Wer in der Lichtenau wohnt, ist längere Wege bisweilen gewohnt. Doch mehrere Eltern blicken mit Sorge auf den Schulweg, den ihre Kinder (künftig) zurücklegen müssen: Entlang von unbeleuchteten Fahrbahnen und über die Staatsstraße. Sie fordern eine Lösung – und haben auch einen Vorschlag.
Ein Lastwagen rauscht vorbei, gefolgt von einigen Autos. Kalter Fahrtwind streift Florian Hörmann und andere Eltern an der Bushaltestelle Weghaus. „Hier möchte ich als Erwachsener schon nicht stehen“, sagt Hörmann und schaut einem weiteren Auto hinterher. An der Haltestelle gibt es kein Wartehäuschen, keinen Übergang über die Staatsstraße 2057, die Wessobrunn mit Weilheim verbindet. Ja, nicht einmal ein Gehweg führt zu der unbeleuchteten Haltebucht, an der man warten muss, um Richtung Weilheim fahren zu können. Beim Gedanken daran, dass seine Tochter Maxima in zwei Jahren täglich hier in den Schulbus steigen soll, wird Hörmann anders. Dann nämlich ist das Mädchen keine Grundschülerin mehr – und muss selbst zu den RVO-Haltestellen gelangen. Der Wechsel auf eine weiterführende Schule bedeutet für Kinder aus der Lichtenau, dass sie nicht mehr wohnortnah von einem Kleinbus abgeholt werden. Das bereitet mehreren Eltern Sorgen.
Gehsteige gibt es im Außenbereich kaum. Die Kinder müssen entlang der Straßen zu den Haltestellen kommen. Im Winter ist es dort stockdunkel. Auf Höhe der Haltestelle Weghaus gilt auf der Staatsstraße Tempo 70, auf Höhe Sudetenstraße und Altvaterstraße/Lichtenau sind 100 Kilometer pro Stunde erlaubt. Einen sicheren Übergang gibt es nirgends – doch um nach Weilheim zu kommen, müssen die Kinder die Straßenseite wechseln.
Mit der Taschenlampe am Bushäuschen
Zumindest an der Altvaterstraße steht ein Bushäuschen. Das war‘s dann aber auch an Luxus. Das bekommt der Sohn von Johanna Rohrmoser vor allem im Winter deutlich zu spüren. Valentin (11) wird nicht mehr vom Bus für Grundschüler abgeholt, geht jeden Morgen die Altvaterstraße entlang – je nach Jahreszeit sogar im Dunkeln. Um die Staatsstraße queren zu können, „muss er oft lang warten“, schildert seine Mutter. Ein Busfahrer habe ihn zudem darauf hingewiesen, doch eine Taschenlampe mitzunehmen, damit er an der Haltestelle überhaupt zu sehen ist.
Zustände, die mehrere Eltern nicht mehr länger akzeptieren wollen. Neben Rohrmoser und Hörmann ist das unter anderem auch Rita Jungwirth. Sie alle finden die Situation zu gefährlich, zumal auf der Staatsstraße auf Höhe Lichtenau immer wieder Verkehrsunfälle passieren. Deshalb muss eine Lösung her, damit niemals einem Schulkind etwas passiert, finden sie. „Die muss natürlich praktikabel und finanzierbar sein“, sagt Jungwirth. Ein Kleinbus wie für Grundschüler wäre ihr Mittel der Wahl. „Da würden wir uns finanziell sogar beteiligen.“
Jungwirth wandte sich bereits an das Stadtrats-Mitglied Manuel Neulinger (Grüne), der das Problem im Verkehrsausschuss des Weilheimer Stadtrats schilderte. „Die Situation ist nicht ideal“, befand auch er. Das Thema wurde notiert, mehr geschah vorerst nicht. Jungwirth wandte sich auch ans Landratsamt – dort wurde ihr schriftlich mitgeteilt, dass sie ihre Bedenken bei der Schulanmeldung ihrer Kinder mit auf den Erfassungsbogen schreiben könnte.
Das jüngste Kind der Lichtenauerin geht in die Kita, die anderen beiden in die zweite beziehungsweise dritte Klasse. Jungwirth wollte rechtzeitig ihre Bedenken anbringen, „jetzt schon etwas erreichen“ – und nicht noch lange warten. Laut ihr leben in der Lichtenau mehr als 20 Schulkinder, acht davon gehen bereits auf weiterführende Schulen. Früher seien auch ältere Schüler direkt in der Lichtenau abgeholt worden, berichteten Nachbarn Jungwirth.
Auf Nachfrage der Heimatzeitung kann das Landratsamt dazu nichts sagen. Der Bereich „Schülerbeförderung“ liege seit Mai 2023 in der Zuständigkeit der Schulverwaltung. Von Jungwirths Anfrage weiß Klaus Mergel, stellvertretender Pressesprecher, nichts: Seiner Auskunft nach sei bisher „niemand an uns herangetreten und hat auf besondere mögliche Gefahren dieses Schulwegs hingewiesen“, sagt er. Die Schülerbeförderungsverordnung schreibe vor, wie ein Schulweg zu prüfen sei – im Hinblick auf die Entfernung ebenso wie auf die Gegebenheiten vor Ort. „Im Bedarfsfall erfolgt dann die Prüfung durch den Verkehrsbeauftragten des Landkreises und durch die Polizei“, sagt Mergel. Eltern könnten ihre Sorgen „bei der Antragstellung auf eine Fahrkarte in Verbindung mit der Anmeldung bei der weiterführenden Schule“ mitteilen.
Für Jungwirth ist die Situation in der Lichtenau längst klar: „Das ist alles andere als ein sicherer Schulweg“, sagt die Mutter. „Und den hat eigentlich jedes einzelne Kind verdient.“