Immer mehr Gewaltfälle in Kitas werden gemeldet. Was sich dahinter verbirgt und was das für Eltern und Einrichtungen bedeutet.
Wer sein Kind morgens in der Kita abgibt, will vor allem Sicherheit und Geborgenheit. Doch aktuelle Zahlen zeigen, dass diese Selbstverständlichkeit längst nicht mehr überall garantiert ist. Selten war von mehr Gewalt in Kitas die Rede und nie wurden so viele Fälle gemeldet wie zuletzt. Sorge und Unsicherheit wachsen.
In Nordrhein-Westfalen haben die Landesjugendämter für das Jahr 2025 insgesamt 4718 Gewaltereignisse in Kitas dokumentiert. Im Vorjahr lag die Zahl bei 2680 Fällen. Das entspricht einem Anstieg um rund 76 Prozent. Besonders auffällig ist, dass Übergriffe meistens zwischen Kindern stattfinden. Die Zahl dieser Fälle stieg von 1238 im Jahr 2024 auf 2481 im Jahr 2025 – das bedeutet eine Steigerung von rund 100 Prozent.
Deutlich mehr Gewaltfälle in Kitas: Neue Zahlen zeigen besorgniserregenden Anstieg
Auch Übergriffe durch Erwachsene nehmen zu. Im Jahr 2025 wurden 1084 Fälle gemeldet, im Vorjahr lag die Zahl noch bei 390. Das entspricht einem Anstieg von rund 178 Prozent. Diese Informationen stammen aus einer Anfrage der SPD-Landtagsfraktion und werden in mehreren Medienberichten bestätigt. Ein Grund für den starken Anstieg sei, dass Gewaltvorfälle inzwischen systematischer erfasst werden. Das Familienministerium nennt als Grund neue digitale Meldesysteme und eine gestiegene Aufmerksamkeit im pädagogischen Team.
Wissenschaftliche Untersuchungen, wie etwa die Studie der Universität Gießen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, zeigen zudem, wie sehr strukturelle Probleme das Risiko für Gewalt beeinflussen. In vielen Kitas fehlen ausreichend Fachkräfte, die Gruppen sind oft zu groß und die fachlichen Standards sinken. Das führt dazu, dass Erzieherinnen und Erzieher schnell an ihre Grenzen kommen. In der Studie der Universität Gießen heißt es, dass schlechte Bedingungen das Risiko für Übergriffe erhöhen.
Vom Personalmangel bis zur Ausgrenzung: Was den Alltag in Kitas zusätzlich erschwert
Die gemeldeten Fälle von Gewalt in Kitas sind ganz unterschiedlich. Es geht nicht nur um Schubsen oder andere Übergriffe, sondern zum Beispiel auch um abwertende Bemerkungen, Ausgrenzen oder fehlende Aufsicht. Seit 2021 muss jede Kita ein Schutzkonzept haben, das Kinder besser schützen soll. Trotzdem zeigen die steigenden Zahlen: Es braucht offenbar noch mehr Veränderungen. Auch ein weiterer Trend an deutschen Kitas schadet dem späteren Erfolg der Kinder.
Vor allem gibt es in vielen Kitas zu wenig Personal. Das kritisiert der Kinderschutzbund NRW und sieht darin einen der wichtigsten Gründe für schwierige Situationen in den Einrichtungen. Sind zu wenige Fachkräfte vor Ort, kann die Belastung für alle steigen. Der Kinderschutzbund empfiehlt Eltern, besonders aufmerksam auf Veränderungen beim eigenen Kind zu achten und sich bei Unsicherheiten frühzeitig mit der Kita auszutauschen. Auch interessant: Mit diesem Verhalten machen sich Eltern in Kitas unbeliebt.