Kuriose Klage in Urlaubs-Hotspot in Italien: Taschendiebe versuchen gegen Bürgerwehr vorzugehen

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In Venedig zeigen Taschendiebe mutige Bürger an, die Touristen vor Diebstahl schützen. Die Politik fordert strenges Durchgreifen gegen Kriminelle.

München – Stellen Sie sich vor, Sie spazieren durch Venedig und beobachten, wie ein Tourist bestohlen wird. Sie greifen ein, filmen den Täter und warnen andere Urlauber. Doch plötzlich stehen Sie selbst vor Gericht. Angeklagt vom Taschendieb. Was wie ein schlechter Scherz klingt, ist in der Lagunenstadt bittere Realität geworden. Der Präsident von Venetien forderte bereits strengere Maßnahmen gegen die Verbrecher.

Warnschilder, die Touristen in Venedig vor Taschendieben warnen. Jetzt schlagen die Kriminellen zurück. (Symbolbild)
Kriminelle gehen jetzt gegen Venedigs Bürgerwehr vor. © Arnulf Hettrich/imago

Die Bürger-Gruppe der „Cittadini non distratti“ kämpft seit Jahren gegen die Taschendieb-Flut in Venedig. Täglich filmen sie Diebe, warnen Touristen und posten Videos in sozialen Medien. Doch jetzt schlagen die Kriminellen zurück. Sie zeigen die Bürgerwehr wegen Stalkings und unbefugten Festhaltens an, berichtet der Corriere del Veneto. Außerdem wollten sie nicht gefilmt werden, heißt es weiter.

Bürgerwehr in Venedig wird von Kriminellen verklagt

Das Vorgehen der Bürgerwehr in Venedig soll eine Kontroverse ausgelöst haben. Der örtliche Polizeikommandant wird von Corriere del Veneto mit den Worten zitiert: „Leider können wir nichts tun, weil es auf nationaler Ebene keine Gesetze gibt, um Diebe oder Taschendiebe festzuhalten. Ich habe immer gesagt, dass die Bürger nicht die Strafverfolgungsbehörden ersetzen sollten, und das ist das Ergebnis.“ Die Bürgerwehr nutzt ihre Aufnahmen nicht nur, um vor den Kriminellen und ihren Machenschaften zu warnen. Sie melden die Taschendiebe und nutzen das Filmmaterial als Beweis. 

Die Situation eskaliert zusehends, heißt es. Taschendiebe würden inzwischen Pfefferspray gegen Bürger einsetzen, Menschen während der Messe bestehlen und immer aggressiver werden. Das Problem liegt im italienischen Strafrecht: Taschendiebstahl ist seit einer Justizreform nicht mehr automatisch verfolgbar, sondern benötigt eine Anzeige des Opfers. Privatpersonen dürfen Verdächtige nicht festhalten, außer bei schweren Verbrechen. Venezia Today berichtet, dass sogar eine Strafe wegen Freiheitsberaubung drohen kann. Die Taschendiebe würden diese Rechtslücke geschickt ausnutzen.

Politik fordert drastische Maßnahmen

Regionspräsident Luca Zaia zeigt sich empört: „Es ist absurd, dass sich ausgerechnet die Taschendiebe berechtigt fühlen, Bürger anzuzeigen. Wir erleben eine Verdrehung der Realität.“ Er schlägt elektronische Fußfesseln für Wiederholungstäter vor, die notfalls von der Region finanziert werden sollen. Auch die Bürgerwehrbeteiligten sind fassungslos. Monica Poli, bekannt für ihre lauten Warnrufe an Touristen, kann es kaum fassen: „Wir, die wir Diebe melden und die wir zahlreiche Male Raubüberfälle verhindert haben, werden zu den Schuldigen.“

Bürgermeister Luigi Brugnaro fordert eine schnelle Gesetzesänderung. Er hat die Idee, einen Anwalt einzusetzen, der wie ein Friedensrichter bis zu zwölf Tage Haft für Taschendiebe verhängen könnte. Auch in anderen Metropolen sind Taschendiebe zuhauf unterwegs. Venedig steht augenscheinlich vor einem Dilemma. Wer sich gegen Kriminalität wehrt, wird selbst kriminalisiert. Die Bürgerwehr kämpft nicht nur gegen Diebe, sondern auch gegen ein System, das scheinbar die Falschen schützt. (lu)

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