Der Dorfladen in Bad Bayersoien teilt keineswegs das Schicksal wie vergleichbare Geschäfte andernorts. Die Bilanzzahlen 2023 jedenfalls klingen vielversprechend.
Bad Bayersoien – Mehrere Schlagzeilen aus den Medien hatte Hans Klöck mitgebracht. Die Berichte dazu handeln von Dorfläden, die schließen müssen oder kurz vor dem Aus stehen, weil sie rote Zahlen schreiben. Für den Bayersoier Dorfladen hatte Klöck, einer der drei Geschäftsführer, eine eigene Schlagzeile entworfen. Eine prägnante: „Begeistert.“ In vielerlei Hinsicht traf dieser Gemütszustand in der Gesellschafterversammlung auf Klöck zu. Negativem wollte er sich an dem Abend nicht zuwenden. Die Zahlen gaben auch keinen Anlass dazu.
Da waren Worte des Dankes, die viele Adressanten fanden. Worte des Bedauerns, die an eine Person gerichtet waren. Worte der Begeisterung, die einfach raus mussten. Bei seinem Bericht hielt Geschäftsführer Klöck mit seinen Emotionen nicht hinterm Berg. Gleich zu Beginn der Versammlung im Gasthof zum Weißen Roß stellte er klar, dass „wir immer noch nicht von der Überzeugung abgekommen sind, wie wichtig der Dorfladen für Bayersoien ist“. Wir, das sind die dreiköpfige Geschäftsführung und das Team. Letzteres verliert in wenigen Monaten eine Mitarbeiterin, die nun „einen neuen Lebenspunkt“ erreiche, wie Klöck formulierte. Nun wird Verstärkung gesucht. Das als Ausblick. Zurückgeblickt erinnerte Klöck daran, dass das Geschäft 2023 als „Dorfladen mit Herz“ vom Bundesverband der Bürger- und Dorfläden ausgezeichnet wurde. Es sei aber auch ein Laden, „bei dem dir das Herz aufgeht“.
Viel Lob hatte Klöck für das Team, die Kunden, die auch aus umliegenden Gemeinden kommen, und Lieferanten, den Hausherrn, den Gemeinderat, die Rathausspitzen. Stolz präsentiert er die Zahlen. Der Umsatz steigerte sich von 464 655,27 Euro im Jahr 2022 auf 479 927,15 Euro. Das Ergebnis nach Steuern konnte das Team von 3683,84 (2022) auf 7024,79 Euro erhöhen.
Klöcks Appell an alle Zuhörer: „Begeistert uns weiter!“ Was er damit auch meint: Kauft weiter ein! Rund 2500 Artikel sind auf den 67 Dorfladenquadratmetern zu finden. „Es gibt alles bei uns.“ Doch bekomme man bei Weitem nicht nur Obst, Gemüse, Semmeln, Eier und Co. Man bekomme bestmögliche Preise, ein Lächeln, einen Ratsch. Wenn möglich, werden die Einkäufe sogar nach Hause geliefert, sollte jemand nicht so gut auf den Beinen sein. An Anekdoten, die viel über das Team verraten, sparte der Geschäftsführer nicht. Weit nach Ladenschluss wurden beispielsweise mal Gastgeschenke verpackt. Oder man sprang mit einer erfrischenden Notlieferung Eiswürfel in die Presche. Und Sätze wie „Nein, wir haben noch ned offen, aber kimm rei“ hört man immer wieder.
Im Laden gibt es Neues. So können die Biertragl nun mit individuellen Laser-Brandings versehen und Waren in einer Einkaufstasche mit dem Aufdruck „Die tut nix! Die will nur shoppen!“ verpackt werden. Ein neuer Kühlschrank hält portioniertes Fleisch frisch und nach dem Ende von „Faustgrob & Piekfein“ konnte ein neuer Lieferant für Regionales im Glas gefunden werden. Mit Entwicklungen wie Hybrid- oder 24/7-Dorfläden und Verkaufsautomaten setzt man sich auch auseinander. Infrage kommt eine Umstellung momentan nicht. Aus unterschiedlichen Gründen. Am Automaten „ist der persönliche Kontakt zum Kunden nicht vorhanden“, sagte Klöck unter anderem. Auch Kosten und Wartungsaufwand sprechen dagegen.
Zu den meistverkauften Produkten zählten wie 2022 Obst und Gemüse (19,81 Prozent), Wurst und Käse (15,33 Prozent), Molkereiprodukte und Eier (14,14 Prozent), allgemeine Lebensmittel (9,71 Prozent) und Tabakwaren (9,41 Prozent). Erstmals in den Top Ten landeten die Regionalprodukte. Hier „waren die Backwaren ausschlaggebend“, sagte Klöck. Die absoluten Renner waren Eier (36 702 Stück), Helles Vollbier von Augustiner (7363) und 85-Cent-Briefmarken (6683). Auch die vielen belegten Semmeln und Leberkassemmeln (zusammen fast 5000) führte der Geschäftsführer auf, die mit der Hagelkatastrophe Ende August 2023 zusammenhingen, „das Großwetterereignis, das nie wieder jemand braucht“. Der umsatzstärkste Tag war Montag, der 4. September. „Da hatten sie Hunger, unsere Handwerker.“ Der September wurde auch der umsatzstärkste Monat (2022: August). Insgesamt 42 407 Einkäufe wurden im vergangenen Jahr getätigt, fast 1200 mehr als 2022. Im Schnitt wurden 12,46 Euro ausgegeben (2022: 12,25 Euro; 2017: 9,34 Euro). Zwischen 10 und 12 Uhr klingelte die Kasse am häufigsten.
Die Handwerker, die die massiven Schäden nach dem Unwetter beseitigten, sind nicht mehr da. Ob also das nächste Jahr schlechter sein wird, fragte ein Zuhörer. Aktuell brauche man sich keine Sorgen machen, meinte der Geschäftsführer. Aber man dürfe nicht nachlassen. „Wir sind auf einem guten Weg“, betonte Klöck. Wenn jeder mitzieht – was er mit einer netten Geste demonstrierte. Er habe „die wichtigste Person für unseren Dorfladen gefunden“, betonte Klöck, ließ an alle Taschenspiegel verteilen und öffnen. „Jeder ist wichtig.“