Dorfen - Eine Sitzbank in Dorfen ist mit Blick auf das Vorklärbecken ausgerichtet. Das wundert Fußgänger und schreit nach Aufklärung.
Dorfen – Wie aus der dreckigen Brühe in der Kanalisation wieder sauberes Wasser wird, ist ein wichtiges, wenn auch unappetitliches Thema, das sich aber durchaus lohnt, einmal näher zu betrachten. Vielleicht deshalb steht auch vor der städtischen Kläranlage in Dorfen eine Bank, die zum Verweilen einladen soll. Der Blick ist allerdings direkt auf das Vorklärbecken gerichtet: Hier werden die feinen organischen Stoffe aus dem Abwasser entfernt, Fäkalien oder Papier setzen sich ab oder schwimmen an der Oberfläche auf – viel schmuddeliger Schaum, der sich zäh im Klärwerk dreht.
Man ist live dabei, wenn in biologischen und chemischen Prozessen, die Fäkalien sozusagen zu Gold werden – schließlich ist Trinkwasser in vielen Regionen mittlerweile zu einem wertvollen Gut geworden.
Wer sich näher mit der Anlage beschäftigt, die 1974 gebaut wurde, weiß, dass die Kapazitäten des Dorfener Klärwerks längst nicht mehr ausreichen. Die Stadt wächst, also muss auch die Kläranlage größer werden. Die Planung für die Erweiterung läuft, und die Kosten steigen. Mittlerweile stehen 13,37 Millionen Euro an. Baubeginn soll in diesem Frühjahr sein.
Dann gibt es von dieser Position aus sogar noch mehr zu sehen, wenn schweres Baugerät den Weg entlang der Mehlmühle fährt und hier gewerkelt wird.
Würde man die Bank um 180 Grad drehen, fiele der Blick auf die Isen und die Wiesen dahinter. Die Verweildauer wäre aber auch dann nicht länger, denn es stinkt hier zum Himmel. Selbst Hunde, die mit ihren Besitzern an den Isenauen ihre Runden drehen, meiden das Örtchen. „Das ist doch ein Schildbürgerstreich!“, meint etwa Marion Hofmann aus Obertaufkirchen.
Das schreit nach Aufklärung, denn in der Stadt der Hemadlenzn geschieht bekanntlich nichts ohne Sinn und Zweck, auch wenn sich dieser Standort selbst den Hiesigen nicht auf den ersten Blick als optimale Sitzposition erschließt. „Die Bank kann nur hier stehen, das ist städtischer Grund“, erklärt Bauhofchef Christian Salzeder auf Nachfrage. Die Flächen links und rechts davon seien in privater Hand.
Zudem seien alle Bänke in der Stadt nach Süden ausgerichtet. „Wenn im Frühling die Sonnen scheint, wird es auf den Bänken in der Stadt angenehm warm.“ So auch auf dieser Bank, direkt vor der Kläranlage, die gefühlt schon immer dastehe, so Salzeder.