Recht auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen: So unterschiedlich wappnen sich die Gemeinden

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An der Alfons-Peter-Grundschule in Peiting ist die Ganztagsbetreuung in einem neu gebauten Gebäude untergebracht. Eine solche Lösung ist nicht überall möglich. © Hans-Helmut Herold

Ab dem Schuljahr 2026/27 gilt schrittweise der Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung in der Grundschule. Doch wie sind die Gemeinden darauf vorbereitet? Eine Bestandsaufnahme für Peiting, Rottenbuch, Böbing und Wildsteig.

Peiting/Rottenbuch/Böbing/Wildsteig –Für Kinderkrippen und Kindergärten haben Eltern längst einen rechtlichen Anspruch darauf, dass ihr Kind einen Kita-Platz bekommt. Doch weil auch der Gesetzgeber zwischenzeitlich erkannt hat, dass das Problem, Arbeit und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bekommen, nicht mit der Kita-Zeit des Nachwuchses endet, soll die Regelung künftig auch für die Grundschule gelten. Den Anfang machen ab dem Schuljahr 2026/27 die Erstklässler, schrittweise wird der Rechtsanspruch dann in den Folgejahren für die anderen Klassenstufen eingeführt. Umsetzen müssen ihn die Kommunen. Doch wie sieht es in Peiting, Rottenbuch, Böbing und Wildsteig in Sachen Ganztagsbetreuung aus?

In der Marktgemeinde gibt es an beiden Grundschulen bereits seit einigen Jahren eine offene Ganztagsschule (OGTS). Aktuell besuchen laut Bürgermeister Peter Ostenrieder an der Alfons-Peter-Grundschule 83 der insgesamt 279 Schüler eine der 6 Kurzgruppen bis 14 Uhr, 45 Schüler werden in zwei Gruppen bis 16 Uhr betreut. An der Lentner-Schule mit 181 Schülern gibt es fünf Kurzgruppen mit 71 Schülern und eine Langgruppe mit 25 Schülern.

Der Bedarf an Plätzen ist laut Rathauschef in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. An der Lentner-Schule habe es in diesem Schuljahr eine Warteliste gegeben, „da es die momentane Raumsituation nicht erlaubt hatte, alle Kinder aufzunehmen“. Ostenrieder geht davon aus, dass diese Entwicklung unabhängig vom Rechtsanspruch anhält. Statt auf weitere Neubauten – an der Alfons-Peter-Schule hatte die Gemeinde vor einigen Jahren ein eigenes Gebäude für die OGTS errichtet – setzt man bei der Gemeinde künftig auf eine Doppelnutzung bestehender Klassenräume, um der Platznot zu begegnen. Diese als Multifunktionsräume auszustatten, sei nachhaltiger, als neue Räume zu schaffen, die halbtags leerstehen, so der Bürgermeister. „Der einzelne Schüler hat seine Unterlagen und Utensilien dann nicht mehr ,im Tisch‘, sondern in einer Schublade, die er mit an den Tisch nimmt.“

Um den Rechtsanspruch abzudecken, zählt die Gemeinde neben der OGTS auch auf den vorhandenen Hort, dessen Angebot Eltern kostenpflichtig buchen können – auch wenn Umfragen ergeben haben, dass die offene Ganztagsschule von den Eltern präferiert werde. „Das ist eher das Wunschmodell.“ Generell sehe er den Markt Peiting in Sachen Ganztagsbetreuung momentan gut vorbereitet, betont Ostenrieder. Man werde die Entwicklung aber aufmerksam verfolgen, um „vor der Welle“ zu bleiben.

Eine offene Ganztagsschule gibt es an der Rottenbucher Grundschule bislang nicht und wird laut Bürgermeister Markus Bader voraussichtlich auch nicht kommen. Der Rathauschef verweist auf den bestehenden Hort der Don Bosco-Schwestern, den aktuell acht von 64 Grundschülern besuchen. Bislang hätten alle Anfragen bewältigt werden können. Mit Einführung des Rechtsanspruchs rechnet Bader nur mit einer moderaten Steigerung um bis zu 15 Kinder. Noch wird in Rottenbuch über den künftigen Weg der Betreuung diskutiert. „Entweder wird der Hort so organisiert, dass er rechtsanspruchserfüllend ist, also eine Kooperation von Don Bosco Schwestern und Gemeinde, oder die Mittagsbetreuung wird in Zukunft an die Grundschule angegliedert“, sagt Bader zum aktuellen Stand der Überlegungen. Bauliche Maßnahmen seien in keinem Fall nötig.

Auch in Böbing muss man beim Thema Ganztagsbetreuung nicht bei null anfangen. Bereits seit 17 Jahren gibt es laut Bürgermeister Peter Erhard eine Mittagsbetreuung im Schulhaus. 87 Kinder aus allen vier Jahrgangsstufen nutzen aktuell das Angebot, das Öffnungszeiten bis 16 Uhr vorsieht. Den Bedarf habe man bisher decken können, sagt Erhard, der aber davon ausgeht, dass dieser mit dem Rechtsanspruch ansteigen werde. „Diese Erfahrung haben wir schon bei der Krippengruppe gemacht.“ Um dem zu begegnen, will die Gemeinde die Mittagsbetreuung erweitern. Doch die Pläne für eine Nutzung der Wohnungen im alten Schulhaus liegen aktuell wegen eines Rechtsstreits mit einer Mieterin auf Eis (wir berichteten). „Da müssen wir erst abwarten, wie es weitergeht.“

In Wildsteig ist eine Ganztagsbetreuung aktuell dagegen noch Zukunftsmusik. Es habe in der Vergangenheit mal eine Mittagsbetreuung gegeben, diese sei aber mangels Nachfrage eingestellt worden, sagt Bürgermeister Josef Taffertshofer. Gleichwohl hat man bei der Gemeinde das Thema angesichts des kommenden Rechtsanspruchs auf dem Schirm. „Ich gehe davon aus, dass der Berdarf steigt.“ Derzeit läuft laut dem Rathauschef eine Elternbefragung, die als Basis für die weiteren Überlegungen dienen soll. Je nach Nachfrage stehe eine Kooperation mit Steingaden oder die Schaffung eines eigenen Angebots im Raum, so Taffertshofer. Für letzteres stünden Räumlichkeiten zur Verfügung. „Wir haben im Moment ein Klassenzimmer frei.“ In zwei Jahren, wenn die Bäckerei wieder aus dem Mehrzweckraum ausziehe, könnte auch dieser genutzt werden, blickt er voraus. Und auch darüber hinaus gibt es laut Taffertshofer Optionen, etwa für einen Anbau. „Wir haben Platz, um baulich etwas zu machen.“ Doch davor will man erstmal die weitere Entwicklung abwarten.

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