Landsberg - Jerusalem um 1192: Nathan trifft am Morgen nach langer Reise wieder zuhause ein und findet seine Welt im Chaos. Mit Weisheit lenkt er das Schicksal aller Beteiligten und hinterlässt am Abend eine harmonische und tolerante Welt. „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing kommt zum 60. Jubiläum der landsberger bühne ins Stadttheater. Ein Vorbericht.
„Mich hat das Stück als utopisches Märchen immer schon interessiert“, schwärmt Regisseur Ioan Toma von Lessings Nathan. Anfang des letzten Jahres habe die landsberger bühne bei ihm angefragt, ob er das Stück für das Jubiläum inszenieren wolle. „Ich war sofort dazu bereit!“. Das Stück über einen Mann und die Frage nach der einzig wahren Religion habe den Regisseur fasziniert. „Das war alles noch vor dem 7. Oktober ...“
Ins Jetzt geholt
An den Tag, an dem die Hamas Israel angriffen, erinnert sich Toma noch genau. „Als ich die Nachricht per Radio bekommen habe, kam bei den Proben gerade die Szene, in der Nathan berichtet, wie seine Familie von Christen umgebracht und verbrannt wurde und wie er dann den Christen einen unversöhnlichen Hass geschworen hat.“ Mit einem Mal wurde das Stück aktueller als je zuvor. „Aber dann kam die Vernunft und hat Nathan von diesem Weg abgebracht.“ Man habe spüren können, was Lessing vorgeschlagen hat, meint der Regisseur: „Er hat als Aufklärer die Vernunft als einzige Chance gesehen, um religiösen Hass zu überwinden.“ Leider sei es eine Utopie, ein Traum geblieben, „denn nach ihm kamen in Deutschland die Nazis und haben sein Stück verboten, und jetzt haben wir wieder solche Sorgen.“
Wo ist die Vernunft?
Aus den Gründen, die wir täglich in den Nachrichten erfahren und unter denen wir erdrückt werden, ist es hoch aktuell, meint der Regisseur. „Man fragt sich immer, wann die Vernunft kommt.“ Lessing habe das Stück in eine Zeit vor 800 Jahren gelegt, in der die Moslems offen waren – heute sei das in vielen Bereichen der muslimischen Kultur nicht mehr der Fall. „Deswegen wollen wir im Stück auch kurz die Frage andeuten, wie sich Religionen entwickeln.“ Das Bindeglied der drei großen Religionen Christentum, Judentum und Islam: die Klagemauer, die das ganze Stück, das zwei Stunden dauert, begleiten wird.
„Das Stück hat eine hohe Dynamik, denn es läuft an einem Tag ab“, erklärt der Regisseur. Ergänzt werde diese Energie durch die „ rhythmische und poetische Sprache“ der Dialoge. „So ähnlich wie mit Shakespeare-Reimen erzählen wir das Stück.“
Die ersten Proben für diesen Klassiker der Weltliteratur habe es im Spätsommer letzten Jahres gegeben, so Toma. Auch das musikalische Konzept für das Stück sei in dieser Zeit erarbeitet worden. Ein anspruchsvolles Stück, wie der Regisseur erklärt, wobei es bei den Proben einen großen Vorteil gegeben habe. „Das Stück besteht aus vielen kleinen Gruppen“. In den einzelnen Szenen spielen, außer am Schluss, nie mehr als drei Figuren mit, weswegen die landsberger bühne und der Regisseur separat proben „und das Ganze dann zusammenfügen“ konnten. Seit knapp zwei Monaten gebe es einen dichten Proben-Rhythmus, denn schon in drei Tagen findet die Premiere statt. Im Stadttheater probe die landsberger bühne seit kurz vor Weihnachten.
Aufführungen
Die Premiere von „Nathan der Weise“ findet am 12. Januar um 20 Uhr im Stadttheater statt. Weitere Aufführungen zur selben Uhrzeit sind am 13., 19., und 20., 26., und 27. Januar. Um 18 Uhr wird das Stück am 14. und 21. Januar aufgeführt. Alle Infos zu den Aufführungen gibt‘s unter stadttheater-landsberg.de oder unter landsberger-buehne.de.