Mit einem sehr alten Bauwerk im Alpbachtal musste sich der Tegernseer Bauausschuss jetzt beschäftigen: Weil aus der einstigen Hubertushütte längst ein stattliches Wohnhaus geworden ist, forderte das Landratsamt eine Nutzungsänderung.
Tegernsee - Auf Almhütten oder Hütten im Bergwald hat das Landratsamt seit geraumer Zeit ein besonders wachsames Auge – egal, ob es sich um Hütten mit langer Geschichte oder neu errichtete Objekte handelt. Auf die Tagesordnung der Tegernseer Bauausschusssitzung schaffte es jetzt eine Hütte im Alpbachtal: die Hubertushütte. Mitarbeiter des Landratsamts hatten bei einer Baukontrolle bereits im Jahr 2022 festgestellt, dass Baugenehmigung und aktuelle Nutzung nicht zusammenpassen. Zudem stellten sie fest, dass ein Swimmingpool an der Hütte inzwischen viel größere Ausmaße hat als genehmigt.
Die seit 1930 existierende Hütte war einmal ein Wirtshaus
„Das ist schon ein sehr alter Fall, und ich kann mich nicht erinnern, dass wir uns jemals damit beschäftigt hätten“, sagte Bürgermeister Johannes Hagn (CSU), nachdem Bauamtsleiterin Bettina Koch darüber informiert hatte, um was es ging: Die wohl seit 1930 existierende Hütte im Wald, bergseits des Weges zur Kreuzbergalm, war einst ein Wirtshaus. In einem Bericht vom Juni 1949 im Oberlandboten, dem Vorläufer der Tegernseer Zeitung, heißt es, dass die Hütte vom „altbekannten Tegernseer Jäger Halmbacher“ gebaut worden sei, der auch schon für Heimatdichter Ludwig Thoma tätig gewesen sei. Über eine „steile Kehre“ würde man den „solide schönen Natursteinbau mit sonniger Terrasse“ erreichen, heißt es in dem Bericht weiter. Unter dem Titel „Die Hubertushütte ist neu erstanden“ ist auch davon die Rede, dass hier solides und einfaches Essen auf den Teller komme.
Ehemalige Hubertushütte verfügt über Pool und Sauna
„Wir hier wissen, dass die Hütte seit den 1970er-Jahren kein Wirtshaus mehr ist“, sagte Hagn, der jedoch nicht sagen konnte, wer was wann umgebaut hat. Fest steht: Aus der Gaststätte im Erdgeschoss wurde inzwischen ein Wohnraum, aus einer westlich angebauten Garage im Erdgeschoss eine Sauna, und ein Freisitz im Obergeschoss dient ebenfalls als Wohnraum. „Das Landratsamt will jetzt eine offizielle Nutzungsänderung“, informierte Koch, die auch wusste, dass die Umnutzung für die Sauna kritisch gesehen werde. Allerdings habe der jetzige Besitzer angeboten, eine kleine Jagdhütte neben der Hubertushütte als „Kompensation zur Schonung des Außenbereichs“ abzureißen. Und damit sei das Landratsamt einverstanden.
Kompletter Stadtrat stimmt für Nutzungsänderung
Hagn machte deutlich, was er von der Angelegenheit hält: „Das ist ein Wohnhaus, seit ich die Hütte kenne. Und nach so langer Zeit stellt sich nicht mehr die Frage, ob das wieder eine Gaststätte werden könnte.“ Er tue sich schwer, die Nutzungsänderung abzulehnen, meinte Hagn. Auch Rudolf Gritsch (CSU) gestand, dass er sich mit der Umnutzung anfreunden könne. Das komplette Gremium schloss sich dieser Meinung an.
Swimmingpool muss zurückgebaut werden
Weitaus strenger gingen die Bauausschuss-Mitglieder mit einem Swimmingpool um. Der war 1968 offenbar genehmigt, gebaut und zuletzt auf knapp 16,50 mal vier Meter vergrößert worden. Zudem wurde ein „Geräteschuppen“ zu einem Nebengebäude mit Kamin und Aufenthaltsbereich umgebaut. „Es ist für mich klar, dass der Pool zurückgebaut werden muss“, sagte Hagn, der diese Maßnahme auch für zumutbar hielt. Zudem müsse das Nebengebäude wieder ein Geräteschuppen werden, da es gegenüber dem Hauptgebäude nicht mehr „untergeordnet“ erscheine. „Alles andere wäre ein Präzedenzfall“, sagte Hagn, der überdies erklärte, dass die Hütte im Landschaftsschutzgebiet liege. Das komplette Gremium war seiner Meinung und lehnte diese beantragte Baugenehmigung ab. Wie das Landratsamt entscheidet, muss sich erst noch zeigen.
gr