In München boomt der Bau von Studentenwohnungen. Allerdings geht es weniger um günstige Buden, sondern eher um Luxusappartements. Und um ein Schlupfloch in den Bauvorschriften.
„Wir haben Ihre Traumimmobilie“ wirbt das Banner vor dem verlassenen Häuschen aus den 70er-Jahren. Auf dem Bild ist ein schicker Neubau zu sehen mit zwei Etagen und ausgebautem Dachgeschoss samt Gartenmöbeln auf der Terrasse. Doch es handelt sich nicht um ein neues Wohnhaus für bis zu drei Parteien. „Hier entstehen 18 Studentenappartements: Von 19 bis 40 Quadratmeter“ heißt es in der dünner gedruckten Unterzeile.
Stadt musste Antrag genehmigen
„Das passt doch gar nicht hier in die Gegend mit den kleinen Siedlungshäusern und dem Geschosswohnungsbau auf der anderen Seite“, wundert sich eine Anliegerin. Statt Kneipen liegen der Friedhof und der Riemer Park fast direkt neben der Immobilie. Auch der Bezirksausschuss Trudering hatte den Bau einst abgelehnt. „Wir hielten Studentenwohnen an dieser abseitigen und relativ schlecht erschlossenen Lage im Viertel für nicht passend“, erinnert sich die Vorsitzende des Planungsausschusses, Magdalena Miehle (CSU). Doch Studentenwohnen sei eben auch Wohnen und weil sonst alle Kriterien eingehalten wurden, musste die Stadt den Antrag genehmigen.
Miehle hat schon wieder so einen Bauantrag vorliegen: Neubau eines Studentenwohnheims mit 26 Studentenappartements und drei ungebundenen Wohnungen, einer Duplexgarage, sechs Unterflurparkern und zwei Stellplätzen. Rund 30 Bewohner und nur zehn Parkplätze. Der langjährigen Expertin ist längst klar, weshalb die Studentenwohnheime in München gerade so boomen. „Es geht um die Stellplätze.“ Normalerweise muss ein Stellplatz pro Wohnung erstellt werden. Bei Studentenheimen sind es ein Stellplatz pro fünf Betten. Ein Schlupfloch in der Bauordnung, das Investoren das Bauen deutlich günstiger macht.
BA-Mitglied wird Appartement ab 250 000 Euro angeboten
In den Stadtvierteln fragt man sich: Selbst wenn im Erstbezug hier wirklich Studenten einziehen – wer kontrolliert eigentlich später noch, ob hier tatsächlich ein Student lebt? Blöd gelaufen: Einem BA-Mitglied in Trudering ist ein solches Appartement als renditestarke Kapitalanlage angeboten worden. Kaufpreis: Ab 250 000 Euro aufwärts. Für diese Preise werde das sicher kein günstiges Wohnangebot für Studenten, meint Miehle.
In den Nachbarstadtbezirken kennt man das Spielchen ebenfalls. In Ramersdorf soll gerade ein früheres Hotel zu einem großen Studentenwohnheim umgebaut werden. Grundsätzlich natürlich zulässig, sagt der dortige Vorsitzende des zuständigen Unterausschusses, Wolfgang Thalmeir (CSU). Die Stadt möge doch auf den Bauherrn einwirken, durch Änderung der Wohnungsgrundrisse auch dringend benötigte familiengerechte Wohnungen zu schaffen. „Dies würde auch helfen, den Stellplatzbedarf zu reduzieren.“
Forderung: Studentenwohnen soll ins Grundbuch
In Trudering haben sie sich etwas anderes ausgedacht. Das Gremium fordert die Eintragung des „Studentenwohnens“ ins Grundbuch. Dann würde die Zustimmung zum Bauvorhaben deutlich leichter fallen. Und es entsteht nicht durchs Hintertürchen eine Luxus-Wohnbebauung mit späteren Stellplatzproblemen fürs Viertel.