechten sieht und Blumen gießt. Ihr war der Schaden aufgefallen. Immer wieder findet sie auch Kerzen dort, was ihr beweist, dass Menschen am Kreuz innehalten. Nicht selten komme sie mit Wanderern ins Gespräch, die sich über das Kreuz freuten.

Oben an der Drößlinger Straße in Oberalting steht ebenfalls ein Wegekreuz mit Dach und seitlicher Verschalung. Die Christusfigur darin ist seit wenigstens einem Jahr verschwunden. Seefelder wie der Arzt Dr. Stefan Weller, wünschten sich, dass das Wegekreuz wieder hergestellt wird. Allerdings weiß niemand mehr, wer das Wegekreuz dort aufgestellt hat. Irgendwann ist es in den Besitz der Pfarrverwaltung übergegangen, gepflegt wird der Platz, an dem es steht, von der Gemeinde. Der damalige Bauhofleiter Ottmar Schreyegg hatte es zuletzt renoviert, er ist längst im Ruhestand, ist 81 Jahre alt.

Erneuert und gesegnet: Abt Johannes spendete für das erneuerte Wegekreuz in Erling den Segen.
Erneuert und gesegnet: Abt Johannes Eckert spendete für das erneuerte Wegekreuz in Erling den Segen. © privat

„Dieses Kreuz gab es schon immer“, sagt Franz Bauer. Der Kirchenverwalter übt dieses Amt seit zwei Jahren aus, ist aber im Landkreis zu Hause. Marterl gehörten leider nicht zum Inventar einer Kirche, bedauert er. „Natürlich sind wir am Erhalt interessiert, schließlich sind sie ein Ausdruck von Volksfrömmigkeit.“ Eine angemessene Beteiligung der Kirchenverwaltung an der Wiederherstellung sei deshalb denkbar, eigeninitiativ werde die Kirche dies aber nicht veranlassen.

In Erling hatte die Familie Pfänder Glück und fand Unterstützung, nachdem das Kreuz auf dem Feld nicht das erste Mal einer blinden Zerstörungswut zum Opfer gefallen war. „Es gab Geldspenden aus Erling und anderen Landkreisgemeinden“, freut sich Elisabeth Pfänder. Der Vater ihrer zukünftigen Schwiegertochter, aus Böbingen, hat geholfen, den Schaden wieder zu beheben. Es habe viele Helfer gegeben, die daran beteiligt waren, dass das Kreuz wieder zum Innehalten am Wegesrand einlädt. Marterl als Ausdruck christlichen Glaubens sind offensichtlich auch für Abt Johannes Eckert von Bedeutung, der das restaurierte Wegekreuz schließlich gesegnet hat.

Pfingsten vor zwei Jahren hatten Unbekannte ein Feldkreuz mit Jesusfigur in Hechendorf zerstört. Dort waren Kreuz und Figur vermutlich verbrannt worden. Auch die Hechendorfer Spenderfamilie war fassungslos. Es fand sich aber schnell Ersatz. Aktuell ist für Ersatz der an der Drößlinger Straße nichts in Planung. Vielleicht finden sich auch in diesem Fall Spender, damit das Kreuz bald wieder mit einer Christusfigur versehen ist und zum Innehalten einlädt. Vielleicht könnte auch bei der Gemeinde angefragt werden, schlägt Weller vor: „Es ist hier schließlich auch eine touristische Gegend.“

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