Nach Maduro-Festnahme: 16 Öltanker fliehen mit Täuschungsmanöver vor US-Blockade

Die US-Blockade gegen Venezuela steht vor einer ersten Belastungsprobe. Nachdem US-Spezialkräfte den langjährigen Präsidenten Nicolás Maduro festgesetzt haben, beobachten Analysten eine koordinierte Fluchtbewegung sanktionierter Öltanker. Wie die „New York Times“ berichtet, haben mindestens 16 Schiffe der sogenannten „Schattenflotte“ in den vergangenen 48 Stunden versucht, sich dem Zugriff der US-Marine zu entziehen.

Venezuela-Tanker nutzen „Spoofing“ zur Täuschung

Die Schiffe, die zuvor über Wochen per Satellit in venezolanischen Häfen lokalisiert worden waren, verschwanden am Wochenende fast zeitgleich von den Überwachungsmonitoren. Nach Informationen der „New York Times“ setzen die Kapitäne dabei auf gezielte Desinformation. Vier Schiffe wurden dabei identifiziert, wie sie unter falschen Namen und mit manipulierten Transpondersignalen – dem sogenannten „Spoofing“ – die Küste verließen. Durch diese Technik senden die Schiffe falsche Positionsdaten, um auf den Radarschirmen der US-Marine an völlig anderen Orten zu erscheinen.

Diese Schiffe operieren ohne Autorisierung der neuen Interimspräsidentin Delcy Rodríguez. Interne Daten der staatlichen Ölgesellschaft legen nahe, dass die Tanker von Händlern kontrolliert werden, die bereits aufgrund ihrer Verbindungen zum Maduro-Clan unter US-Sanktionen stehen.

Taktik der Überlastung: Warum 16 Schiffe gleichzeitig auslaufen

Experten sehen in dem plötzlichen Auslaufen der Schiffe ein kalkuliertes Manöver, um die Kapazitäten der US-Marine zu sprengen. Es geht dabei um eine gezielte Überlastung der Überwachungskräfte: Wenn zu viele Schiffe gleichzeitig in verschiedene Richtungen fliehen, kann das Militär seine Ressourcen nicht auf jedes einzelne Ziel gleichzeitig konzentrieren.

Samir Madani, Mitbegründer des Analysedienstes TankerTrackers.com, erklärte gegenüber der „New York Times“: „Der einzige wirkliche Weg für ölbeladene Tanker, eine Seeblockade zu durchbrechen, besteht darin, sie mit ausgehenden Schiffen zu überwältigen.“

Damit beschreibt Madani eine Sättigungstaktik: Die Masse der fliehenden Schiffe soll die US-Navy dazu zwingen, Prioritäten zu setzen, wodurch im entstandenen Chaos einige Tanker unbemerkt durchschlüpfen könnten.

Marco Rubio: „Quarantäne“ soll Einnahmen des Regimes stoppen

Die am 16. Dezember von Präsident Trump verhängte Blockade wird von US-Außenminister Marco Rubio als eine der umfassendsten „Quarantänen“ der modernen Geschichte bezeichnet. Während US-Unternehmen wie Chevron unter Ausnahmeregelungen weiterhin Öl exportieren dürfen, konzentriert sich das Militär auf Schiffe, die zuvor etwa iranisches oder russisches Öl transportiert haben.

Ein US-Regierungsvertreter betonte am Sonntag in der „New York Times“: „Die Blockade ist in Kraft und konzentriert sich gezielt auf sanktionierte Schattenschiffe, die mit Sanktionen belegtes venezolanisches Öl transportieren.“

Risikoabwägung auf hoher See

Für die Schiffsbesatzungen und Betreiber ist die Lage prekär. Da die Lagerkapazitäten in Venezuela nahezu erschöpft sind, steigt der Druck, das Rohöl schnellstmöglich abzutransportieren. 

David Tannenbaum, ein ehemaliger Experte für Sanktionseinhaltung im US-Finanzministerium, sieht die Kapitäne in einem strategischen Dilemma. Sie müssten entscheiden: „[...] was weniger riskant ist – zu fliehen, während sie eine Chance auf Entkommen sehen, oder zu bleiben und künftige Durchsuchungen oder Übergriffe durch US-Streitkräfte in venezolanischen Gewässern zu riskieren.“

Erste Schiffe konnten bereits weit draußen im Atlantik lokalisiert werden. So wurde die „Vesna“, die unter dem Decknamen „Priya“ operiert, hunderte Meilen nordöstlich von Venezuela gesichtet. Da sie keine Fracht geladen hatte, konnte sie die Blockadezone mit hoher Geschwindigkeit verlassen, bevor ein Abfangen möglich war.