Gute Nachrichten bei Auer Jugendversammlung: „Pinocchio“ könnte Jugendtreff werden

  • Richard Lorenz
    VonRichard Lorenz
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Die Chancen für einen Jugendtreff in Au stehen nicht schlecht: Im „Pinocchio“ könnten Räume entstehen, wie bei der Jugendversammlung zu hören war.

Au/Hallertau – Was wünschen sich eigentlich die Kinder und Jugendlichen in der Marktgemeinde Au – was fehlt und wo ist dringender Handlungsbedarf etwa in puncto Freizeitangebot? Um das herauszufinden, wurde im Rahmen der „Woche der Demokratie“, einem Kooperationsprojekt der Gemeindebücherei Au und der gemeindlichen Jugendpflege, eine Jugendversammlung auf die Beine gestellt – und das mit überraschenden Erfolg. Rund 35 Kinder und Jugendliche waren am vergangenen Montag trotz bestem Frühsommerwetter zum Rosenwirt gekommen, um Bürgermeister Hans Sailer ganz konkrete Wünsche auf den Tisch zu legen.

An Auer Nachwuchs ging ein Fragebogen – viele wünschen sich Jugendtreff

548 Auer Kindern und Jugendlichen wurde bereits im April ein umfangreicher Fragebogen zugeschickt, erklärte Philipp Barthelme, Jugendpfleger von Au und Nandlstadt – schlichtweg um herauszufinden, wo der Schuh drückt und welche Angebote in der Marktgemeinde eigentlich fehlen. Was der Rücklauf von 130 Stück der Fragebögen ergab: Es fehlt einiges für den Auer Nachwuchs. Was am häufigsten gewünscht wurde: Ein Jugendtreff, dicht gefolgt von einem Dirtpark, einem Schwimmbad und per se einem breiter aufgestellten Sportangebot für die jungen Leute. „Die Kinder und Jugendlichen wollen einfach einen Treffpunkt zum chillen und runterkommen“, erklärte der Jugendpfleger.

Stetiger Austausch: Jugendpfleger Philipp Barthelme (l.) im Gespräch mit Bürgermeister Hans Sailer und dritter Bürgermeisterin Beatrix Sebald.

In seinem Fragebogen hat Barthelme aber auch noch andere Dinge abgefragt. Wie etwa das Thema Einsamkeit bei den Kindern und Jugendlichen. 41 Prozent gaben diesbezüglich an, sich manchmal einsam zu fühlen, zehn Prozent hingegen haben dieses Gefühl oft. „Das hat mich schon sehr erschreckt“, musste 3. Bürgermeisterin Beatrix Sebald zugeben, die sich zusammen mit Sailer und einigen Gemeinderäten die Wünsche und Bedürfnisse angehört hat. Auch die eher schlechte Anbindung durch den öffentlichen Nahverkehr sei häufig genannt worden, vor allem im Mittelfeld der Heranwachsenden. „Die Kinder erreichen vieles mit dem Radl, und die Älteren fahren dann oft schon selbst – aber für alle dazwischen ist es halt schwierig“, so Barthelme. Was ihn allerdings aufgrund seiner Erfahrung wenig überrascht hat: „Die Kinder und Jugendlichen sind sehr motiviert, die haben einfach Bock.“

Was Barthelme immer wieder bei seiner Arbeit höre: „Die jungen Menschen fühlen sich nicht ernstgenommen.“ Sein Tipp an alle Entscheidungsträger: „Immer ein offenes Ohr haben und klar kommunizieren, was geht oder nicht.“

Bürgermeister Sailer kann gute Nachrichten überbringen

„Dass heute so viele da waren, das hat mich schon überrascht – und auch, dass alle so engagiert waren“, musste Sailer nach der Versammlung zugeben. In puncto Jugendtreff hatte Sailer gleich auch einmal eine gute Nachricht mit dabei, denn in der ehemaligen Auer Gaststätte Pinocchio könnte durchaus Platz für so einen Raum sein – und zwar im Gaststätten-Nebenzimmer. „Da sind wir grad in der Abstimmungsphase“, so Sailer, denn in dem von der Gemeinde gekaufte Gebäude soll neben der Vhs und der Lernpraxis auch noch Platz für die Senioren sein. Freilich weiß Sailer auch, wo sich die Jugendlichen auf dem Land eigentlich treffen, nämlich in Hütten und Bauwägen – das sei aber alles privat und eben kein offizieller Begegnungsort.

In der ehemaligen Gaststätte Pinoccio könnte der Jugendtreff entstehen.

Ein Schwimmbad ist leider nicht drin

Wo Sailer hingegen gleich abwinkte: ein Schwimmbad für Au. Hier fehle es schlichtweg an finanziellen Mitteln, um ein Freibad oder gar ein Naturbad aufzumachen. Und auch für einen Dirtpark sieht er eher schwarz, denn hier fehle es an einem passenden Grundstück – aber vielleicht kann diesbezüglich sogar einer der anwesenden Jugendlichen was reißen. Ein Bub wollte nämlich gleich nach der Versammlung mit seiner Oma reden, ob das nicht auf dem heimischen Grundstück möglich wäre.

„Das war total cool, dass heute so viele da waren – das werden mal die zukünftigen Marktgemeinderäte“, lautete das Fazit von Sebald. Sie konnte sich auch noch daran erinnern, dass es vor 30 Jahren einmal ein Jugendtreff in Au gegeben hat – und zwar in einer Hopfenhalle. Dieser Jugendtreff war allerdings selbstverwaltet ohne Jugendpfleger. „Lange ist das nicht gut gegangen.“